Petros Markaris‘ „Offshore“ – Vom Ende und Beginn einer Krise

Chostas Charitos zehnter Fall

Bereits zum zehnten Mal lässt der nun auch schon 82-jährige Autor Petros Markaris seinen Athener Kommissar Kostas Charitos ermitteln. Nach Abschluss der Krisen-Trilogie geht im neuen Fall mit Griechenland wieder aufwärts. Die Krise ist dank einer neuen, unverbrauchten Regierung gemeistert: Die Gehälter steigen, das Geld sprudelt nur so und der Alltag mit seinem Verkehrschaos hält wieder Einzug in Athen. Als ein Beamter ermordet wird und der Fall schnell aufgeklärt wird, fängt die Fassade an zu bröckeln.

Auferstanden aus den Schulden

Eine neue Partei übernimmt Griechenlands Regierungsgeschicke und schon fließen die Gelder in Strömen: Aus privatisiertem Staatseigentum werden die Beamtengehälter erhöht, die Menschen können wieder Kredite aufnehmen, Wohnungen kaufen und mit ihren neuen (Luxus-)Autos die Athener Straßen verstopfen. Von der Krise ist nichts mehr zu spüren. Auch Kostas Charitos bildet hier keine Ausnahme und holt sein ehemals abgemeldetes Auto aus der Garage statt weiterhin zu Fuß zu gehen oder den Dienstwagen zu nutzen – sehr zum Unwillen seiner Frau Adriani. Woher das Geld stammt? Das ist der Bevölkrung und auch dem Kommissar fürs Erste egal.

Erste Zweifel tauchen erst mit der Ermordung eines Beamten auf und verschwinden nicht, sondern werden sogar größer, als die Täter zügig und mehr oder weniger zufällig ergriffen werden. Als dann kurz darauf ein Reeder getötet wird und dessen Unternehmen seinen Firmensitz von Großbritannien nach Griechenland verlegt, kommt Charitos ins Grübeln. Nicht nur die Umstände bereiten ihm Kopfzerbrechen, auch das Verhalten des neuen Polizeivizepräsident. Denn dieser erklärt die Fälle viel zu zügig für beendet, doch der Kommissar ist nach wie vor ein Dickkopf und ermittelt weiter. Ungeahnte Unterstützung erhält Charitos von seinem Chef Gikas, dem die persönliche Übergehung bei der Besetzung des Vizepräsidenten-Postens wurmt. Je tiefer der Kommissar in die Ermittlungen einsteigt und dem plötzlichen Geldfluss recherchiert, desto seltsamere Dinge kommen ans Licht. Als dann ein dritter Mord geschieht, wird es für Charitos persönlich…

Ein Ende der Krise? Tragödie und Utopie

Alle bisherigen Bände der Charitos-Reihe von Petros Markaris, einem der bekanntesten und bedeutendsten griechischen Gegenwartsautoren, entwarfen ein pointiertes Bild Griechenlands. Anders als viele andere Krimis aus Urlaubsregionen beschreibt Petros Markaris zwar auch Land, Leute und Kultur, übt aber gleichzeitig Kritik an Gesellschaft und Politik. Auch in diesem zehnten Fall rund um Kommissar Chostas Charitos ist das der Fall.

Selbst wenn die Schlagzeilen um die Schuldenkrise Griechenlands nicht mehr täglich in den (deutschen) Medien stehen, ist der Staat noch weit von einer „Gesundung“ entfernt. Ganz anders als es in „Offshore“ dargestellt wird. Die Krise ist offiziell vorbei und das in kürzester Zeit. Frisches Geld ist da, Unternehmen (Reedereien) kehren nach Griechenland zurück, obwohl sie weit vor der Krise ihre Sitze ins Ausland verlagerten. All das weckt keine Zweifel, weder im Volk noch bei Charitos. Erst als zwei Morde geschehen und die Täter mitsamt fadenscheinigen Begründungen rasend schnell gefasst werden und die Ermittlungen eingestellt werden sollen, sucht Kostas Charitos nach den wahren Gründen. Dabei stößt er auf ausländische Geldgeber und Banken von den Kaimann-Inseln. Auch wenn dies von der griechischen Realität entfernt ist, sind die Ausführungen von Petros Markaris alles andere als unwahrscheinlich und durchaus im Rahmen des Möglichen. Anders als bei den bisherigen Fällen ist Markaris nicht nur Chronist für die Vergangenheit, sondern liefert Zukunftsentwürfe, die alles andere als positiv klingen. Vor dem Hintergrund der Paradise Papers, die bei Veröffentlichnung und erst recht beim Verfassen unbekannt waren, wirkt dieser Hintergrund der Offshore-Geschäfte, der Steueroasen und der legalen, aber moralisch-fragwürdigen Methoden, ist das Buch quasi aktueller denn zum Veröffentlichungszeitpunkt.

All das schildert Petros Markaris mit viel Liebe zum Detail und den altbekannten Charakteren aus den bisherigen neun Bänden: Chostas Frau Adriani, Tocher Adriani, die Assistenten sowie Altkommunist Sissund der Journalist Sotiropoulos nehmen entscheidende Rollen ein. Auch die Darstellung – oder fast sogar schon Rückbesinnung – auf „die“ griechische Lebensweise aus Zeiten vor Anbeginn der Krise ist nicht unbedeutend. Zeigen sie doch wie nebensächlich die Gründe für das Ende der Krise sind: Hauptsache es geht den Menschen gut, egal wie schmutzig das neue Kapital ist. So ist auch „Offshore“ ein wunderbarer Roman fast schon mehr Tragi-Komödie denn Krimi.


Petros Markaris „Offshore“ | Credit: Diogenes Verlag AG

Petros Markaris

Offshore

€ (D) 24.00 / sFr 32.00* / € (A) 24.70
(* empf. VK-Preis)

Erschienen: 23.08..2017
368 Seiten

ISBN: 978-3-257-07003-3

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Diogenes Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!

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Chris Kraus „Das kalte Blut“ – Ein Roman von Hass und Liebe

Eine Familienchronik des 20. Jahrhunderts

Regisseur Chris Kraus legt mit „Das kalte Blut“, erschienen im Diogenes Verlag, einen 1.200 Seiten starken Roman über die Geschichte zweier Brüder vor. Inspiriert und aufgeschreckt haben ihn Erkenntnisse über die eigene Familie. Herausgekommen ist nach zehnjähriger Recherche und nur neunmonatiger Schreibenszeit ein wilder Ritt durch das 20. Jahrhundert: Zwischen dem Baltikum, Deutschland, Russland und Israel, Hass und Liebe, Verrat und Vertrauen, Schuld und Unschuld.

Hubert und Koja Solm: Brüder und Feinde

Es beginnt in Riga: Hubert und Konstantin Solm – von allen nur Hub und Koja genannt – werden zu Beginn des 20. Jahrhunderts als aristokratische Deutschbalten mitten in die erste europäische Krise und die Vorkriegsjahre hineingeboren. Als die Bolschewiken dann im Jahr 1917 die baltischen Länder überfallen, ändert sich für die Familie Solm vieles: Die bisherigen Privilegien enden und noch dazu gesellt sich ein neues Familienmitglied hinzu. Auf Bitten von Haushälterin Anna Ivanova wird die kleine, elternlose Ev – ein Kind jüdischer Eltern – aufgenommen und adoptiert. Ein Mädchen, das schon bald mal die Nähe des einen und dann des anderen Bruders suchen wird. Eine Konstellation, die so manches Problem aufwirft.

Inmitten von Hunger und Elend, denn die Eltern von Hubert und Koja können die Familie so gerade eben über Wasser halten, zieht es den Theologie-Studenten Hubert zu den aufkommenden Nationalsozialisten. Dem Einfluss des älteren Bruders folgend, schließt sich auch den Architektur-Student Koja der aufstrebenden Bewegung an, will sie doch den Deutschbalten wieder den alten Wohlstand zurückerobern. Mit diesem Schritt beginnt für die beiden der Aufstieg, aber auch der Anfang vom Ende der Rechtschaffenheit bzw. eines, aus heutiger Sicht, moralisch einwandfreien Lebens. Denn weder Hub noch Koja sind lediglich Mitläufer, sondern auch Täter. Beide zwar aus unterschiedlichen Gründen, aber doch haftet Schuld und Blut an ihren Händen.

Nach dem Krieg und trotz aller Verstrickungen geht der Auf- und gleichzeitig moralische Abstieg der Gebrüder Solm weiter: Koja, ehemaliger Hauptsturmführer der SS, wird nach der Entlassung aus der russischen Gefangenschaft Agent für den deutschen, den sowjetischen und/oder amerikanischen Geheimdienst sowie den israelischen Mossad. Und auch Hub geht zu Beginn der Nachkriegszeit in den Diensten der westdeutschen Geheimdienste auf. Gleichzeitig wird das längst angeschlagene Verhältnis der Brüder immer schwieriger und zerbricht vollends als Hub aus Versehen Anna, „seine“ Tochter mit Ev, erschießt. Denn was Hub nicht weiß: Anna ist die Tochter Kojas. Sowieso wird der Konflikt zwischen Hub und Koja immer existenzieller und das vor dem Hintergrund der deutschen (Welt-)Geschichte bis ins Jahr 1974.

Zwei Mörder mit unterschiedlichen Beweggründen.

Benötigte Chris Kraus nur neun Monate Zeit, um „Das kalte Blut“ niederzuschreiben, brauchte ich drei Monate, um mich durch diese epochale Familien- und Zeitgeschichte zu kämpfen. Denn das, was der Autor da ausbreitet, ist alles andere als leichte Kost. Zurückbleibt Fassungslosigkeit und Erschütterung, aber von vorne:

Die Geschichte des Nationalsozialismus, der Gräueltaten und auch des Krieges ist oft erzählt, beschrieben und verfilmt worden – und für mich aus Schule, Studium und Beschäftigung in der Freizeit gut bekannt. Egal ob sie nun aus einer eher größeren, weiteren Sichtweite oder der Perspektive von Einzelpersonen beleuchtet und erzählt wurde. Und dennoch kommen immer auch neue Facetten ans Licht. So wie es hier mit der Geschichte der beiden baltischen Brüder der Fall ist. Aus Sehnsucht nach dem alten, gewohnten Leben und auch dem „Hass“ auf die sowjetischen Bolschewiken zieht es die Protagonisten zu den Nazis. Der eine – Hub – aktiver als der andere und dennoch laden beide Schuld auf sich. Beschrieben als Täter aus unterschiedlichen Beweggründen: Hub als überzeugter Nationalsozialist und Koja unter dem Deckmantel, unter anderem Ev schützen zu wollen. Letztlich aber vor allem, um selber am Leben zu bleiben.

Beim Lesen ertappt man sich dennoch dabei, Sympathien für Koja zu entwickeln. Das liegt vor allem an der geschickt gewählten Erzählperspektive: Denn für diese wählte Chris Kraus Kojas Sichtweise auf die Ereignisse. Obwohl der jüngere Solm immer wieder Grausames tut, tut er es nicht um der Grausamkeit halber, sondern um sich und andere (Ev oder seine russische Geliebte) zu schützen. Stellt man sich zwangsläufig die Frage: Was hätte ich getan, wie hätte ich reagiert? Ähnlich oder ganz anders? So entsteht eine widersprüchliche, grausame Sympathie für einen Täter, der sich als Opfer darstellt. Gleichzeitig muss konstatiert werden: Auch Menschen, die erst einmal sympathisch sind, können Verbrecher sein. Dieses Gefühl der Nähe, welches der Autor schafft, darf dennoch nicht die Realität verdrängen. Und in dieser wäre Koja Solm ein Täter. Sein Handeln wäre durch nichts zu legitimieren, denn er könnte auch anders agieren, ohne Verbrechen zu begehen.

Der bereits genannte Antrieb und damit gleichzeitig auch die Rechtfertigung für Kojas Handlungen ist die Liebe. Hinter dieser versteckt er sich: Zugleich ist es nur Feigheit und eine Ausflucht. Denn sie stellt keine Legitimation dar. Niemals hat man das Gefühl, dass sich der jüngere Solm hinterfragt. Vielmehr sieht er nur das Gute, aber nie das Schlechte. Die Liebe zu Ev hat einen extrem egoistischen Kern, den man nur dann nicht erkennt, wenn die Liebe erwidert wird. Koja als narzisstisch zu charakterisieren ist sicherlich nicht zu weit hergeholt.

Überhaupt ist das Figurenensemble des Romans beeindruckend und die Entwicklung der Personen erschreckend: Da werden aus Tätern, wie den beiden Solms oder aber deren Vorgesetzten aus der SS mit Kriegsende plötzlich „ehrbare“ Bürger, die den westdeutschen Geheimdienst aufbauen. Überzeugte antidemokratische Nazis streifen die schwarze SS-Uniform ab, tauschen diese gegen einen Anzug ein und wollen die junge BRD aufbauen und gegen den neuen, alten Feind, die kommunistische Sowjetunion verteidigen. Obwohl auch dieser Punkt, die Übernahme „alter“ Nazis in höhere Ämter des erneuten Deutschlands bekannt ist, versetzt einen der Umfang wider Erwarten in einen Zustand des Staunens. Denn wirklich bewusst gemacht hat man sich diesen Punkt nicht: Auf wie vielen „Altlasten“ plötzlich die Demokratie aufgebaut wurde.

Rasantes und beeindruckendes Werk

Mit der Familiengeschichte, die von der eigenen Familie des Autors „inspiriert“ wurde und so auch der Aufarbeitung diente, gehen zahlreiche Episoden der deutschen (Nachkriegs-)Geschichte einher: BND-Skandale, die Jagd nach Nazi-Verbrechern um Eichmann oder Nikolaus Barbie oder aber der Besuch beim nackten Franz Josef Strauß, um Waffen für den Mossad zu erhandeln. Die Grenzen zwischen Fiktion und Fakten erscheinen fließend, erfordern gerade auch aufgrund der 1.200 Seiten eine Menge an Konzentration, Willenskraft und historischer Bildung. Fordernd und mitunter erschreckend abschreckend ist die Handlung noch dazu , weil viele Passagen von Gewaltexzessen und Sexszenen nur so strotzen. Sprachlich ist die Wucht eher zurückhaltend und nicht kompliziert, aber durchaus zielgerichtet. Aufgrund ihrer Direktheit und der vielen Beschreibungen kommt eine Bildhaftigkeit auf, die die Situationen geradezu lebendig macht.

Allein der Erzählbogen ist noch zu erwähnen: Chris Kraus wählt eine skurrile Kulisse. Protagonist Koja liegt mit einer Kugel im Kopf in einem Münchener Krankenhaus und leistet seine Lebensbeichte gegenüber einem sterbenden Hippie mit aufgesägtem Schädel. Je tiefer dieser Hippie in den Strudel der Brutalität und Absurditäten hineingezogen wird, desto schlimmer wird sein Zustand. Anfangs noch ausgeglichen, muss Koja seinen Zuhörer mit Marihuana zum Zuhören „zwingen“. So schlimm ist es für die Leserinnen und Leser nicht. Dennoch ist „Das kalte Blut“ alles andere als ein einfaches Werk, das dennoch erschreckend und zugleich faszinierend ist.


Buchcover zu "Das kalte Blut" von Chris Kraus

Chris Kraus „Das kalte Blut“ | Copyright: Diogenes Verlag AG

Chris Kraus

Das kalte Blut

€ 32,00 [D] inkl. MwSt.
€ 32,90 [A] | CHF 42*
(* empf. VK-Preis)

Erschienen: 22.03.2017
1.200 Seiten

ISBN: 978-3-257-06973-0

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Diogenes Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!

Anthony McCartens „Licht“ – Ein Erfinder, ein Banker und der Fortschritt

Fortschritt bedeutet Licht und Schatten

Mit dem Erfinder Thomas Alva Edison und dem Banker J.P. Morgan rückt der neuseeländische Autor Anthony McCarten zwei bedeutende Zeitgenossen des ausklingenden 19. Jahrhunderts ins Rampenlicht. Unterschiedlicher könnten beide nicht sein: Edison, der mit dem elektrischen Licht die Elektrifizierung der industrialisierten Welt einläutete, aber dennoch zerbricht und dem gegenüber Morgan als finanzstarker und skrupelloser Investmentbanker, der dank Edison sein Vermögen vermehrt.

Gegensätze ziehen sich an

Der eine hat Geld und der andere hat die Ideen: Unter dieser Voraussetzung treffen J.P. Morgan und Thomas Alva Edison aufeinander. Thomas Alva Edison, der den Durchbruch als Erfinder in der Telegraphenbranche schaffte, erhält Besuch vom Privatbanker J.P. Morgan. Denn dieser möchte Edison finanziell dabei unterstützen, die elektrische Glühlampe zur Marktreife zu entwickeln. Dies natürlich nicht uneingennützig, sondern um New York zu erleuchten und selber den eigenen Reichtum zu vermehren.

Gegensätzlicher könnten die beiden Geschäftspartner nicht sein. Edison als zerstreuter Erfinder und voller Ideen, in seiner Ehe sehr zurückhaltend und nahe am Scheitern. Dahingegen der selbstbewusste, finanz- und durchsetzungsstarke Morgan, der moralisch doch einige Schwächen hat. Nicht nur im geschäftlichen Bereich, sondern im zwischenmenschlichen. Und so ist auch die „Beziehung“ zwischen Erfinder und Banker nicht frei von Problemen. Denn Thomas Alva Edison droht an der eigenen Erwartungshaltung, dem Druck Morgans und der Gesellschaft zu zerbrechen.

Eine Art Kammerspiel

Genau dieses (drohende) Scheitern steht im Mittelpunkt von Anthony McCartens Roman „Licht“. Zwar geht das Licht auf, aber zu einem immensen Preis – und das eben nicht nur aus der monetären Sichtweise. Einerseits natürlich ein Preis, den Edison zu zahlen hat. Seine erste Ehe scheitert und auch die zweite entwickelt sich alles andere als glücklich. Auch der seelische Druck für Edison wird als immens dargestellt: Die Angst des Erfinders zu versagen und es der Gesellschaft beweisen zu müssen, bringt Edison ans Ende der Kräfte.

Gleichzeitig ist es nicht nur ein Roman über das Scheitern, sondern zeigt auch, wie die Welt (heute) funktioniert: Ein machthungriger, profilierungssüchtiger Banker in Gestalt von J.P. Morgan, der auch privat alles andere als integer und sympathisch etabliert wird, verfügt über den unsicheren Edison. Es zählt der Erfolg – Raubtierkapitalismus mag man es auch nennen. Gleichzeitig – und dabei wird es fast schon herrlich absurd – geht es um die Erfindung des elektrischen Stuhls als humanere Möglichkeit, die Todesstrafe zu vollziehen. Doch stellte sich das als Irrtum heraus – zumindest im Betrieb mit Gleichstrom.

Neben der Elektrifizierung spannt McCarten einen ungeheuren Bogen und schafft Zusammenhänge zur Entwicklung des elektrischen Stuhls, des Wechselstroms, und  bindet darüberhinaus – und das historisch begründet – weitere bedeutende Erfinder des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ein (Tesla, Vanderbilt, etc.). Dies alles mit der vom Neuseeländer gewohnten und vor allem geschätzten Sprache: pointierte und gleichzeitig absurde Dialoge entstehen, wenn der schwerhörige Edison auf Morgan oder einen Jungen (am Ende seines Lebensweges) trifft. Seine Theatererfahrung kann er definitiv nicht verleugnen – und das ist auch gut so. Da seine Formulierungen und textliche Ausgestaltungen noch dazu szenisch gehalten sind, so dass es nur eine Frage der Zeit zu sein scheint, bis „Licht“ verfilmt wird. Kein Wunder, dass McCartens Werk ein reines Lesevergnügen mit ungeheurem Tiefgang darstelllt, ohne dabei schwierig zu lesen ist.


Buchcover zu Anthony McCartens "Licht"

Anthony McCarten „Licht“ | Copyright: Diogenes Verlag AG

Anthony McCarten

Licht

€ (D) 24.00 / sFr 32.00* / € (A) 24.70
(* empf. VK-Preis)
Erschienen am 22. Februar 2017
368 Seiten
ISBN: 978-3-257-06994-5

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Diogenes Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!

 

 

Martin Walkers „Grand Prix“ – Eine Rallye, ein Oldtimer, ein Mord und viel „savoir vivre“

Fall neun für den Chef de Police

Wieder einmal entführt uns Martin Walker mit dem neunten Fall von Bruno Courrèges ins idyllische Périgord. In „Grand Prix“ – wie immer im Schweizer Diogenes Verlag veröffentlicht – übernimmt der Chef de police mal wieder die Rolle des Organisators und kümmert sich um die Ausrichtung einer Oldtimerrallye. Doch auch dieses Mal geht es nicht nur beschaulich zu: Ein Mord darf nicht fehlen!

Teure Oldtimer, neue Sorgen

Eigentlich ist Bruno Courrèges der Dorfpolizist von Saint-Denis und gleichzeitig ist er vielmehr als das: Sozialarbeiter, rechte Hand des Bürgermeisters, Sporttrainer der Rugbymannschaft sowie ebenfalls „Tourismus-Experte“ und Förderer der heimischen Wirtschaft. In dieser Funktion hat Bruno maßgeblich dazu beigetragen, dass eine Oldtimer-Rallye im kleinen französischen Ort stattfindet und eben diese Oldtimer im Dorfzentrum ausgestellt werden.  Der Andrang ist tatsächlich riesengroß: Zahlreiche Teilnehmerinnern und Teilnehmer folgen der Einladung, sogar aus anderen Landesteilen, ebenso viele Besucherinnen und Besucher strömen nach Saint-Denis um das Spektakel zu verfolgen.

Unter diesen befinden sich zwei besonders besessene Sammler, die sich auf die Suche nach einem der teuersten Autos befinden: Dem Bugatti Typ 57SC Atlantic, welcher in dern 1930er Jahren nur viermal produziert wurde. Und ausgerechnet eines dieser Exemplare soll während des Zweiten Weltkrieges verschwunden sein. Doch mit der Rallye und der Autosuche kommen das Verbrechen und alte Bekannte nach Saint-Denis: Ein pensionierter Forscher wird ermordet, Commissaire Isabelle Perrault ermittelt in Fällen von Geldwäsche und Finanzierung des internationalen Terrorismus.

Viel Leben, wenig Ermittlung und dennoch spannend

Abgesehen vom achten Fall „Eskapaden„, in dem Martin Walker seinen Chef de Police als „James Bond vom Land“ darstellte, kehrt nun deutlich mehr Ruhe ein. Bis zu Seite 150 (von 384 Seiten) kann man fast gar nicht von einem Kriminalroman sprechen. Denn außer einem Todesfall, der nicht einmal wie ein Mord daherkommt, geht es gewohnt beschaulich zu. Fast wirkt es, als besinne sich Walker auf die Stärken, die die Bruno-Reihe bislang ausgemacht haben: Die Schilderung von Land, Leuten, Lebenskultur in Form von Essen und Trinken und der Dorfgemeinschaft.

Trotzdessen dem Verbrechen „zu Beginn“ wenig Spiel- und Erzählraum geboten wird, kommt keine Langweile auf. Und dies liegt eindeutig eben an den ausführlichen Beschreibungen des Umfelds und der Situationen rund um Bruno Courrèges. Als dann auch noch der Fall um den getöteten Forscher, die Rallye und das Auftauchen von Isabelle beginnt, nimmt der Roman Fahrt auf.

Als Leser geht man auf eine Reise, die zurück in die Zeit des „Grande Guerre“ führt. Wieder einmal lässt Martin Walker seine Qualitäten als studierter Historiker aufblitzen, indem er zahlreiche Details verarbeitet und die Fiktion mit Fakten anreichert. So zum Beispiel die Hintergrundinformation über den Wert des Bugatti Typ 57SC Atlantic als teuerster Oldtimer der Welt – wie Wikipedia es führt.

Für alle Fans von Bruno Courrèges wird „Grand Prix“ einer der besten Fälle sein und für alle neuen Leserinnern und Leser ein guter Einstieg – auch wenn man so viele Informationen rund um das durchaus turbulente Liebesleben von Bruno nicht verstehen kann.


Buchcover Martin Walker „Grand Prix“ aus dem Diogenes Verlag AG

Martin Walker „Grand Prix“ | Copyright: Diogenes Verlag AG

Martin Walker

Grand Prix

€ 24 [D], sFr 32.00 [CH],  € 24.70 [A]
Erschienen am 26.04.2017
384 Seiten
ISBN: 978-3-257-06991-4

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Diogenes Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!

Matin Suter „Elefant“ – Ethik und Moral

Ein wenig Märchen, Gentechnik-Thriller, Fiction und Liebesgeschichte – All das vereint der Schweizer Erfolgsautor in seinem Roman „Elefant“. Ernsthaft, philosophisch, kritisch-kontrovers  und nachdenklich, aber doch leicht lesbar erzählt er die Geschichte um einen kleinen rosafarbenen Elefanten, der noch dazu im Dunklen leuchtet.

Sabu Barisha: Ein Experiment

Mal wieder stockbesoffen kriecht der Obdachlose Fritz Schoch in seinen Unterschlupf, eine Höhle am Ufer des Schweizer Flusses Limmat. Normalerweise sollte das Einschlafen kein Problem sein, doch dann sieht er ihn: Einen kleinen, maximal dreißig Zentimeter hohen rosafarbenen und noch dazu leuchtenden Elefanten. Unsicher ob er nicht doch vom Alkohol halluziniert, muss er feststellen, dass der Elefant real ist. Doch wie kann das sein?

Sabu, wie ihn Schoch tauft, ist kein Wunder, sondern vielmehr ein gentechnisches Experiment des gleichermaßen ehrgeizigen wie skrupellosen und profitgierigen Wissenschaftlers Dr. Roux. Im Auftrag eines chinesischen Megakonzerns schwängert dieser eine Elefantenkuh des Zirkus „Pellegrini“. Doch er hat die Rechnung nicht mit dem burmesischen Elefantenpfleger Kaung gemacht. Denn kaum ist der Elefant auf der Welt lässt ihn der Elefantenflüsterer Kaung mithilfe des Tierarztes Dr. Reber verschwinden. Doch das bleibt nicht lange verborgen und so jagt Dr. Roux dem kleinen Elefanten hinterher.

Bei diesem Versteckspiel verunglückt Dr. Reber und schafft es vorher noch Sabu – oder Barisha, wie ihn Kaung tauft – in der Höhle von Schoch unterzubringen. Für den Obdachlosen beginnt damit ein Abenteuer, was so nicht geplant war. Quasi auf der Flucht vor seiner Vergangenheit und einem geregelten Leben, kümmert er sich gemeinsam mit der sozial engagierten Tierärztin Valerie um den kleinen Elefanten. Doch wie lange geht das gut?

Unglaublich und doch realistisch

So märchenhaft und unglaublich die Rahmenhandlung klingt, ist sie gar nicht. Denn Martin Suter hat auch in diesem Roman Fakten mit Fiction exzellent kombiniert und gründlich recherchiert. „Glowing Animals“ existieren, auch wenn es bei Glühwürmchen ein natürliches Phänomen ist. Mit der Figur des Wissenschaftlers Dr. Roux und dessen gentechnischem Experiment, rückt es Suter in die eine unnatürliche, künstliche Wissenschaft.

Dr. Roux: Ein Wissenschaftler, der anfangs aus Rach- und dann aus Geltungssucht sowie Profitgier handelt. Sich gottgleich über die „Schöpfung“ zu heben versucht und dabei alle moralischen und ethischen Grenzen überschreitet, dem Tier- und Menschenwohl egal sind. In dieser Figur vereint sich alles „Böse“. Dem gegenüber stehen nicht nur Fritz Schoch und die Tierärztin Valerie, sondern auch Kaung und Dr. Reber. Diese relativ klare Abgrenzung zwischen Gut und Böse, Schwarz und Weiß stört jedoch zu keiner Zeit.

Spannend ist die Handlung nicht allein wegen der „Verfolgungsjagd“. Vielmehr hat Martin Suter die Charaktere, um den Protagnisten Obdachlosen Fritz Schoch, sehr interessant und die Neugier weckend angelegt. Als Obdachloser ist er per se erst einmal randständig und außerhalb der Gesellschaft angesiedelt, aber dadurch auch interessant. Als Leser (und Leserin) bleibt lange unklar, wie er in diese Situation kam. So kultiviert und gebildet, wie er auftritt, ahnt man, wie es bei den meisten Clochards der Fall ist, dass es einen schwerwiegenden Grund für den sozialen Abstieg geben musste. Das klärt sich im Laufe des Romans, während der immer enger werdenden Beziehung zu der anfangs distanzierten Valerie, auf.

In gut einhundert kurzen Kapiteln mit zeitlichen Sprüngen und in kurzen, schnörkellosen Sätzen erzählt Martin Suter eine wundervolle Geschichte, die Wissenschaftskritik, Zukunftsthemen, Liebesgeschichte und Märchen auf knapp 350 Seiten kombiniert.


Martin Suter "Elefant" Buchcover

Martin Suter: Elefant | Copyright: Diogenes Verlag AG

Martin Suter

Elefant
352 Seiten
erschienen am 01. Februar 2017
978-3-257-06970-9
€ (D) 24.00 / sFr 32.00* / € (A) 24.70
* unverb. Preisempfehlung

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Diogenes Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!

Petros Markaris: Der Tod des Odysseus – Geschichten

In „Der Tod des Odysseus“ erzählt Petros Markaris sieben Geschichten, die zwischen 10 und 90 Seiten lang sind. Eine große Rolle nimmt das Thema der Beziehung zwischen Griechenland und der Türkei bzw. das Leben der Istanbuler Griechen ein. Sowohl historisch als auch aktuell sind die Geschichten, die Markaris um dieses Thema strickt. Geschichtsstunde inklusive. Aber auch die Flüchtlingsproblematik und sogar das deutsch-türkische Verhältnis haben in dem Buch ihren Platz. Immer aus der Warte einfacher Leute geschrieben, schafft es Markaris, Aktuelles und Historisches lesenswert zu verpacken. Einzig und allein „Die Leiche im Brunnen“ fällt etwas aus dem Rahmen und passt nicht richtig zu den anderen Kurzgeschichten. Auch Kommissar Charitos betritt in „Mord an einem Unsterblichen“ und „Poems and Crimes“ wieder die Bühne. Beide Mordfälle spielen im Intellektuellenmilieu, doch wozu Kommissar Charitos sonst mehrere Tage und diverse Kaffees und Croissants benötigt, ist diesmal innerhalb weniger Seiten geklärt. Wer Markaris vor allem wegen Kommissar Charitos liest, wird am Ende des Buches nicht ganz zufrieden sein. Denn vom Kommissar nur kurz zu lesen, macht schon wieder Lust auf mehr.


Petros Markaris - Der Tod des Odysseus

Petros Markaris – Der Tod des Odysseus | Copyright: Diogenes Verlag AG

Petros Markaris

Aus dem Neugriechischen von Michaela Prinzinger

Der Tod des Odysseus
192 Seiten
erschienen am 26. Oktober 2016

978-3-257-06979-2
€ (D) 22.00 / sFr 30.00* / € (A) 22.70
* unverb. Preisempfehlung

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Diogenes Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!

Leon de Winters „Geronimo“: Zwischen Bach, Goldberg und bin Laden

Osama bin Laden lebt – Zumindest im Roman

Osama bin Laden wurde 2011 nicht von US-amerikanischen Elitesoldaten erschossen, sondern gefangen genommen und stattdessen ein Doppelgänger als „Bauernopfer“ erschossen. Zumindest ist das der Aufhänger und Rahmen von Leon de Winters neuestem Roman „Geronimo“. Herausgekommen ist ein Polit-, Action- und Agententhriller der Verschwörungstheorien, tragisches Scheitern und Heldentaten, Verlust und Liebe sowie vereint.

„Kill or capture“  oder „Kill no capture“?

Unter dem Decknamen „Geronimo“ startete eine US-amerikanische Eliteeinheit der Navy Seals die Aktion im Mai 2011 zur Ergreifung des meist gesuchten Terroristen der Welt: Osama bin Laden. Diese endete mit dem Tod bin Ladens. Wenn es sich denn so zutrug – Was hier nicht bezweifelt werden soll. Doch Leon de Winter dichtet die Geschichte um und lässt bin Laden an diesem 2. Mai 2011 nicht sterben, sondern einen unschuldigen Doppelgänger. All das geplant und durchgeführt von eben dieser Spezialeinheit, um den Terroristen nicht einfach zu töten, sondern in Den Haag vor den internationalen Gerichtshof zu stellen. Doch das erweist sich als schwierig und für einige Beteiligten sogar als tödlich. Denn Osama besitzt Informationen, mit denen er den US-amerikanischen Präsidenten erpressen kann und will…

Erzählt wird die Handlung aus der Perspektive des ehemaligen Delta Forces Mitglieds  Tom Johnson, Sohn eines jüdisch-russischen Musikerpaare. Dieser schied nach einer Verwundung in Afghanistan aus dem Dienst aus und finanziert sich seitdem mit hochdotierten Jobs in der privaten Sicherheitsbranche, ist aber immer noch mit seinen ehemaligen Seals Kameraden befreundet ist und wird so zufällig in die Aktion „Geronimo“ involviert.

Doch nicht nur die körperliche Verletzung setzt(e) Tom zu, sondern noch mehr zwei seelische: Einerseits der Verlust seiner Tochter, die 2004 – zur Zeit Toms Afghanistan Aufenthalts – ein Opfer der Zuganschläge von Madrid wurde. Andererseits die Suche nach der jungen Afghanin Apana, die als Tochter eines afghanischen Dolmetschers während des Afghanistaneinsatzes im amerikanischen Lager durch Tom die Goldberg-Variationen kennen- und so die Musik lieben lernte. Doch genau diese Liebe wurde ihr zum Verhängnis. Sie wird bei einem Überfall der Taliban beim Hören der westlichen Musik erwischt und aus dem Lager verschleppt, misshandelt und verstümmelt. Da sich Tom für ihr Schicksal verantwortlich fühlt, begibt er sich auf die Suche, um sie in die USA zu holen und zu adoptieren. Und genau hier vereinen sich die beiden Handlungsstränge: Denn Apana fand nach der Flucht vor den Taliban Unterschlupf bei Jabbar und seiner Mutter, die durch ihre Zugehörigkeit zum Christentum selbst zu einer verfolgten Minderheit in Pakistan gehören, um dann ausgerechnet nachts von einem älteren Herrn auf dem Moped entführt zu werden. Bei diesem Mann handelt es sich um niemand anderen als Osama bin Laden.

Thriller, Verschwörungsroman und Fiktion

Leon de Winter geizt in „Geronimo“ nicht mit Handlungssträngen und Personen oder dem Spiel mit zeitlichen Ebenen und Orten, gleichzeitig bedient er sich religiöser Motive (oder Klischees), überzeichnet, karikiert diese mitunter und nicht zuletzt spielen Gewalt, Verrat, Liebe, Verlust und die Kraft der Musik eine immense Rolle. All das führt dazu, dass dieser Roman zwar eine Verschwörungstheorie zu Grunde legt, aber dennoch (so verrückt wirkt Amerika – erst recht nach dem Ausgang der US-Wahl 2016 zu urteilen) noch nicht einmal vollkommen abstrus ist. Noch dazu entwickelt sich daraus ein internationales Geheimdienstverwirrspiel. Denn das entscheidende Geheimnis, womit Bin Laden meint, den amerikanischen Präsidenten aus Sicht der demokratischen, westlichen Welt zu diskreditieren, wird immer wieder zwar angedeutet, aber erst am Ende aufgelöst.

Obwohl also de Winter in beinahe jedem Kapitel durch sein Personeninventar, durch die Zeit und die Kontinente springt, droht man nie, den Anschluss zu verlieren. Denn dafür wird die Handlung einfach schlüssig erzählt. Dermaßen spannend und rührend, teilweise trotz der Brutalität sogar amüsant, schreibt der niederländische Autor, dass sich die knapp 450 Seiten zu einem wahren Pageturner entwickeln. Vor allem die Schilderungen um Apana so wie die damit in Verbindung stehende Bedeutung der Goldberg Variationen für Tom und Apana sind zu betonen. Hier wird deutlich, welche überwältigende Kraft, welches Geheimnis Musik birgt und wie Musik Menschen und Kulturen verbinden kann. Und auch wie verletzlich dieser körperlich starke US Elitesoldat ist, weil de Winter versucht, ihn mit der Rettung Apanas sein „Versagen“ als Vater der eigenen Tochter kompensieren zu lassen.

Allein die Darstellung Osama bin Ladens als Mensch mit Schwächen für Schokolade oder Zigaretten und (Viagra benötigender ) Liebhaber wirken kurzfristig verstörend, weil sie das Bild des Terroristen und Massenmörders aufbrechen und ihn als „Inbegriff des Bösen“ fast schon banalisieren. Hier führt de Winter seine Linie vielleicht nicht konsequent genug zu Ende.


Leon de Winter – „Geronimo“ | Copyright: Diogenes Verlag AG

Leon de Winter – „Geronimo“ | Copyright: Diogenes Verlag AG

Leon de Winter

Geronimo
448 Seiten
erschienen am 01. September 2016

978-3-257-06971-6
€ (D) 24.00 / sFr 32.00* / € (A) 24.70
* unverb. Preisempfehlung

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Diogenes Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!