Radiohead in Köln, 15.10.2012

Am Montagabend spielten Radiohead vor etwa 11.000 Fans in der Kölner Lanxess-Arena das letzte ihrer drei Deutschlandkonzerte. Dass man in und um die Arena Stimmengewirr fast jeder europäischen Sprache hört, zeugt davon, dass Radiohead zu den ganz großen Bands der Branche zählen. Und das zu recht.
Aber von vorne, denn den Anfang machten pünktlich um 20 Uhr die Kanadier Caribou um den Mathematiker Daniel Snaith. Irgendwie passte alles zum Begriff »Vorband«, der Sound war längst nicht so gut wie er es später bei Radiohead sein sollte. Vielleicht lag es auch an der Akkustik der Arena oder den noch nicht gefüllten Rängen, aber der Bass hatte doch ein deutliches Echo. Selbst die Auftrittsdauer passte zur Vorstellung einer Vorband, denn der Auftritt dauerte nur knappe 30 Minute und beinhaltete die 5 Stücke: It’s a crime (Virgo Four), Bowls, Jamelia, Odessa und Sun. Dafür dass man die Musik Caribous zur elektronischen Musik zählen kann, gefiel mir gerade das (Zusammen-)Spiel der beiden Schlagzeuger mit den beiden Keyboardern. Passend zur Musik war die Lightshow, die allerdings bei einem längeren Auftritt irgendwann gestört hätte.
Punkt 21 Uhr betraten dann Radiohead mit Sänger, Gitarrist und Pianist Thom Yorke die Bühne, die sie auch erst nach über zweistündigem Auftritt wieder verlassen sollten. Obwohl die Light- bzw. Videoshow um einiges größer als bei Caribou ausfiel, war sie nicht übertrieben oder störend. Den Hintergrund bildete eine riesige LED-Wand, die je nach Song verschiedenfarbig war und unterschiedliche „Muster“ abbildete. Dazu kamen insgesamt 18 quadratische LED-Tafeln, von diesen waren 6 in einer festen Höhe über der Bühne angebracht. Die übrigen 12 waren in Höhe und Position variabel und zeigten, teils wie Bilder, Ausschnitte der Musiker. Mit der Fokussierung auf Details, wie Füße, Drums oder die Gesichter der Bandmitglieder. Großartig war der Einsatz vor allem beim Stück 15 Step als die Platten recht knapp über den Musiker hingen und wie eine hellbeleuchtete Zimmerdecke wirkten. Doch genug zum Rahmen, das viel wichtigere und auch entscheidendere ist und war die Musik.
Und eben diese war großartig. Radiohead gelang eine gute Mischung der Titel von den Alben seit OK Computer, wobei der Fokus auf den letzten beiden Alben The King of Limbs und In Rainbows lag. Im Gegensatz zu den kleineren Soundschwächen bei Caribou war nun auch der Klang ausgesteuert, vom Echo des Basses war nichts mehr zu spüren. Thom Yorke wirbelte und tanzte über die Bühne, mitunter etwas abstrakt vielleicht, aber er ging vollkommen in »seiner« Musik auf. Sein Gesang wie immer unverwechselbar, variierend zwischen zerbrechlich und stark, leise und laut, wütend und verletzt. Es stimmte einfach alles bei diesem Auftritt, der Gesang, das Spiel der kompletten Band plus zusätzlichem Schlagzeuger, so dass man während des gesamten Konzerts immer mehr in den Bann der Vielfalt von Radioheads Musik gezogen wurde. Die Mischung aus dem früheren, rotzigen Rock bei Song Paranoid Android und den elektronischeren Titeln erschien wie eine verwobene Einheit. Obwohl der gesamte Auftritt verspielt war, wurde er zu keiner Zeit frickelig oder anstrengend, das gelingt den wenigsten Bands. Leider ist die Musik dann doch wiederum so vielschichtig, dass man gerade live gar nicht alle Feinheiten so genau aufnehmen kann. Da jedoch alles wieder zu einem »Gesamtkunstwerk« verschmilzt, ist das nicht weiter tragisch. Denn trotz oder vielleicht auch wegen der Komplexität ist und war es ein großartiges Konzert, wahrscheinlich das beste in diesem Jahr, welches nach 24 Stücken endete.

Setlist Radiohead, Lanxess-Arena, Köln:

01: Bloom
02: Lucky
03: 15 step
04: Morning Mr Magpie
05: The national anthem
06: The gloaming
07: Separator
08: Reckoner
09: Pyramid Song
10: These are my twisted words
11: Nude
12: Identikit
13: Lotus flower
14: There there
15: Feral
16: Bodysnatchers

17: Weird fishes / Arpeggi (Z)
18: Ful stop (neu) (Z)
19: The Daily Mail (Z)
20: Myxomatosis
21: Paranoid android

22: How to disappear completely
23: Everything in its right place (mit REM Cover The one I love)

24: Idioteque

Youngblood Brass Band Tour

Ende Oktober kommt die Youngblood Brass Band auf ihrer Europa-Tour auch für zwei Auftritte in Deutschland, in Köln und München, vorbei. In ihren Gigbags wird neben den Instrumenten das neue Album verstaut sein. Sieht man von der Kollaboration  mit dem Schweizer Rapper Bligg und dem daraus resultierenden Album Brass aber herzlich ab, wird es das erste Album nach siebenjähriger Veröffentlichungspause sein.

Glaubt man den Vorankündigungen der Band und des Labels layered erwartet das Publikum wieder eine Mischung aus treibenden Bläsern, Drums und Rap-Parts. Nach den Jahren der (Veröffentlichungs-)Pause darf man gespannt sein, wie und wo sich die Youngblood Brass Band im Brasskosmos einsortiert. Haben doch in den letzten Jahren auch andere Combos, wie die Soul Rebels Brass Band oder Trombone Shorty, für Furore gesorgt. Vielleicht setzen sie wieder neue Maßstäbe, brechen Konventionen oder aber führen schlicht und einfach ihren Stil der Vergangenheit konsequent fort. Was nicht das Schlechteste wäre.

Live waren sie in der Vergangenheit in jedem Fall so kraftvoll wie kaum eine andere Brass-Band und das werden sie sicherlich nicht abgelegt haben. Daher unbedingt die Termine:
26.10.2012 Club Bahnhof Ehrendfeld, Köln

und

29.10.2012 Ampere/Muffatwerk, München

vormerken und am besten nicht nur vormerken, sondern auch hingehen!