Kallentoft/Luttemans „Das Blut der Hirsche“: Im Rausch der Drogen

Auferstanden aus dem Drogensumpf muss sich Zack Herry in einem brisanten Fall beweisen: Sechs grausam zugerichtete Jugendliche, die nach einer Party auf einer Schärengarteninsel tot aufgefunden werden. Jedes der Opfer mit derselben Droge im Blut. Kallentoft & Lutteman stellen ihren (Anti-)Helden Zack Herry auf eine harte Bewährungsprobe…

Mittsommer: Blutbad im Schärengarten

Fünf tote, grausam zugerichtete Jugegendliche und eine schwerverletzte junge Frau: Das ist das schreckliche Ende einer Mittsommerparty auf einer schwedischen Insel im Schärengarten. Auf der einzig überlebenden Zeugin lasten die Hoffnungen rund um das Team von Kriminalinspektor Zack Herry. Ausgerechnet ihm: Denn bei allen Opfern findet sich ein- und dieselbe synthetische Droge im Blut, die noch dazu führte, dass sich die Jugendlichen gegenseitig umbrachten – auf bestialische Art und Weise. Doch noch wahnsinniger ist, dass sie alle im Moment des Todes ein Lächeln im Gesicht hatten. So kreisen die Ermittlungen um die Frage: Wer bringt solch eine Droge in Umlauf? Recht schnell kommt die Einheit dem Drogendealer David Mathias auf die Spur, der sich jedoch kurz vor dem Zugriff selbst das Leben nimmt. Und sls wären sechs Opfer nicht genug, kommen kurz darauf drei weitere Jugendliche durch die gleiche Droge zu Tode.

Und eben Zack Herry, der aktuell clean ist muss und will sich beweisen, dass er von den Drogen los. All sein Können ist in diesen beiden Fällen gefragt. Denn eine besondere Brisanz besteht, weil Douglas Juste – Chef der Ermittler – mit einem Vater der Opfer befreundet ist. So mobilisieren alle Ermittler ihre Fähigkeiten: Egal ob Sirpa am PC und im Darknet oder der blinde Rudolf in den Befragungen von Verdächtigen und Zeugen. Jede und jeder holt das Letzte aus sich heraus.

Für Zack scheint es nach den Drogenproblemen endlich aufwärts zu gehen. Denn seine Freundin Mera macht ihm einen Heiratsantrag und hat noch eine weitere gute Nachricht für ihn – Sie ist schwanger. Doch dann ist da ja auch noch Hebe, die Unternehmenstochter aus reichem Haus, zu der sich Zack magisch hingezogen fühlt. So perfekt die Situation mit Mera ist, plötzlich reißt ein Ereignis dem jungen, smarten Ermittler allen Boden unter den Füßen weg…

Knackiger Pageturner des Autorenduos

Zum dritten Mal gelingt dem Autorenduo Mons Kallentoft und Markus Lutteman mit „Das Blut der Hirsche“ einen rasanten Thriller vorzulegen. Ihren Helden – oder eigentlich ja sogar Antihelden – Zack Herry schicken sie in diesem Fall in den Kampf gegen die eigenen Süchte und auf die Jagd nach einem besonders perfiden Mörder. Denn nichts anderes ist der Hersteller und Dealer der Droge, die die Jugendlichen dazubringt, sich selbst auf die nur erdenklichsten Wege gegenseitig umzubringen. Die Handlung ist wahnwitzig und mitunter auch äußerst brutal.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie ein Autorenduo solch einen Thriller gemeinsam zu schreiben vermag, ohne dass man ihm die zwei Autoren anmerkt. Die Sprache wirkt wie aus einer Hand: Sehr kurze, aufs Mindeste reduzierte Sätze, dafür umso präziser in der Darstellung schaffen ein ungemeines Tempo. Denn so kurz die Sätze sind, um so gewaltiger ist ihr Sog. Dazu passend ebenso kurze Kapitel, was insgesamt dafür sorgt den Spannungsbogen rein sprachlich beständig hoch zu halten. Denn jedes Kapitel fesselt und drängt dazu, den Thriller fast schon am Stück zu lesen. Nicht ein bisschen entstehen Brüche, wenn Einschübe mit privaten Nebenhandlungen eintreten. All diese Nebenstränge bergen weiteres Spannungspotential, was immer weiter getrieben. Ganz gleich ob es die Beziehung zwischen Zack und Merry, Zack und Hebe, Zack und Abdullah, Zacks privater Recherche zu den Todesumständen seiner Mutter oder auch Deniz‘ und Sandras sich entwickelnder Beziehung ist. Zahlreiche Aufhänger, die immer wieder unterbrochen und aufgenommen werden. Niemals hat man das Gefühl, den Faden oder die eigentliche Ermittlung aus den Augen zu verlieren.

Jede einzelne Ermittlerin und jeder Ermittler besitzt Relevanz und wird seit dem ersten Fall weiterentwickelt: Deniz, Sirpa, Rudolf, Sam, aber auch Douglas Juste. Sie alle haben ihre eigenen Fähigkeiten, Bedürfnisse, Sorgen und Nöte. Dieses so unterschiedliche Team zu vereinen, das ist ein weiterer Verdienst des Schreib- und Erzählstils von Kallentoft und Lutteman.

So ist „Das Blut der Hirsche“ ein höchst rasanter dritter Band und ein einziger Pageturner, der noch dazu mit einem Cliffhanger am Ende aufwartet. Um so besser, dass der vierte Fall („Der Schrei des Engels“) bereits am 20. April 2019 erscheinen wird.


Buchcover zu Kallentofts und Luttemans Thriller "Das Blut der Hirsche"

Kallenfoft & Lutteman „Das Blut der Hirsche | Copyright: Tropen/Klett-Cotta

Mons Kallentoft & Markus Lutteman

Das Blut der Hirsche

Aus dem Schwedischen von Ulrike Brauns
(Orig.: Bambi)

14,95 EUR (D), 15,40 EUR (A)

ISBN: 978-3-608-50364-7

1. Aufl. 2018, 397 Seiten, Klappenbroschur

Weitere Infos beim Verlag Klett-Cotta.

Hinweis: Das Buch wurde privat angeschafft, ohne Verbindung und Zuwendung von Seiten des Verlages.

Auf einen Kaffee in Duisburg: Simply Coffee

Espressi im Simply Coffee am Duisburger Sternbuschweg

Zwei Espressi im Simply Coffee am Duisburger Sternbuschweg | Foto: Daniel Sperl

Weiter geht’s mit der Café-Rundreise: Diesmal stand die Kaffeebar Simply Coffee auf dem Duisburger Sternbuschweg in Neudorf auf dem Programm. Ein kleines Café mit schonend geröstetem Kaffee und einigen Kleinigkeiten zu essen.

Mit dem Café am Sternbuschweg eröffneten Christos Paschos und Aki Bakogiannis nach der Location an der Moselstraße bereits ihr zweites Café in Duisburg. Und die Lage am Sternbuschweg könnte vermutlich kaum geeigneter sein: Die unmittelbare Nähe zum Campus der Uni Duisburg-Essen verspricht reichlich Kundschaft.

Das Interieur des kleinen Cafés kommt im rauen Industrielook daher: Tische aus groben, unbehandelten Holz, auf alt gemachte Stühle, pure Waschbetonwände und Regale aus alten Obst-/Weinkisten mit Kaffees und Zubehör. Die Vertäfelung hinter der Theke ist ebenfalls aus hellem, unbehandelten Holz und wirkt dadurch sehr warm, quasi als Kontrast zu den Waschbetonwänden im Sitzbereich. Die Anzahl der Sitzplätze ist überschaubar und bislang bei allen Besuchen so gut wie jeder Platz besetzt – so auch beim Besuch an einem Freitag.

Kleiner Capuccino bei Simply Doffee

Eine kleine Tasse Capuccino kostet bei Simply Coffee 2,60 Euro | Foto: Privat

Zubereitet und ausgeschenkt wird eigens gerösteter Kaffee – laut Auskunft der Barista hinter der Theke alles langsam geröstete Bohnen. Mein Filterkaffee aus der Hario V60 ist der „Orange“ – alle Bohnen sind nach Farben benannt und so auch in 250 g Päckchen für daheim zu kaufen. Der Geschmack des Filterkaffees ist leicht schokoladig und würzig, fast gänzlich ohne Säure und schon gar nicht bitter. Preislich liegt die kleine Tasse bei 2,80 Euro und die große bei 3,80 Euro. Mir hat er in jedem Fall geschmeckt. Auch der Capuccino (der Erspresso kommt aus einer schicken La Marzocco Siebträgermaschine) meiner Begleitung schmeckt gut und kräftig, wie erhofft passt das Verhältnis von Milch und Esspressostärke. Sehr praktisch – und längst nicht selbstverständlich – ist das kostenlose stille Wasser, welches mit einem Zweig Minze versetzt ist, und sich jeder Kunde ein- und auch nachschenken kann.

Mokka aus dem Sandbett

Mokka aus dem Sandbett | Foto: Daniel Sperl

Bereits bei der Bestellung an der Theke fiel mir dann noch ein kupferfarbener Kessel, gefüllt mit Sand und einem orientalisch anmutendem Kännchen auf: Im Kännchen drin wird ein Mokka im Sandbad bzw. Sandbett zubereitet. Tatsächlich ein Mokka –  denn in der Espressotasse befindet sich der Kaffeesatz, das Umrühren sollte also vermieden werden. Direkt bei der Bestellung erfolgte die Frage, ob man den Mokka ungesüßt, leicht oder stark gesüßt haben möchte. Da ich sowohl meinen Kaffee als auch meinen Espresso oder in diesem Fall Mokka ungesüßt trinke, fiel die Wahl leicht. Auch dieses Experiment lohnte sich. Geschmacklich erdig-kräftig und ohne Säure überzeugte der Mokka. Nicht gemerkt habe ich mir die Bohne bzw. Herkunft der Bohne. Ich behielt ledglich in Erinnerung, dass die Bohnen in Bremen geröstet und auch gemahlen werden, weil man in Duisburg nicht so fein mahlen könne. Wer mal etwas anderes ausprobieren möchte, sollte diesen Mokka in jedem Fall probieren.

Nicht nur der Kaffee, Espresso, Mokka und Capuccino schmecken gut, sondern ebenfalls die Kleinigkeiten zu essen: Bei unserem Besuch aßen wir Bananenbrot, welches auf Wunsch warm gemacht wurde und eine Schoko-Karamell-Tartelette. Letztere war zwar sehr süß – kein Wunder bei der Kombination -, aber der Karamall kam schön durch.

Öffnungszeiten

Ein Espresso geht immer. | Foto: Daniel Sperl

Geöffnet hat Simply Coffee (am Sternbuschweg) an 365 Tagen im Jahr und damit an keinem einzigen Tag geschlossen:

montags bis samstags von 9 Uhr bis 19 Uhr
sonntags von 10 Uhr bis 17 Uhr.

Eindrücke und mehr Infos findet ihr auf der Facebook-Seite von Simply Coffee.

Martin Suters „Allmen und die Erotik“ – Gefährliches Porzellan

Bereits zum fünften Mal lässt der Schweizer Martin Suter seinen Lebemann  und dessen Agentur „Allmen International Inquiries“, die sich mit der Wiederbeschaffung wertvoller Kunstgegenstände befasst, im Kunstmilieu agieren. Diesmal muss er sich mit Porzellan auseinandersetzen. Jedoch nicht freiwillig, denn Allmen wird erpresst.

Verkaufen und Wiederfinden: Allmen zwischen den Fronten

Mal wieder in Geldnot – wie man es bei Johann Friedrich von Allmen nicht anders kennt – versucht der Kunstexperte ein Mini-Fabergé-Ei aus der Bibliothek der literarischen Gesellschaft zu entweder. Ungünstigerweise wird er dabei von Krähenbühler, dem Chef einer Securityfirma, gefilmt und promt erpresst: Er, also Allmen, soll erotische Porzellanfiguren stehlen, damit das Securityunternehmen einen Auftrag für die zukünftige Sicherung des Lagers erhält. Aufbewahrt werden sie dort, weil der ehemalige Antiquar Sterner diese Erotika sammelte und mit ihnen auch handelte. Doch als seine Frau schwer erkrankte wurde er Mitglied einer Sekte und verbannte die Figuren ob ihrer Frivolität ins Lagerhaus.

Doch Allmen soll die Figuren nicht nur entwenden, sondern die kostbaren Figuren an Hehler verkaufen und einen großen Anteil des Erlöses dem Erpresser aushändigen. Aufgrund der misslichen Lage bleibt Allmen nichts anderes nötig als dem Deal zuzustimmen.

Natürlich geht beim Einbruch ins Lagerhaus und Diebstahl der Porzellankunst nicht alles glatt. So wird nicht nur er, sondern auch sein Gärtner, Butler, mittlerweile auch Geschäftsteilhaber und langjähriger Gefährte Carlos in die ruchlosen Machenschaften hineingezogen. Denn der Eigentümer der Figuren will, trotz seines hohen Alters und bereits auf den nahenden Tod wartend, Allmen kennenlernen. Bei Allmens Besuch im Sektenhaus lernt er die Tochter von Sterner kennen und fühlt sich gleich zu ihr hingezogen. Doch ausgerechnet das macht die Sache noch komplizierter …

Ein Titel der Bände spricht

Man mag Krimis im generellen und die Allmen-Reihe für Trivialliteratur halten, aber sie liest sich unterhaltsam und in einem Rutsch weg. Das liegt zuvorderst an Suters wunderbar eloquentem sowie nonchalanten Schreibstil, der fast schon als Plauderton daherkommt. Gleichzeitig zeichnet Suters Sprche eine Pointiertheit mit feinzüngiger Ironie aus, die man bereits in all seinen anderen Romanen kennt.

Dazu noch Allmens, längst gewohnte, Art bzw. Unart mit Geld umzugehen und generell wie ein Boheme zu leben, dieser chronisch blanke Kunstkenner und Lebemann, dem man irgendwie nie böse sein kann, obwohl er doch fast schon ein Antiheld ist – man möge mir diesen Begriff in der Zeit aller möglicher Superhelden verzeihen. Auch sonst machen die Akteure den Charme der Reihe aus: der treue Assistent, Gärtner Butler und Geschäftsteilhaber Carlos und dessen Frau Maria oder Herr Arnold Als Chauffeur mit dem 1978er Fleetwood Cadillac.

So simpel oder bekannt der Aufhänger der Erpressung Allmens auf den ersten Blick sein mag, entwickelt sich daraus doch eine durchaus überraschende Story mit allerlei überraschenden Konstellationen und nicht zu vermutenden Schwierigkeiten in der doch sonst so leichten Welt von Allmens. Der Diebstahl und der anschließende Umgang mit dem erotischen Nippes, um die teils eher pornografischen Porzellankunst etwas zu umschreiben, rücken dann in den Hintergrund, wenn es um die Liebe, beziehungsweise die unerfüllte Liebe Johann Friedrich von Allmens geht. Insofern ist der Titel „Allmen und die Erotik“ mehrdeutig aufzufassen. Allein diese (Neben-)Handlung macht den fünften Band äußerst kurzweilig und lesenwert.


Buchcover zu Martin Suter „Allmen und die Erotik“

Martin Suter „Allmen und die Erotik“ | Copyright: Diogenes Verlag AG

Martin Suter
Allmen und die Erotik

erschienen am 01. Oktober 2018
272 Seiten

ISBN 978-3-257-07033-0
€ (D) 20.00 / sFr 27.00* / € (A) 20.60
* unverb. Preisempfehlung

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Diogenes Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!

Auf einen Kaffee in Düsseldorf: Kaffeerösterei Röstzeit

Eine Karaffe mit Jamaica Blue Mountain im Café Röstzeit

Der Jamaica Blue Mountain im Café Röstzeit | Foto: Privat

Was liegt näher als einen Einkaufstripp mit einem Cafébesuch zu kombinieren: Die Wahl fiel an einem Samstagmorgen auf die Kaffeerösterei Röstzeit auf der Düsseldorfer Oststraße. Eine gute Wahl – freundliche Bedienung, eine gute Auswahl und ein hervorragender Geschmack.

Eingangsbereich des Café Röstzeit in Düsseldorf

Der Eingangsbereich des Café Röstzeit in Düsseldorf | Foto: Privat

Eigentlich ging es nur zum Wocheneinkauf nach Düsseldorf – So ist das, wenn eine große Bio-Kette die nächste Filiale in Düsseldorf hat. Um den nützlichen Ausflug aus dem Ruhrgebiet mit etwas schönem zu verbinden, stand noch ein Café auf dem Programm. Nach Rechereche im Netz fiel die Wahl auf die Kaffeerösterei Röstzeit auf der Oststraße. Von außen recht unscheinbar, ist es innen ganz gemütlich. Die Einrichtung relativ klassisch: Dunkles Mobiliar, eine große, von handbeschriebene Liste von Filter- bzw. Frenchpress-Kaffees an der linken Wand, eine Röstmaschine mit drappierten Kaffeesäcken und dahinter die Theke. Im Café eine große Tafel mit den eigenen, hausgemachten Kuchen – natürlich auch handgeschrieben sowie dem Kaffee des Monats.

Auf diesen fiel dann auch meine Wahl: Der Jamaica Blue Mountain in der handaufgegossenen Zubereitung sollte es sein. Laut Ankündigung gilt er als Champagner des Kaffees. Angebaut wird dieser auf Jamaica in einer Höhe zwischen 900 und 1.700 Metern. Der Preis von 4,50 Euro für eine normale Tasse sprach in jedem Fall für einen hochwertigen Genuss. Und die Erwartung wurde erfüllt. Serviert wurde der heiße Kaffee in einer Glaskaraffe. Geschmacklich war er sehr würzig und erdig mit einer Spur von nussigen Aromen, mild und einer kaum spürbaren Säure. Der Geschmack hielt sich lange im Mund und war dabei angenehm. Das Geld war der Kaffee allemal wert!

Auch der Capuccino meiner Begleitung war gut. Das Mischverhältnis von Milch zu Espresso war ausgewogen und der Kaffeegeschmack kam gut durch. Was gerade bei Capuccini wirklich wichtig ist. Ansonsten gab es zu beiden Kaffees ein kleines Stück Rührkuchen, welcher ein schönes Mandelaroma hatte. Insgesamt wirklich ein lohnenswertes Café (mit integriertem Shop), was wir sicherlich wieder besuchen werden. Denn auch der Service war sehr fix und überaus freundlich!

Infos zum Café Röstzeit:

  • Adresse: Oststrasse 115, 40210 Düsseldorf |
  • Öffnungszeiten: Mo – Fr: 9 – 18 Uhr | Sa: 9.30 – 17 Uhr geöffnet | Sonn- und Feiertags geschlossen
  • Webseite: Zur Webseite des Cafés

Mike Herrons „Slow Horses“ – Irres Agententreiben

Mit „Slow Horses“ von Mike Herron startet im Schweizer Diogenes Verlag eine neue Spionagethriller-Reihe, die gleich zu Beginn begeistert. Ausrangierte Agenten müssen, können und wollen zeigen, dass sie nicht nicht umsonst beim MI5 gelandet sind. Überraschende Wendungen und eine spanndende Handlung treffen auf teils derben Humor.

Lahme Gäule: Die Slow Horses aus dem Slough House

River Cartwright hat es verbockt: Bei einer Anti-Terror-Übung setzt er auf den falschen Verdächtigen – oder wurde er von seinem Partner und Gefährten James „Spider“ Webb falsch gebrieft? Egal, denn schon ist seine gerade beginnende Karriere beim MI5 Geschichte. Zumindest so gut wie, denn nur dank seinem Großvater, einem verdienten MI5ler in Ruhestand, wird er nicht gekündigt, sondern landet bei den Slow Horses unter Jackson Lamb. Hier landen alle in Misskredit geraten sind. Anstelle für die Sicherheit des Landes zu sorgen, muss River Telefonate abhören und transkribieren oder darf – aber nur ausnahmesweise – im Außendienst Mülleimer durchforsten.

Doch River ist nicht allein. Mit Roderick Ho, Jed Moody, Catherine Standish, Min Harper, Luisa Guy, Struan Loy und Catherine Standish befindet er sich in einer illustren Runde. Allesamt ausgebootete Agentinnen und Agenten, die mit ihrem Schicksal hadern. Egal ob Catherine Standish wegen Alkohol, dem IT-Experten Roderick Ho, der nicht einmal weiß, wieso er im Slough House landete, Min Harper, die eine CD voller sensibler Daten (noch dazu mit Top-Secret-Aufkleber versehen) im Zug vergaß sowie den sonstigen Eskapaden von Jed Moody, Louisa Guy, Struan Loy oder Sidonie Baker. Und dann ist da noch Jackson Lamb, der Chef der Slow Horses, über den manch ein Gerücht existiert.

Mittem im grauen Alltag wird ein jugendlicher Pakistani entführt und live im Internet mit dessen Enthauptung gedroht. Da wittert River Cartwright die Chance, seinen ramponierten Ruf zu verbessern und den Jungen zu befreien. Unerwartete Unterstützung erhält er von Sidonie Baker. Was vielversprechend beginnt, mündet in der Katastrophe. Das Verwirrspiel um Gut und Böse beginnt …

Ein Spiel mit den Figuren

„Slow Horses“ ist der erste „Fall für Jackson Lamb“ von Autor Mike Herron, der nun im Diogenes Verlag in deutscher Übersetzung erschien. In England erhielt er für seine bislang veröffentlichten Bände viele positive Besprechungen und für einen Band sogar den Krimipreis „CWA Gold Dagger for Best Crime Novel“. All‘ das Lob lässt sich bereits nach dem ersten Fall verstehen: Unkonventionell ist der Rahmen und voller Potential die Charaktere.

Genau diese führt Herron langsam und behutsam mit vielen Details ein. Er etabliert seine Charaktere mit all‘ ihren Eigenheiten:

  • Jackson Lamb Chef der Slow Horses übergewichtig, stinkend, ungepflegt, egoistisch wirkend, furchtbar sarkastisch und ironisch mit fiesem Auftreten, aber dennoch ein alter Geheimdiensthaudegen, der mit allen Wassern gewaschen ist. Spielt ein durchtriebenes Spiel, wie sich aber im Laufe des Krimis immer mehr aufklärt. Gleichzeitig weiß er die Fehler anderer zu seinen Gunsten auszunutzen – vor allem die von Diana Taverner.
    at er die Aktion wirklich vermaselt? Oder ist es James „Spider“ Webb gewesen, der ihm falsche Infos gab
  • Roderick Ho hat keine Ahnung mehr, wieso er bei den Slow Horses landete. Er ist in jedem Fall der IT-Nerd im Slough House
  • Jed Moody über den hier nichts verraten werden soll
  • Catherine Standish trockene Alkoholikerin, „Assistentin“ eines ehemaligen leiten MI5 Angestellten, der sich umbrachte. Findet im Laufe des Romans zu alter Stärke zurück
  • Min Harper, die die CD mit hochsensiblen, geheimen Daten im Zug vergisst und das auch noch im Radio hört
  • Louisa Guy und Struan Loy, die noch Entwicklungspotential haben. Wobei Struan Loy bereits gegen Ende eine entscheidendere Rolle einnimmt
  • Und dann noch Sidonie Baker, die eine eine Sonderrolle einnimmt, sie arbeitet mit River – aber eher ungewollt.

Die Gegenspieler beim MI5:

  • James „Spider“ Webb ehemaliger Gefährte/ Partner von River Cartwwirght, karrieregeiler Typ, der alles für den Aufstieg macht
  • Diana Taverner („Lady Di“), Vizechefin des MI5, wie Jackson Lamb sehr durchtrieben. Will den Ruf des MI5 verbessern, weil sie sich in Konkurrenz zur Chefin des MI5 befindet und versucht sich besser zu positionieren, dies ebenfalls skrupellos und auf Kosten von Privatpersonen oder auch den eigenen Mitarbeitenden
  • Nick Duffy, Chef der Dogs, führt alle Befehle von Lady Di aus und für Zugriffe zuständig, ein bissiger Typ, Wach- und „Aufräumhunde“ des MI5

Das mag anfangs etwas schwieirig sein, weil er die Personen nach und nach einführt, kurze Episoden aus der Vergangenheit beschreibt, aber vor dem Hintergrund weiterer Fälle ist das interessant und wichtig um die Agierenden zu kennen.

Egal ob im Fall der Personender Umgebung oder der eigentlichen Handlung, Mike Herrons Sprache ist unglaublich präzise, ungemein beschreibend und detailreich. Faszinierend wirkt auch der schwarze Humor und der Hang zu Pointen und derben Beschreibungen, beispielsweise Jackson Lamb betreffend. Während des Lesens entsteht diese Figur nahezu lebendig vor dem inneren Auge – Was Jackson Lamb nicht gerade sympathischer macht. Einen großen Anteil darf man sicherlich der Übersetzerin Stefanie Schäfer zuschreiben, die den Thriller hervorragend vom Englischen ins Deutsche übersetzt hat, ohne dass etwas vom Tempo und dem Sprachwitz verloren gegangen ist.

Neue Zeiten erfordern neue Aufgaben:

Und das Wichtigste: Die Handlung steht in keinster Weise zurück! Die Geheimdienste weltweit mussten sich mit Ende des Kalten Krieges neue Felder und auch neue Feindbilder „suchen“. Mit 9/11 sowie den Anschlägen in Madrid und London rückte die Bekämpfung des Terror unterschiedlicher extremistischer Gruppierungen in den Vordergrund. Doch neben neuen Feinden bedurfte und bedarf es ebenfalls neuer Verbündeter.

Hier knüpft Herron an: Rechte Extremisten entführen einen jungen Pakistani, um ihn zu köpfen und das live vor laufender Kamera, übertragen ins Internet – Eine Racheaktion für die islamistischen Terroranschläge. So zumindest scheint die Ausgangslage zu sein, doch natürlich steckt wesentlich mehr dahinter. Ein irres Verwirrspiel entsteht, welches immer wieder überraschende, jedoch zu keinem Zeitpunkt unlogische Wendungen nimmt. Für die Leserschaft stellt sich zum Schluss die Frage: Welche Daseinsberechtigung hat ein Geheimdienst, der nicht nur diletantisch agiert, sondern noch dazu von skupellosen Egomanen geführt wird? Wie will ein solcher Geheimdienst in der Zukunft Anschläge verhindern. Natürlich ist Slow Horses Fiktion, wenn man sich jedoch an einige Geheimdienstaktionen sowie die Führung dieser Dienste in Deutschland erinnert, wirkt die Fiktion nicht einmal sonderlich realitätsfern.

Direkt mit dem ersten Fall legt Mike Herron einen Pageturner vor, der Freude auf die nächste Bände macht – Hier hat der Diogenes Verlag für den Herbst 2019 bereits den zweiten Fall angekündigt. Es wird spannend, wie es mit den Slow Horses weitergeht. Denn – so viel dürfte klar sein – wirklich slow sind sie am Ende nicht mehr.


Buchcover von Mike Herron "Slow Horses"

Mike Herron „Slow Horses“ | Copyright: Diogenes Verlag AG

Mike Herron

Slow Horses
Ein Fall für Jackson Lamb

480 Seiten
erschienen am 01. September 2018

ISBN 978-3-257-07018-7
€ (D) 24.00 / sFr 32.00* / € (A) 24.70
* unverb. Preisempfehlung

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Diogenes Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!

Test der AeroPress und des Rungeto von Coffee Circle

Pünktlich zum neuen Jahr habe ich auf meinem Blog eine neue Kategorie ins Leben gerufen: Genuss! Denn auch Ernährung, sowohl in fester als auch in flüssiger Form, gehört zur Kultur dazu. Als ersten Beitrag geht es um Kaffee: Zu Weihnachten gab es fürs Büro eine AeroPress geschenkt und passend dazu Kaffeepulver (Rungeto von Coffee Circle*).

Die AeroPress: Leicht, handlich, praktisch

Schon seit längerem wird um die Zubereitung von Kaffee ein recht großer Bohei gemacht. Die Meinungen sind genauso vielfältig wie die Möglichkeiten: Egal ob (klassische) Kaffeemaschine, KJaffeevollautomat, Siebträgermaschine, Frenchpress, diverse Handfilter, Karlsbader Kanne oder eben AeroPress – jede/-r hat den eigenen Liebling.

Da ich fürs Büro etwas unkompliziertes suchte, fielen einige Methoden schon mal raus. Noch dazu hatte ich von der AeroPress viel Gutes gehört und auch schon guten Kaffee daraus auswärts getrunken. Also ließ ich mir die AeroPress zu Weihnachten schenken.

AeroPress – Was ist das nun? Die AeroPress besteht aus drei Bauteilen: Dem Brühzylinder, dem Presskolben sowieo dem Filterhalter. Im Set enthalten sind außerdem Papierfilter, ein Kaffeelot, ein „Einfüllstutzen“ sowie ein Stab zum Umrühren. Die Zubereitungsmethode ist mit einer Frenchpress zu vergleichen. Man benötigt recht feingemahlenen Kaffee, heißes Wasser (die Empfehlungen schwanken zwischen 80° C laut Hersteller und 90 ° C) und eine Tasse. Das Zylinder wird zusammengesteckt, das Kaffeemehl wird in den Zylinder gegeben mit der entsprechenden Menge Wasser angegossen, umgerührt und mit weiterem Wasser (insgesamt 200 ml) aufgefüllt. Nun lässt man den Kaffee 30 Sekunden ziehen, schraubt den Filter mitsamt Filterpapier auf und presst den Kaffee langsam (etwa 30 Sekunden) in die Tasse. Anschließend schraubt man den Filter ab und presst den Kaffeesatz mit Filter in den (Bio-)Müllbehälter. Wirklich ganz simpel – gute Beschreibungen mit Bebilderung liefern coffeecirle.com (inverted Methode, die ich vorab auch beschrieb) oder dieroester.at (klassische Methode).

Das praktische an der AeroPress ist, dass sie kaum Platz benötigt, sie super schnell zu reinigen ist und man außer einem Wasserkocher eigentlich kein weiteres Zubehör benötigt. Noch dazu schmeckten mir die Ergebnisse meiner bisherigen Versuche sehr gut.

Normalerweise nutze ich ganzen Bohnen und mahle sie frisch, das ist im Büro (ohne Handmühle) kaum praktikabel. Deswegen greife ich vorerst auf gemahlenen Kaffee zurück, da ich aber hochwertigere Sorten und kleine Verpackungseinheiten nutze, fand ich die Ergebnisse bislang gut. Da ich daheim mit dem dazugehörigen Kaffeelot und meiner Waage die Portionierung der Pulvermenge „übte“, komme ich ohne Waage aus. Wahrscheinlich werde ich hier aber doch noch investieren – und eventuell irgenwann eventuell auch eine Handmühle kaufen.

Rungtetto und die AeroPress

Kaffee am Arbeitsplatz: Rungeto aus der AeroPress | Bild: Privat

Rungeto von Coffee Circle

Kaffee kann nur so gut werden wie die Bohne oder das Kaffeemehl! (Auch ein Grund, wieso ich nicht mehr den Bürokaffee trinke…) Da ich wie geschrieben im Büro noch auf frisch gemahlene Bohnen verzichte, teste ich aktuell den Rungeto (100 Prozent Arabica) von Coffee Circle in der bereits gemahlenen Variante. Angebaut wird diese Sorte im ostafrikanischen Kenia auf einer Höhe von etwa 1.750 Meter. Laut coffeecirle.com ist das Terroir auf denen die Kaffeepflanzen wachsen vulkanisch geprägt, geerntet werden die Bohnen händisch. Geschmacklich soll er Aromen von Rhababer und Johannisbeere besitzen. Auch wenn ich das bislang nicht so bestätigen kann: Er schmeckt ausgesprochen mild und durchaus fruchtig (beerig trifft es in jedem Fall), spritzig jedoch ohne übertriebene Säure.

* Alle erwähnten Produkte habe ich entweder gekauft oder von der Familie geschenkt bekommen. Insofern handelt es sich, wenn überhaupt, um unbezahlte Produktwerbung.