Theresa Baumgärtner „Backen in der Winterzeit“ – Außergewöhnlichere Rezepte in liebevoller Gestaltung

Weihnachtliche Rezepte zwischen Land, Küste, Bergen und Städten

Herbst und Winter sowie vor allem gerade Weihnachten ist für mich die Zeit für Plätzchen, warme Getränke und (klassische) Ofengerichte. Mit „Backen in der Winterzeit“ hat Kochbuchautorin, Kolumnistin und Foodbloggerin Theresa Baumgärtner im Brandstätter Verlag ein liebevoll gestaltetes Backbuch veröffentlicht. Für alle die Lust auf außergewöhnlichere, aber trotzdem einfache Rezepte mit natürlichen Zutaten haben, ist dieses Buch ein Muss.

Mit Beginn des Herbstes, häufigerem Regen, der einsetzenden Kälte und dem früheren Sonnenuntergang wird die Küche mit dem wärmenden (Back-)Ofen schnell zum gemütlichen Mittelpunkt der Wohnung. Gerüche von Gebackenem, Gewürzen wie Zimt, Vanille oder Schokolode, den Aromen der Zitrusfrüchten, Kastanien oder Wintergemüse wie Kürbis, roter Beete oder Rosenkohl erzeugen in mir ein Gefühl von Wohlsein und Geborgenheit – auch weil es an die Küche meiner Mutter und Gruoßmütter erinnert.

In „Backen in der Winterzeit“ hat Theresa Baumgärtner ein wunderbares Koch- und Backbuch zusammengestellt, das der „dunklen“ Jahreszeit mit köstlichen Rezepten entgegenwirkt. Außergewöhnlich ist an dieser Sammlung vieles: Beginnend bei der Sortierung „Spätherbst Land Deutschland“, „November Küste Normandie“, „Dezember Berge Tirol“, „janur | Februar Stadt, Stockholm“. Wenn auch die Sortierung nach „Monaten“ keine Besonderheit darstellt, ist es die nach Städten/Gegenden bzw Landstrichen durchaus. So entsteht eine Systematik, die zu überraschen weiß, weil so Rezepte zum Vorschein kommen, die eher außergewöhnlich sind. Als Beispiel seien die Rote-Beete-Torte aus dem (deutschen) Land-Kapitel, ein pikanter Cake mit Pflaumen und Walnüssen aus dem (französischen) Küsten-Kapitel, die Neujahrsbrezeln aus dem (Tiroler) Berge-Kapitel oder die Cinnamon Cardamom Buns aus dem (Stockholmer) Stadt-Kapitel.

Hochwertige Lebensmittel für eine hochwertige Küche

Neben der Vielfalt bei den Rezepten legt Theresa Baumgärtner großen Wert auf die Zutaten, wie sie selber schreibt: „Mit wertvollen, natürlichen Zutaten für die
Familie und Freunde zu backen, ist für mich ein besonderer Ausdruck von Liebe! Die Wahl der besten Produktqualität sorgt für den feinsten Geschmack der Rezepte.“ Und Recht hat sie: Nur mit hochwertigen Zutaten können hochwertige Gerichte entstehen. Dinkelmehl statt Weizen: hochwertigem Eiweiß, Ballaststoffen, ungesättigten Fettsäuren, Vitaminen und wichtigen Mineralstoffen wie Magnesium, Zink und Eisen. Dieses lässt sich noch dazu gut verbacken. Aber auch Hanfmehl oder Polenta finden Verwendung, eher selten, aber mittlerweile gut zu bekommen. Gesüßt wird dezent und dann mit Rohrohrzucker statt weißem, raffinierten Zucker, Kokosblütenzucker, Ahornsirup, Apfelmus, Medjool-Datteln – häufig nutzt sie also die natürlichen Süße von Lebensmitteln. Dennoch sind die Rezepte einfach gehalten und selbst für Anfänger leicht nachzubacken. Herrlich herbst- bzw. winterlich ist auch die Verwendung von Nüssen, Mandeln, Kerne und Samen. All das erläutert sie bereits in der Einleitung, ohne dabei belehrend zu sein.

Die hochwertige Gestaltung des Buches beginnt schon außen: beim roten Leineneinwand. Dabei bleibt es nicht, sondern wird konsequent forgeführt. Die Landschauftsaufnahmen sind stimmungsvoll und die zubereiteten Gerichte sehr schön angerichtet und fotografiert, so dass der Appetit angeregt wird. Hier gilt es, der Fotografin Marina Jerkovic ein großes Kompliment auszusprechen. Sehr ansprechend sind auch die kleinen Illustrationen, die zu jedem der vier Kapitel gehören: Eicheln, Möwen, Berge und eine Teetasse. Sehr praktisch sind die Hinweise für Allergiker, Unverträglichkeiten oder  Lebensweisen wie glutenfrei, laktosefrei, zuckerfrei, vegetarische oder vegane Ernährung sowie die Zuordnung zu Kategorien wie süßen oder salzigen Gerichten. Neben den Rezepten lockern kleinere Anmerkungen und Geschichten  zu Natur, Familie oder Freundschaft die einzelnen Kapitel auf.

Kulinarische Winterreise

Für mich ist „Backen in der Winterzeit“ das Highlight der Backbücher des Jahres 2017. Und das aus vielerlei Gründen: Es sind die eher unbekannten, aber nicht abgehobenen Rezepte, die Verwendung von hochwertigen Lebensmitteln und die liebevolle Gestaltung. Bereits beim Durchblättern entstand bei mir ein wohliges und gutes Gefühl, so wie es bei Essen und erst recht bei Süßspeisen oder Backwaren in der Weihnachtszeit sein sollte. Alle Rezepte und zubereiteten Gerichte wärmen Herz, Magen und Seele – Soul-Food pur! Daher kann ich nur eine Empfehlung geben: Ab zum Buchhändler des Vertrauens, das Buch bestellen und noch schnell vor Weihnachten loslegen. Denn vieles bietet sich sogar prima als Mitbringsel an.


Theresa Baumgärtner “Backen in der Winterzeit“ | Copyright: Brandstätter Verlag

Theresa Baumgärtner | Fotografie: Marina Jerkovic

Backen in der Winterzeit

ISBN 978-3-7106-0098-2
240 Seiten und 200 Abbildungen

Preis: € 29,90

Das Rezensionsexemplar wurde mir von Brandstätter Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!

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Jeanine Donofrio „Vegetarisch mit Liebe“ – Abwechslungsreich, saisonal und frisch

Apfel-Radieschen-Salat aus "Vegetarisch mit Liebe"

Sommerlich erfrischend: Der Apfel-Radieschen-Salat aus „Vegetarisch mit Liebe“

Gemeinsam mit ihrem Mann, Jack Matthews, veröffentlicht Jeanine Donofrio auf ihrem Blog „Love & Lemons“ vegetarische und vegane Rezepte. Nachdem im letzten Jahr das gleichnamige Kochbuch in den USA äußerst erfolgreich war, erscheint es nun beim Südwest Verlag unter dem Titel „Vegetarisch mit Liebe. 120 Rezepte von Apfel bis Zucchini“: Frisch und saisonal.

Von einer Hauptzutat zum Rezept

Frisch und saisonal – Das ist schon länger der Trend bei allen, denen Ernährung wichtig ist. Und genau so halten es auch Foodbloggerin Jeanine Donofrio und Ehemann Jack Matthews. Sie haben ausgehend von 26 Grundzutaten –  von Äpfeln über Paprika oder Spargel bis hin zu Zwiebeln – 120 Rezepte zusammengestellt. Auch wenn die Überlegung etwas unrealistisch wirkt, dass man auf den Markt oder zum Hofladen geht, sich spontan für ein gerade aktuelles Gemüse entscheidet, anschließend im Kochbuch nach einem Rezept sucht und dieses dann nachkocht. Grundsätzlich ist es eine sehr schöne Idee und praktisch, wenn man Wert auf eine saisonale Küche legt. Vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass man beispielsweise von größeren Mengen eines Lebensmittels dieses an darauffolgenden Tagen anders zubereiten kann und so noch weniger wegwirft – Was bei mir eigentlich generell nicht mehr vorkommt.

Frisch sind nicht nur die Zutaten, sondern auch die zubereiteten Gerichte. So weckt zum Beispiel der Apfel-Radieschen-Salat (s. Titelbild) die Lust auf den Sommer. Die leichte Schärfe mit der Süße des Apfels und dazu dann die Säure der Zitrone harmonieren einfach hervorragend. Noch dazu war der Salat schnell zubereitet und eignet sich damit bestens für die fixe Küche nach einem (Büro-)Arbeitstag.

Doch es gibt auch exotischere Mahlzeiten: Etwa der Asia-Kohl mit Miso, die Samosas mit Erbsen & Süßkartoffeln oder die gerösteten Blumenkohl-Tortiallas mit Chipotle-Dip. So begibt man sich mitunter auf eine kleine kulinarische Weltreise. Was einerseits sehr abwechslungsreich daherkommt, macht es andererseits für die Kochenden kompliziert. Nicht jeder hat das Glück, in der Nähe einen gut sortierten Supermarkt, Asiagroßhandel oder Feinkostgeschäft vorzufinden, um Tamari, Sriracha-Sauce, Wassermelonenrettich oder Misopaste zu kaufen.

Saisonale Küche bedeutet in diesem Fall also nicht regionale (oder nachhaltige) Küche: Das zeigt sich auch in der Vielzahl an Rezepten in denen Avocado oder Fetakäse verarbeitet wird. Gerade im Fall, der im Anbau doch sehr wasserintensiven Avocado ein kleiner Minuspunkt. Andererseits lässt sich die Avocado oftmals auch einfach weglassen, ohne den Geschmack des Gerichts zu verfälschen, da sie nur als „Topping“ verwendet wird. Zumal auch nicht mit dem Begriff der regionalen Küche geworben wird. Also insofern: Mich stört es nicht, es sollte nur erwähnt sein. Äußerst positiv finde ich, dass es kaum Rezepte mit Tofu gibt – gerade einmal sechs Stück!

Kaufen und Kochen

Überzeugend ist auch die Gestaltung des Buches. Angefangen von der wertigen Haptik über den Textsatz bis hin zu den 200 Bildern. Sehr schön gegliedert und aufgemacht. Hier merkt man der Autorin die Erfahrung als Grafikdesignerin und die Entsteheung aus dem Foodblog heraus an. So kann es zu „Vegetarisch mit Liebe“ konsequenterweisee nur zwei Empfehlungen geben: Kaufen und kochen! Ach ja und eine dritte – Unbedingt auch den Blog besuchen, denn auf diesem gibt es regelmäßig neue, ebenso leckere Gerichte.


Jeanine Donofrio: Vegetarisch mit Liebe aus dem Südwest Verlag

Jeanine Donofrio
„Vegetarisch mit Liebe“ | Copyright: Südwest Verlag/Randomhouse

Jeanine Donofrio

Vegetarisch mit Liebe
320 Seiten
erschienen am 06. März 2017
978-3-5170-9543-1
€ (D) 24.99 | € 25,70 [A] | CHF 33,90*
* empfohlener Verkaufspreis

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Südwest Verlag/Randomhouse Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!