Arne Dahls „Sechs mal zwei“ – Düster und ambitioniert

Eigentlich wollten Sam Berger und Molly Blom als Privatdetektive in eine neue Zukunft starten. Denn nach ihrem letzten Fall mussten die beiden Ermittler untertauchen. Zu groß war das Chaos, das sie angerichtet hatten. Und dann wurde auch noch eine ihrer Kolleginnen ermordet, die sie um geheime Nachforschungen gebeten hatten. Doch statt einer rosigen Zukunft, warten Schatten der Vergangenheit auf Sam und Molly. In „sechs mal zwei“ geht Arne Dahls Rechnung nur zum Teil auf.

Ermittlungen zwischen Eis und Schnee

Desiree Rosenqvist, ehemalige Kollegin von Sam Berger und von ihm nur Deer genannt, erhält einen ominösen Brief, der Details aus einem alten Mordfall erhält. Die Details betreffen auch Sam Berger und so entschließt sich Deer, ihn zu informieren und Nachforschungen anstellen zu lassen. Zusammen mit Molly Blom macht sich Berger unter falschem Namen auf in den eisigen Norden Schwedens, um die Verfasserin des Briefes zu treffen. Während ihres Besuches wird die Verfasserin des Briefes ermordet und Sam und Molly beginnen mit der Jagd nach dem Mörder. Dabei werden sie die gesamte Zeit nicht nur beobachtet, sondern auch verfolgt.

Kurios in der Ermittlung ist für das Duo die Tatsache, dass Details aus dem alten Fall nun auch wieder auftauchen. Dieses Insiderwissen kann also nur der Mörder und eine vertraute Person haben. Berger, selber noch nicht körperlich auf der Höhe nach seinem Zusammenbruch nach dem Mord an seiner Kollegin, zweifelt immer mehr an seinem Verstand und wittert eine Verschwörung. Dabei steht vor allem Molly Blom in Verdacht, an dem ganzen Komplott mitzuwirken.

Ambitioniert und Spannungs(über-)laden

Der zweite Fall des Ermittlerduos Berger und Blom ist vor allem von der bitterkalten Lanschaft Nordschwedens geprägt. Der tiefe Schnee lässt ihre Ermittlungen schwierig und bedrückend wirken. Die Landschaft, die Natur und das Wetter sind sinnstiftend und schaffen teils ein unheimliches Gefühl der Beklemmung. Als Leser weiß man mitunter nicht, wo man gerade ist. Auch in der Handlung, denn auf der einen Seite ist die Story um den Mord spannend, aber etwas wirr oder vielmehr verwirrend. Es sind zahlreiche Handlungsstränge, die immer wieder aufgenommen, aufgegriffen und zusammengeführt werden. Hilfreich wäre es in jedem Fall, den ersten Band noch einmal vorab zu lesen. Zu „Aha-Effekten“ kommt es zu Genüge, es sind so viele Wendungen als dass man ihnen stetig folgen kann.

Dahls Sprache ist pointiert und ungemein bildgewaltig – Fast schon filmreif. Die Personen äußerst komplex angelegt. Warm wird man mit niemandem, ambivalent und niemand wirkt sympathisch. Das Tempo des Thrillers will mitunter nicht anziehen. Da hat man das Gefühl, das es richtig losgeht, schon wird dieses Tempo wieder verschleppt. Zahlreiche falsche Fährten werden gelegt, verworfen, um so langsam zur Auflösung zu führen. Diese wiederum ist absolut gelungen und spannend über alle Maßen. Insofern ließe sich auch sagen, dass es Arne Dahl geschickt gemacht hat und diese wachsende Ungeduld während des Lesens dem geschuldet ist, dass man als Leser endlich die Auflösung erfahren will.


Cover zu Arne Dahls  "Sechs Mal Zwei"

Arne Dahls „Sechs Mal Zwei“ | Copyright: Copyright: Piper Verlag GmbH

Arne Dahl

Sechs Mal Zwei

€ 16,99 [D], € 17,50 [A]

Erschienen am 01.09.2017

400 Seiten, Klappenbroschur

Übersetzt von: Kerstin Schöps

ISBN: 978-3-492-05811-7

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Petros Markaris‘ „Offshore“ – Vom Ende und Beginn einer Krise

Chostas Charitos zehnter Fall

Bereits zum zehnten Mal lässt der nun auch schon 82-jährige Autor Petros Markaris seinen Athener Kommissar Kostas Charitos ermitteln. Nach Abschluss der Krisen-Trilogie geht im neuen Fall mit Griechenland wieder aufwärts. Die Krise ist dank einer neuen, unverbrauchten Regierung gemeistert: Die Gehälter steigen, das Geld sprudelt nur so und der Alltag mit seinem Verkehrschaos hält wieder Einzug in Athen. Als ein Beamter ermordet wird und der Fall schnell aufgeklärt wird, fängt die Fassade an zu bröckeln.

Auferstanden aus den Schulden

Eine neue Partei übernimmt Griechenlands Regierungsgeschicke und schon fließen die Gelder in Strömen: Aus privatisiertem Staatseigentum werden die Beamtengehälter erhöht, die Menschen können wieder Kredite aufnehmen, Wohnungen kaufen und mit ihren neuen (Luxus-)Autos die Athener Straßen verstopfen. Von der Krise ist nichts mehr zu spüren. Auch Kostas Charitos bildet hier keine Ausnahme und holt sein ehemals abgemeldetes Auto aus der Garage statt weiterhin zu Fuß zu gehen oder den Dienstwagen zu nutzen – sehr zum Unwillen seiner Frau Adriani. Woher das Geld stammt? Das ist der Bevölkrung und auch dem Kommissar fürs Erste egal.

Erste Zweifel tauchen erst mit der Ermordung eines Beamten auf und verschwinden nicht, sondern werden sogar größer, als die Täter zügig und mehr oder weniger zufällig ergriffen werden. Als dann kurz darauf ein Reeder getötet wird und dessen Unternehmen seinen Firmensitz von Großbritannien nach Griechenland verlegt, kommt Charitos ins Grübeln. Nicht nur die Umstände bereiten ihm Kopfzerbrechen, auch das Verhalten des neuen Polizeivizepräsident. Denn dieser erklärt die Fälle viel zu zügig für beendet, doch der Kommissar ist nach wie vor ein Dickkopf und ermittelt weiter. Ungeahnte Unterstützung erhält Charitos von seinem Chef Gikas, dem die persönliche Übergehung bei der Besetzung des Vizepräsidenten-Postens wurmt. Je tiefer der Kommissar in die Ermittlungen einsteigt und dem plötzlichen Geldfluss recherchiert, desto seltsamere Dinge kommen ans Licht. Als dann ein dritter Mord geschieht, wird es für Charitos persönlich…

Ein Ende der Krise? Tragödie und Utopie

Alle bisherigen Bände der Charitos-Reihe von Petros Markaris, einem der bekanntesten und bedeutendsten griechischen Gegenwartsautoren, entwarfen ein pointiertes Bild Griechenlands. Anders als viele andere Krimis aus Urlaubsregionen beschreibt Petros Markaris zwar auch Land, Leute und Kultur, übt aber gleichzeitig Kritik an Gesellschaft und Politik. Auch in diesem zehnten Fall rund um Kommissar Chostas Charitos ist das der Fall.

Selbst wenn die Schlagzeilen um die Schuldenkrise Griechenlands nicht mehr täglich in den (deutschen) Medien stehen, ist der Staat noch weit von einer „Gesundung“ entfernt. Ganz anders als es in „Offshore“ dargestellt wird. Die Krise ist offiziell vorbei und das in kürzester Zeit. Frisches Geld ist da, Unternehmen (Reedereien) kehren nach Griechenland zurück, obwohl sie weit vor der Krise ihre Sitze ins Ausland verlagerten. All das weckt keine Zweifel, weder im Volk noch bei Charitos. Erst als zwei Morde geschehen und die Täter mitsamt fadenscheinigen Begründungen rasend schnell gefasst werden und die Ermittlungen eingestellt werden sollen, sucht Kostas Charitos nach den wahren Gründen. Dabei stößt er auf ausländische Geldgeber und Banken von den Kaimann-Inseln. Auch wenn dies von der griechischen Realität entfernt ist, sind die Ausführungen von Petros Markaris alles andere als unwahrscheinlich und durchaus im Rahmen des Möglichen. Anders als bei den bisherigen Fällen ist Markaris nicht nur Chronist für die Vergangenheit, sondern liefert Zukunftsentwürfe, die alles andere als positiv klingen. Vor dem Hintergrund der Paradise Papers, die bei Veröffentlichnung und erst recht beim Verfassen unbekannt waren, wirkt dieser Hintergrund der Offshore-Geschäfte, der Steueroasen und der legalen, aber moralisch-fragwürdigen Methoden, ist das Buch quasi aktueller denn zum Veröffentlichungszeitpunkt.

All das schildert Petros Markaris mit viel Liebe zum Detail und den altbekannten Charakteren aus den bisherigen neun Bänden: Chostas Frau Adriani, Tocher Adriani, die Assistenten sowie Altkommunist Sissund der Journalist Sotiropoulos nehmen entscheidende Rollen ein. Auch die Darstellung – oder fast sogar schon Rückbesinnung – auf „die“ griechische Lebensweise aus Zeiten vor Anbeginn der Krise ist nicht unbedeutend. Zeigen sie doch wie nebensächlich die Gründe für das Ende der Krise sind: Hauptsache es geht den Menschen gut, egal wie schmutzig das neue Kapital ist. So ist auch „Offshore“ ein wunderbarer Roman fast schon mehr Tragi-Komödie denn Krimi.


Petros Markaris „Offshore“ | Credit: Diogenes Verlag AG

Petros Markaris

Offshore

€ (D) 24.00 / sFr 32.00* / € (A) 24.70
(* empf. VK-Preis)

Erschienen: 23.08..2017
368 Seiten

ISBN: 978-3-257-07003-3

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Diogenes Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!

Thomas Engers „Tödlich“ – Der Showdown

Henning Juul und die Schrecken der Vergangenheit

Ein letztes Mal lässt Thomas Enger seine Hauptfigur, den Journalisten Henning Juul, sich auf die Suche nach dem Mörder seines Sohnes Jonas begeben. Nach fünf Bänden bildet „Tödlich“ den fulminanten Abschluss der Reihe. 

Tod und Erlösung

Henning Juul kann erst mit der Vergangenheit abschließen, wenn er die Mörder seines Sohnes Jonas im Gefängnis weiß. Und eben diese Recherchen im Verbrechermilieu bringen ihn immer wieder in Gefahr. Doch nicht nur ihn, auch seine Ex-Frau, ihren neuen Partner Iver Gundersen und Kommissar Bjarne Brogeland. Je tiefer Henning in das Dickicht um den ehemaligen, mittlerweile auch ermordeten Geldeintreiber und „Immobilienhändler“ Tore Pulli eindringt, um so mehr spitzt sich die Situation zu. Und fordert ihre Opfer.

Immer mysteriöser werden die Verstrickungen, die weit über die Grenzen Norwegens bis hin nach Brasilien reichen. Die Suche nach den Schuldigen wirft für Henning immer neue Fragen auf. Welche Verbindungen bestehen zu dem Mord an einer alten Frau? Wie hängt seine Schwester Trine mit all dem zusammen? Und die wichtigsten Fragen: Wer hat seinen Sohn auf dem Gewissen? Wem kann er überhaupt noch trauen?

Würdiges Ende einer spannenden Reihe

Nun war es endlich so weit: Fast genau zwei Jahre nach Erscheinen von „Gejagt“, dem vierten Band der Henning-Juul-Reihe, veröffentlicht der blanvalet Verlag den Abschluss-Band „Tödlich“. Eben dieser Abstand macht den Einstieg so kompliziert. Die Handlungen und Zusammenhänge der bisherigen Thriller müssen aus dem Gedächtnis gekramt werden, sinnvoll wäre es gewesen, wenigstens die letzte „Folge“ noch einmal zu lesen. Denn über die Jahre sind doch einige Personen und Handlungsebenen zusammengekommen. Das betrifft zwar nicht die Hauptfiguren, aber doch alle Rahmenfiguren und sämtliche auftretenden Verbrecher und Nebenstränge.

Thomas Enger macht es zu Beginn gleich spektakulär und stellt die vermeintliche Schlussszene an den Anfang. Die Geschichte nimmt dadurch unheimlich Fahrt auf und doch bricht dieser Spannungsbogen mit dem Ende des Prologs ein. Es benötigt danach einige Zeit bis dieser anfängliche Schwung wieder aufkommt. Dabei ist der Thriller alles andere als langatmig oder langweilig. Zu viele Fragen sind und waren unbeantwortet. Dennoch hält sich Enger an manchen Punkten ein klein wenig zu lang auf. Das mag  jedoch auch dem Umstand geschuldet sein, dass man nun endlich wissen will, wer Hennings Sohn (und so manch andere Person) auf dem Gewissen hat.

Mit pointierter Sprache, knackigen Dialogen und doch sehr expliziten, brutalen Szenen treibt Thomas Enger auf den Höhepunkt und die Auflösung sämtlicher offener Fragen hin. So ist es am Ende fast schon schade, dass alles aufgelöst wird und kein weiterer Fall um den so sympathischen Journalisten erscheinen wird.


Buchcover zu "Tödlich" von Thomas Enger

Thomas Enger „Tödlich“ | Copyright: blanvalet/Randomhouse Verlagsgruppe

Thomas Enger

Tödlich

€ 14,99 inkl. MwSt.

Erschienen: 28.08.2017
384 Seiten

ISBN: 978-3-764-50599-8

Das Rezensionsexemplar wurde mir von blanvalet freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!

Chris Kraus „Das kalte Blut“ – Ein Roman von Hass und Liebe

Eine Familienchronik des 20. Jahrhunderts

Regisseur Chris Kraus legt mit „Das kalte Blut“, erschienen im Diogenes Verlag, einen 1.200 Seiten starken Roman über die Geschichte zweier Brüder vor. Inspiriert und aufgeschreckt haben ihn Erkenntnisse über die eigene Familie. Herausgekommen ist nach zehnjähriger Recherche und nur neunmonatiger Schreibenszeit ein wilder Ritt durch das 20. Jahrhundert: Zwischen dem Baltikum, Deutschland, Russland und Israel, Hass und Liebe, Verrat und Vertrauen, Schuld und Unschuld.

Hubert und Koja Solm: Brüder und Feinde

Es beginnt in Riga: Hubert und Konstantin Solm – von allen nur Hub und Koja genannt – werden zu Beginn des 20. Jahrhunderts als aristokratische Deutschbalten mitten in die erste europäische Krise und die Vorkriegsjahre hineingeboren. Als die Bolschewiken dann im Jahr 1917 die baltischen Länder überfallen, ändert sich für die Familie Solm vieles: Die bisherigen Privilegien enden und noch dazu gesellt sich ein neues Familienmitglied hinzu. Auf Bitten von Haushälterin Anna Ivanova wird die kleine, elternlose Ev – ein Kind jüdischer Eltern – aufgenommen und adoptiert. Ein Mädchen, das schon bald mal die Nähe des einen und dann des anderen Bruders suchen wird. Eine Konstellation, die so manches Problem aufwirft.

Inmitten von Hunger und Elend, denn die Eltern von Hubert und Koja können die Familie so gerade eben über Wasser halten, zieht es den Theologie-Studenten Hubert zu den aufkommenden Nationalsozialisten. Dem Einfluss des älteren Bruders folgend, schließt sich auch den Architektur-Student Koja der aufstrebenden Bewegung an, will sie doch den Deutschbalten wieder den alten Wohlstand zurückerobern. Mit diesem Schritt beginnt für die beiden der Aufstieg, aber auch der Anfang vom Ende der Rechtschaffenheit bzw. eines, aus heutiger Sicht, moralisch einwandfreien Lebens. Denn weder Hub noch Koja sind lediglich Mitläufer, sondern auch Täter. Beide zwar aus unterschiedlichen Gründen, aber doch haftet Schuld und Blut an ihren Händen.

Nach dem Krieg und trotz aller Verstrickungen geht der Auf- und gleichzeitig moralische Abstieg der Gebrüder Solm weiter: Koja, ehemaliger Hauptsturmführer der SS, wird nach der Entlassung aus der russischen Gefangenschaft Agent für den deutschen, den sowjetischen und/oder amerikanischen Geheimdienst sowie den israelischen Mossad. Und auch Hub geht zu Beginn der Nachkriegszeit in den Diensten der westdeutschen Geheimdienste auf. Gleichzeitig wird das längst angeschlagene Verhältnis der Brüder immer schwieriger und zerbricht vollends als Hub aus Versehen Anna, „seine“ Tochter mit Ev, erschießt. Denn was Hub nicht weiß: Anna ist die Tochter Kojas. Sowieso wird der Konflikt zwischen Hub und Koja immer existenzieller und das vor dem Hintergrund der deutschen (Welt-)Geschichte bis ins Jahr 1974.

Zwei Mörder mit unterschiedlichen Beweggründen.

Benötigte Chris Kraus nur neun Monate Zeit, um „Das kalte Blut“ niederzuschreiben, brauchte ich drei Monate, um mich durch diese epochale Familien- und Zeitgeschichte zu kämpfen. Denn das, was der Autor da ausbreitet, ist alles andere als leichte Kost. Zurückbleibt Fassungslosigkeit und Erschütterung, aber von vorne:

Die Geschichte des Nationalsozialismus, der Gräueltaten und auch des Krieges ist oft erzählt, beschrieben und verfilmt worden – und für mich aus Schule, Studium und Beschäftigung in der Freizeit gut bekannt. Egal ob sie nun aus einer eher größeren, weiteren Sichtweite oder der Perspektive von Einzelpersonen beleuchtet und erzählt wurde. Und dennoch kommen immer auch neue Facetten ans Licht. So wie es hier mit der Geschichte der beiden baltischen Brüder der Fall ist. Aus Sehnsucht nach dem alten, gewohnten Leben und auch dem „Hass“ auf die sowjetischen Bolschewiken zieht es die Protagonisten zu den Nazis. Der eine – Hub – aktiver als der andere und dennoch laden beide Schuld auf sich. Beschrieben als Täter aus unterschiedlichen Beweggründen: Hub als überzeugter Nationalsozialist und Koja unter dem Deckmantel, unter anderem Ev schützen zu wollen. Letztlich aber vor allem, um selber am Leben zu bleiben.

Beim Lesen ertappt man sich dennoch dabei, Sympathien für Koja zu entwickeln. Das liegt vor allem an der geschickt gewählten Erzählperspektive: Denn für diese wählte Chris Kraus Kojas Sichtweise auf die Ereignisse. Obwohl der jüngere Solm immer wieder Grausames tut, tut er es nicht um der Grausamkeit halber, sondern um sich und andere (Ev oder seine russische Geliebte) zu schützen. Stellt man sich zwangsläufig die Frage: Was hätte ich getan, wie hätte ich reagiert? Ähnlich oder ganz anders? So entsteht eine widersprüchliche, grausame Sympathie für einen Täter, der sich als Opfer darstellt. Gleichzeitig muss konstatiert werden: Auch Menschen, die erst einmal sympathisch sind, können Verbrecher sein. Dieses Gefühl der Nähe, welches der Autor schafft, darf dennoch nicht die Realität verdrängen. Und in dieser wäre Koja Solm ein Täter. Sein Handeln wäre durch nichts zu legitimieren, denn er könnte auch anders agieren, ohne Verbrechen zu begehen.

Der bereits genannte Antrieb und damit gleichzeitig auch die Rechtfertigung für Kojas Handlungen ist die Liebe. Hinter dieser versteckt er sich: Zugleich ist es nur Feigheit und eine Ausflucht. Denn sie stellt keine Legitimation dar. Niemals hat man das Gefühl, dass sich der jüngere Solm hinterfragt. Vielmehr sieht er nur das Gute, aber nie das Schlechte. Die Liebe zu Ev hat einen extrem egoistischen Kern, den man nur dann nicht erkennt, wenn die Liebe erwidert wird. Koja als narzisstisch zu charakterisieren ist sicherlich nicht zu weit hergeholt.

Überhaupt ist das Figurenensemble des Romans beeindruckend und die Entwicklung der Personen erschreckend: Da werden aus Tätern, wie den beiden Solms oder aber deren Vorgesetzten aus der SS mit Kriegsende plötzlich „ehrbare“ Bürger, die den westdeutschen Geheimdienst aufbauen. Überzeugte antidemokratische Nazis streifen die schwarze SS-Uniform ab, tauschen diese gegen einen Anzug ein und wollen die junge BRD aufbauen und gegen den neuen, alten Feind, die kommunistische Sowjetunion verteidigen. Obwohl auch dieser Punkt, die Übernahme „alter“ Nazis in höhere Ämter des erneuten Deutschlands bekannt ist, versetzt einen der Umfang wider Erwarten in einen Zustand des Staunens. Denn wirklich bewusst gemacht hat man sich diesen Punkt nicht: Auf wie vielen „Altlasten“ plötzlich die Demokratie aufgebaut wurde.

Rasantes und beeindruckendes Werk

Mit der Familiengeschichte, die von der eigenen Familie des Autors „inspiriert“ wurde und so auch der Aufarbeitung diente, gehen zahlreiche Episoden der deutschen (Nachkriegs-)Geschichte einher: BND-Skandale, die Jagd nach Nazi-Verbrechern um Eichmann oder Nikolaus Barbie oder aber der Besuch beim nackten Franz Josef Strauß, um Waffen für den Mossad zu erhandeln. Die Grenzen zwischen Fiktion und Fakten erscheinen fließend, erfordern gerade auch aufgrund der 1.200 Seiten eine Menge an Konzentration, Willenskraft und historischer Bildung. Fordernd und mitunter erschreckend abschreckend ist die Handlung noch dazu , weil viele Passagen von Gewaltexzessen und Sexszenen nur so strotzen. Sprachlich ist die Wucht eher zurückhaltend und nicht kompliziert, aber durchaus zielgerichtet. Aufgrund ihrer Direktheit und der vielen Beschreibungen kommt eine Bildhaftigkeit auf, die die Situationen geradezu lebendig macht.

Allein der Erzählbogen ist noch zu erwähnen: Chris Kraus wählt eine skurrile Kulisse. Protagonist Koja liegt mit einer Kugel im Kopf in einem Münchener Krankenhaus und leistet seine Lebensbeichte gegenüber einem sterbenden Hippie mit aufgesägtem Schädel. Je tiefer dieser Hippie in den Strudel der Brutalität und Absurditäten hineingezogen wird, desto schlimmer wird sein Zustand. Anfangs noch ausgeglichen, muss Koja seinen Zuhörer mit Marihuana zum Zuhören „zwingen“. So schlimm ist es für die Leserinnen und Leser nicht. Dennoch ist „Das kalte Blut“ alles andere als ein einfaches Werk, das dennoch erschreckend und zugleich faszinierend ist.


Buchcover zu "Das kalte Blut" von Chris Kraus

Chris Kraus „Das kalte Blut“ | Copyright: Diogenes Verlag AG

Chris Kraus

Das kalte Blut

€ 32,00 [D] inkl. MwSt.
€ 32,90 [A] | CHF 42*
(* empf. VK-Preis)

Erschienen: 22.03.2017
1.200 Seiten

ISBN: 978-3-257-06973-0

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Diogenes Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!

Sophie Hénaff: Kommando Abstellgleis – Ein Fall für Kommissarin Capestan

Anne Capestan, Kommissarin, hat einen schweren Fehler begangen. Sie machte Gebrauch von ihrer Dienstwaffe, obwohl der Täter nur mit einem Kugelschreiber bewaffnet war. Deswegen findet sie sich jetzt in einer derangierten Pariser Wohnung wieder, die ihr neues Büro darstellen soll. Und sie ist nicht allein: 40 andere in Ungnade gefallene Polizisten – sei es aufgrund von dienstlichen Verfehlungen oder privaten Problemen – gehören zu einer neugegründeten Brigade, deren Chefin nun Anne Capestan ist.

Das Team der „Looser“ startet durch

Doch von den 40 ihr unterstellten Polizisten tauchen zu Anfang nur drei auf:  Unglücksbringer José Torrez, Commandant Lebreton von der Dienstaufsicht und Capitaine Eva Rosière, die als Schriftstellerin das große Geld gemacht hat. Um sich nicht soviel miteinander beschäftigen zu müssen, wühlen sich die Polizisten durch die Kartons voller alter Akten auf der Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung. Schnell sind zwei unaufgeklärte Mordfälle entdeckt, die sich die Polizisten in Zweier-Teams vornehmen. Lebreton und Rosière untersuchen den Fall Yann Guénan, ein Brückenwachoffizier der 1993 erschossen aus der Seine gefischt wurde und Capestan ermittelt mit Torrez im Fall Marie Sauzelle, einer alten Dame, die einem Einbrecher zum Opfer fiel. Nach und nach trudeln noch fünf weitere Polizisten in der Brigade ein. Ein Alkoholiker, ein Pressefreund, eine Spielsüchtige, ein Autojunkie und ein ehemaliger Boxer komplettieren die bunte Mischung. Trotz all der Probleme, die die Polizisten mitbringen, sind bald erste Erfolge erkennbar und die Loser-Truppe kommt bei ihren Ermittlungen sogar der Führungsriege auf die Schliche.

Ein Krimi bunt wie das Leben

Sophie Hénaff hat mit „Kommando Abstellgleis“ einen gelungenen Krimi geschrieben, der durch die Vielzahl seiner Protagonisten begeistert. Trotz der charismatischen Kommissarin Capestan in der Hauptrolle bleiben auch die anderen Polizisten nicht nur Nebendarsteller. Kurze, eingefügte Kapitel in denen jeweils einer der Protagonisten alleine beleuchtet wird, bringen dem Leser alle Polizisten etwas näher. Und trotz all der Fehler, die die Polizisten haben oder begangen haben, sind sie alle auf ihre Art liebens- und damit lesenswert. Die bunte Mischung an Leuten und ihre Interaktion ist interessant zu beobachten und lädt zum einen oder anderen Schmunzeln ein.

Spannend ist auch die Klärung der Mordfälle, vor allem weil die Brigade von den Obrigkeiten keinerlei Unterstützung erhält und somit darauf angewiesen ist, auf unkonventionelle Mittel zurückzugreifen. Nicht nur die Tatsache, dass der Roman in Paris spielt, hebt ihn von den unzähligen französischen Krimis ab, die auf dem Büchermarkt mittlerweile zu finden sind. Auch die Wortwahl von Sophie Hénaff ist teilweise außergewöhnlich und zeigt ihre langjährige Erfahrung als Schreiberin verschiedenster Genres. Somit ist Kommando Abstellgleis ein rundum gelungenes Krimidebüt der Schriftstellerin und uneingeschränkt zu empfehlen.


Kommando Abstellgleis von Sophie Henaff | Copyright: Randomhouse

Sophie Hénaff

Kommando Abstellgleis – Ein Fall für Kommissarin Capestan

€ 14,99 [D] inkl. MwSt.
€ 15,50 [A] | CHF 20,50*
(* empf. VK-Preis)

Erschienen: 20.03.2017
352 Seiten
ISBN: 978-3-570-58561-0

Das Rezensionsexemplar wurde mir von carl’s books/Randomhouse freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!

Sophie Bonnet „Provenzalisches Feuer“ – Auf den Spuren Okzitaniens

Der vierte Fall mit Kommissar Durand

Ein Krimi gemacht wie für den Sommer: „Provenzalisches Feuer“ aus dem Blanvalet Verlag spielt wie immer im südfranzösischen Sainte-Valérie. Autorin Sophie Bonnet lässt ihren Kommissar Durand dieses Mal einen pikanten Mordfall lösen. Die Ermittlungen im Fall eines Journalisten lassen Unruhe im sonst so idyllischen Örtchen aufkommen. Denn alte Geschichte kochen hoch…

Ein Dorf im Rausch

Sainte-Valérie in der Provence: Es ist Juni, der Sommer hält Einzug und das Dorf bereitet sich auf ein großes traditionelles Fest vor. Eigentlich ganz der Geschmack der Dorfbewohner und auch von Kommissar Durand, würde nicht der Bürgermeister ein riesiges touristisches Event aufziehen. Reisebusse voller Touristen werden angekarrt und Fackeln mit Aufdruck des Reiseunternehmens verteilt. Von Idylle und Tradition ist das weit entfernt. Und das ruft bei den Dorfbewohnern Argwohn hervor.

Als dann mitten während des Stadtfestes ein Journalist erstochen wird, findet das rauschende Fest ein jähes Ende. Ausgerechnet während des Auftrittes der gefeierten Band Viva Occitània. Trotz so vieler potentieller Zeugen kann Durand und sein Polizeiteam vor Ort keinen Täter dingfest machen. Zu trubelig ging es auf dem Dorfplatz zu. Am Tag darauf stellt sich jedoch heraus, dass der Journalist nicht nur in einer Kneipe mit Dorfbewohnern in Streit geriet, sondern auch ein Gespräch mit Durands Vorgänger führte.

Erste Recherchen und Ermittlungen lenken die Spur in die Vergangenheit und zum kuriosen Tod eines Schriftstellers, der einen Roman über Sainte-Valérie verfassen wollte. Doch genau das kam seinerzeit nicht gut bei den Bewohnerinnen und Bewohnern an. Denn in den Darstellungen der Figuren erkannten sie sich teils wieder, vor allem in den schlechten Eigenschaften und Charakterzügen. Doch ist dies nicht die einzige Fährte, der Kommissar Durand nachgeht: Auch die Hüter der traditionellen und aussterbenden Sprache „Okzitanisch“ geraten in den Verdacht mit dem Mord am Journalisten in Verbindung zu stehen – Durands Assistent Luc. Je tiefer Durand sich in den Fall begibt, um so größer wird auch die Gefahr für ihn. Denn irgendjemand versucht die Ermittlungen zu behindern und schreckt auch nicht vor Angriffen auf den Kommissar zurück.

Lokalkolorit und Spannung

Gewohnt launisch kommt der vierte Fall um den sympathischen Kommissar Durand daher. Ein wenig Liebesgeschichte und Fortspinnen der Beziehung mit Freundin Charlotte, die nun ihren Weg in die Selbstständigkeit wagt, darf nicht fehlen. Für alle Leserinnen und Leser der Krimis von Martin Walker, Cay Rademacher oder Jean-Luc Bannalec ist das zwar ein Bekanntes, aber auch liebgewonnenes Schema. Dies trifft auch auf die Verknüpfung der landesgeschichtlichen Geschichte, bzw. Geschichte der Regionen und dem „Savoir Vivre“ mit der Krimihandlung zu.

Das mag vielleicht auf den ersten Eindruck seicht klingen, aber der Fall ist spannend und als Leser rätselte ich bis zum Ende, wer der Täter (oder die Täterin) sein könnte. Gleichzeitig erfuhr ich mehr über die Befindlichkeiten in Südfrankreich und erstmals über die Existenz der okzitanischen Kultur sowie die Probleme zwischen gelebter Tradition und den Vorgaben aus Paris. So erinnert der Konflikt – in abgeschwächter Form –  an die Zustände in Katalonien.

Interessant und erschreckend zugleich ist die Beschreibung, wie der Dorf-Bürgermeister den Tourismus beflügeln will. Dabei aber einzig die Stadtkasse im Kopf hat, die Befindlichkeiten seines Dorfes jedoch mehr oder weniger außen vorlässt. Führt man sich noch dazu Bonnets Ausführungen über die Auswirkungen des im Krimi geschilderten, fiktiven Romans auf den Ort vor Augen, stellt sich die folgenden Frage: Wie sieht es denn in der Realität aus? Was machen beispielsweise die Frankreich-Krimis mit den kleinen Orten: Erleben diese auch eine Tourismus-Schwemme und werden quasi zu „Museumsdörfern“ oder erhalten große Hotelanlagen? Und was geschieht, wenn das Interesse an diesen Romanen und folglich den Regionen und Orten nachlässt? Insofern regt die Lektüre sogar zu kritischen Gedanken án.

Und dennoch ist „Provenzalisches Feuer“ vor allem ein spannender Krimi mit einigen Wendungen und sympathischen Charakteren. Bestens geeignet, um ihn auf dem Balkon, im Garten oder gleich im Urlaub zu lesen.


Buchcover zu Sophie Bonneta "Provenzalisches Feuer"

Sophie Bonnet „Provenzalisches Feuer“ | Copyright: Randomhouse/blanvalet

Sophie Bonnet

Provenzalisches Feuer

€ 14,99 [D] inkl. MwSt.
€ 15,50 [A] | CHF 20,50*
(* empf. VK-Preis)

Erschienen: 22.05.2017
320 Seiten

ISBN: 978-3-7645-0613-1

Das Rezensionsexemplar wurde mir von blanvalet freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!

 

Luis Sellano „Portugiesische Rache“ – Historische Verstrickungen in Lissabon

Ein „Ausflug“ in Portugals unrühmliche Vergangenheit

Auch im zweiten Kriminal-Roman um Neu-Antiquariatsbesitzer und Ex-Polizist Henrik Falkner bindet Autor Luis Sellano Portugals jüngere Vergangenheit ein. Vor der Kulisse Lissabons muss sich Falkner mit alten und neuen Widersachern messen.

Henrik Falkner – Jäger und Gejagter

Als der durch Messerstiche schwer verletzte IT-Spezialist Ruben Mendes in den Armen von Henrik Falkner zu sterben droht – und dies auch später im Krankenhaus tut -, ist klar, dass es für den Ex-Polizisten wieder losgeht. Denn natürlich kommt er nicht umhin, die Hintergründe für den Mord herauszufinden. Zumal der Verstorbene noch kurz zuvor in Falkners geerbtem Antiquariat ein Buch kaufte. So liegt es nahe, einen Zusammenhang zwischen Buchkauf und dem gewaltsamen Tot zu wittern.

Und wie schon bei den Geschehnissen in „Portugiesisches Erbe“ bekommt es Henrik Falkner mit alten Feinden und glücklicherweise auch alten Freunden zu tun. So sind die junge Polizistin Helena, die Ärztin Filipa und Mönch Bruno an und auf der Seite des Antiquariatsbesitzers.

Als die Polizei im Mann der Geliebten den Mörder von Ruben Mendes verkündet, scheint der Fall aufgeklärt. Doch schnell merkt der geschulte Ex-Polizist, dass hier politischer Druck herrscht und die wahren Schuldigen nicht gefunden werden sollen. Damit gibt sich Henrik Falkner nicht zufrieden, zu groß ist sein Gerechtigkeitssinn. Dadurch bringt er nicht nur sich und seinen Vater in Gefahr, sondern auch Helena mit ihrer kleinen Tochter sowie seine Mitarbeiterin Catia. Denn die Feinde und Täter stammen aus der Zeit Portugals unter Ministerpräsident und Diktator António de Oliveira Salazar. Und deren Skrupel Gewalt anzuwenden sind nicht geringer geworden, schließlich gibt es einiges vor der Öffentlichkeit zu vertuschen…

Krimi, Politik- und Landesgeschichte

Auf knapp 350 Seiten führt Autor Luis Sellano seine Leserinnen und Leser auf eine spannende Jagd nach dem Mörder von Rubin Mendes. Dabei hat er in Henrik Falkner eine geeignete und sympathische Hauptfigur entwickelt, die bereits in „Portugiesische Erbe“ in Lissabon ermitteln durfte. Anders als es im ersten Band noch der Fall war, wirkt die Handlung und vor allem das Ende nicht so konstruiert bzw. zufällig.

Neben der Kenntnis von Lissabon, die sich in detaillierten und liebevollen Beschreibungen der Orte zeigt, beweist Sellano auch sein Wissen der Geschichte Portugals unter der Herrschaft Salazars. Als geschichtlich- und politischinteressierter Leser war ich erstaunt, wie wenig ich doch über diese Hintergründe und Geschehnisse aus einer Zeit und einem Staat weiß, die noch nicht so lange zurückliegt. Mit den verknüpften Hintergründen und Geschehnissen um die Verfolgung von Regimekritikern, in diesem Fall fiktionale Personen, entsteht nicht nur Spannung, sondern noch dazu Interesse an dieser Epoche.

Sympathische Akteure: Henrik, Helena, Filipa, …

Was wäre die atemloseste Handlung ohne das passende „Personal“: Die bereits im ersten Band liebgewonnenen Akteure um Henrik Falkner wirken allesamt auch in „Portugiesische Rache“ mit. Und Sellano erweitert es sogar, zumindest für diesen Fall, um Henriks Vater, der kaum aus dem heimischen Ehegefängnis ausgebrochen, ein Techtelmechtel mit der Mutter eines der Mieter von Henrik beginnt. Neben der Hatz nach den Tätern kommen weder Humor noch die Liebe zu kurz.

Denn so sehr Henrik Falkner noch an seiner verstorbenen Frau hängt, seine Zuneigung zu Polizistin Helena wächst und eine erste Annäherung findet auch statt. Überhaupt hat Sellano seinen Protagonisten, anders als es in so vielen nordischen Krimis der Fall ist, nicht als zutiefst depressive, alkohol- oder drogenkranke Person eingeführt. Aber das würde auch nicht in das umtriebige Lissabon passen.

Freuen darf man sich auf den dritten Band, denn längst nicht alle offenen Fragen werden am Ende beantwortet. Schon gar nicht, wer João, den Lebensgefährten von Henriks Onkel Martin, und vielleicht sogar Martin ermordete. Ganz zu schweigen vom Cliffhanger um Catia, Henriks Antiquariatsmitarbeiterin.


Buchcover zu Luis Sellanos Krimi "Portugiesische Rache"

Luis Sellano „Portugiesische Rache“ | Copyright: Heyne Verlag

Luis Sellano

Portugiesische Rache

€ 14,99 [D] |€ 15,50 [A] | CHF 20,50*

(* empf. VK-Preis)
Erschienen: 09.05.2017
512 Seiten

ISBN: 978-3-453-41945-2

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Heyne Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!