Kallentoft/Luttemans „Das Blut der Hirsche“: Im Rausch der Drogen

Auferstanden aus dem Drogensumpf muss sich Zack Herry in einem brisanten Fall beweisen: Sechs grausam zugerichtete Jugendliche, die nach einer Party auf einer Schärengarteninsel tot aufgefunden werden. Jedes der Opfer mit derselben Droge im Blut. Kallentoft & Lutteman stellen ihren (Anti-)Helden Zack Herry auf eine harte Bewährungsprobe…

Mittsommer: Blutbad im Schärengarten

Fünf tote, grausam zugerichtete Jugegendliche und eine schwerverletzte junge Frau: Das ist das schreckliche Ende einer Mittsommerparty auf einer schwedischen Insel im Schärengarten. Auf der einzig überlebenden Zeugin lasten die Hoffnungen rund um das Team von Kriminalinspektor Zack Herry. Ausgerechnet ihm: Denn bei allen Opfern findet sich ein- und dieselbe synthetische Droge im Blut, die noch dazu führte, dass sich die Jugendlichen gegenseitig umbrachten – auf bestialische Art und Weise. Doch noch wahnsinniger ist, dass sie alle im Moment des Todes ein Lächeln im Gesicht hatten. So kreisen die Ermittlungen um die Frage: Wer bringt solch eine Droge in Umlauf? Recht schnell kommt die Einheit dem Drogendealer David Mathias auf die Spur, der sich jedoch kurz vor dem Zugriff selbst das Leben nimmt. Und sls wären sechs Opfer nicht genug, kommen kurz darauf drei weitere Jugendliche durch die gleiche Droge zu Tode.

Und eben Zack Herry, der aktuell clean ist muss und will sich beweisen, dass er von den Drogen los. All sein Können ist in diesen beiden Fällen gefragt. Denn eine besondere Brisanz besteht, weil Douglas Juste – Chef der Ermittler – mit einem Vater der Opfer befreundet ist. So mobilisieren alle Ermittler ihre Fähigkeiten: Egal ob Sirpa am PC und im Darknet oder der blinde Rudolf in den Befragungen von Verdächtigen und Zeugen. Jede und jeder holt das Letzte aus sich heraus.

Für Zack scheint es nach den Drogenproblemen endlich aufwärts zu gehen. Denn seine Freundin Mera macht ihm einen Heiratsantrag und hat noch eine weitere gute Nachricht für ihn – Sie ist schwanger. Doch dann ist da ja auch noch Hebe, die Unternehmenstochter aus reichem Haus, zu der sich Zack magisch hingezogen fühlt. So perfekt die Situation mit Mera ist, plötzlich reißt ein Ereignis dem jungen, smarten Ermittler allen Boden unter den Füßen weg…

Knackiger Pageturner des Autorenduos

Zum dritten Mal gelingt dem Autorenduo Mons Kallentoft und Markus Lutteman mit „Das Blut der Hirsche“ einen rasanten Thriller vorzulegen. Ihren Helden – oder eigentlich ja sogar Antihelden – Zack Herry schicken sie in diesem Fall in den Kampf gegen die eigenen Süchte und auf die Jagd nach einem besonders perfiden Mörder. Denn nichts anderes ist der Hersteller und Dealer der Droge, die die Jugendlichen dazubringt, sich selbst auf die nur erdenklichsten Wege gegenseitig umzubringen. Die Handlung ist wahnwitzig und mitunter auch äußerst brutal.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie ein Autorenduo solch einen Thriller gemeinsam zu schreiben vermag, ohne dass man ihm die zwei Autoren anmerkt. Die Sprache wirkt wie aus einer Hand: Sehr kurze, aufs Mindeste reduzierte Sätze, dafür umso präziser in der Darstellung schaffen ein ungemeines Tempo. Denn so kurz die Sätze sind, um so gewaltiger ist ihr Sog. Dazu passend ebenso kurze Kapitel, was insgesamt dafür sorgt den Spannungsbogen rein sprachlich beständig hoch zu halten. Denn jedes Kapitel fesselt und drängt dazu, den Thriller fast schon am Stück zu lesen. Nicht ein bisschen entstehen Brüche, wenn Einschübe mit privaten Nebenhandlungen eintreten. All diese Nebenstränge bergen weiteres Spannungspotential, was immer weiter getrieben. Ganz gleich ob es die Beziehung zwischen Zack und Merry, Zack und Hebe, Zack und Abdullah, Zacks privater Recherche zu den Todesumständen seiner Mutter oder auch Deniz‘ und Sandras sich entwickelnder Beziehung ist. Zahlreiche Aufhänger, die immer wieder unterbrochen und aufgenommen werden. Niemals hat man das Gefühl, den Faden oder die eigentliche Ermittlung aus den Augen zu verlieren.

Jede einzelne Ermittlerin und jeder Ermittler besitzt Relevanz und wird seit dem ersten Fall weiterentwickelt: Deniz, Sirpa, Rudolf, Sam, aber auch Douglas Juste. Sie alle haben ihre eigenen Fähigkeiten, Bedürfnisse, Sorgen und Nöte. Dieses so unterschiedliche Team zu vereinen, das ist ein weiterer Verdienst des Schreib- und Erzählstils von Kallentoft und Lutteman.

So ist „Das Blut der Hirsche“ ein höchst rasanter dritter Band und ein einziger Pageturner, der noch dazu mit einem Cliffhanger am Ende aufwartet. Um so besser, dass der vierte Fall („Der Schrei des Engels“) bereits am 20. April 2019 erscheinen wird.


Buchcover zu Kallentofts und Luttemans Thriller "Das Blut der Hirsche"

Kallenfoft & Lutteman „Das Blut der Hirsche | Copyright: Tropen/Klett-Cotta

Mons Kallentoft & Markus Lutteman

Das Blut der Hirsche

Aus dem Schwedischen von Ulrike Brauns
(Orig.: Bambi)

14,95 EUR (D), 15,40 EUR (A)

ISBN: 978-3-608-50364-7

1. Aufl. 2018, 397 Seiten, Klappenbroschur

Weitere Infos beim Verlag Klett-Cotta.

Hinweis: Das Buch wurde privat angeschafft, ohne Verbindung und Zuwendung von Seiten des Verlages.