Petros Markaris „Drei Grazien“ – Der Wandel der Zeit

Kaum zu glauben: Kommissar Charitos und seine Frau Adriani machen Urlaub und machen dort Bekanntschaft mit drei Frauen – den drei Grazien. Doch kaum zrück holt den Kommissar der Alltag mit einigen Überraschungen mitsamt einer Mordserie ein.

Kommissar Charitos tappt im Dunkeln

Ungewohnterweise fährt Kommissar Charitos mit seiner Adriani in den Urlaub, um sich von den Strapazen zu erholen und lernt prompt drei rüstige Rentnerinnen kennen, die die Urlaubsausflüge der Gruppe bestimmen und für reichlich Abwechslung sorgen. Doch wie jeder Urlaub geht auch dieser zu Ende und kaum zurück in Athen, warten auf Kostas Charitos einiger Veränderungen: Sein langjähriger Vorgsetzter Gikas geht in den Ruhestand, das fast mit sofortiger Wirkung und auch in seinem Team gibt es einige neue Kollegen. Interimsweise soll Charitos den Posten von Gikas übernehmen und insofern er die Gunst der Stunde nutzt und sich nicht mit dem neuen Vizepolizeipräsidenten überwirft, winkt ihm sogar die dauerhafte Besetzung dieser Stelle.

Wie zu erwarten muss sich Charitos als Ermittler beweisen: Ein Politiker und ehemaliger Uniprofessor wird mit einer vergifteten Torte ermordet. Gerade weil der Ermordete ein Politiker aus der Regierung ist, ist der Fall besonders heikel. Denn der Minister sitzt dem Kommissar im Nacken. Obwohl ein Bekennerschreiben Hinweise auf ein organisiertes Verbrechen hinweisen, tappt der erfahrene Polizist im Dunkeln. Und dann kommen weitere Morde hinzu. Für Charitos und sein teils neues Team entiwckeln sich die Fälle als wahre Probe.

Immerhin im Privaten gibt es durchweg positive Nachrichten. Denn Tochter Katerina erwartet Nachwuchs, der noch dazu den Vornamen von Chostas Freund, dem Altlinken Sissis erhalten soll: Lambros. Das freut Sissis und auch Adriani geht in ihrer baldigen Rolle als Großmutter auf, geht dabei aber ihrer Tochter auf die Nerven. Wäre da eben nur nicht die Mordserie, die Kommissar Charitos in Beschlag nimmt.

Viel Spannung ohne viel Handlung

Als jahrelanger Fan von Petros Markaris und seinem Kultkommissar Kostas Charitos freut man sich auf jeden neuen Fall. So auch diesmal: Enttäuscht wird man nie – wenn man die Reihe kennt. Natürlich ist der Band „Drei Grazien“ ist seiner ganzen Art und Weise nicht mit den Krimis und Thrillern aus Skandinavien oder den französischen Urlaubskrimis zu vergleichen. Auch wenn bei Markaris jeher auch „die“ griechische Kultur und die Lebensweise in jedem Krimi für Stimmung sorgt, aber sie ist eher schmückendes Beiwerk. Wie immer behutsam erzählt, ist Markaris wieder Chronist Griechenlands Gegenwart. Jedoch anders als seine Trilogie der Krise über die Ursachen und Folgen der Finanzkrise.

Dieses Mal steht das Bildungswesen im Fokus der Mordserie: Uniprofessoren wechseln aus Forschung und Lehre in die Politik, machen aber ihre Lehrstühle nicht vollständig frei, sondern bewahren sich eine Rückkehroption. Ganz ohne Rücksicht auf die Kolleginnen und Kollegen oder die Studierenden – genau dies prangern die Mörder in ihren Bekennerschreiben an und berufen sich auf alte, angesehene Professoren. Wenige Spuren, die Verstrickungen in die Politik, die neuen Kollegen und nicht zu letzt die Sorgen des Kommissars, Fehler zu machen und alle Chancen, doch noch beruflich aufzusteigen, zunichte zu machen, sorgen für zähe Ermittlungen. Gleichzeitig sorgen genau all diese Details für die Spannung – und das obwohl insgesamt wenig geschieht.

Es ist die dichte Atmosphäre, die den gesamten Charme eines jeden Falls ausmacht. Die „drei Grazien“ aus dem Urlaub spielen auch nach dem Urlaub eine wichtige Rolle: Gemeinsam mit Adriani wird gegessen und sich unterhalten sowie im Kaffeesatz gelesen, aber ohne den Kommissar. Überhaupt bringt Kostas Markaris neue Akteure in den bereits längst etablierten Kreis ein. Frischer Wind, der spannend ist: Die neuen Konstellationen müssen sich beweisen. Als Cliffhanger bleibt es am Ende offen, ob Charitos tatsächlich in die Fußstapfen von Gikas treten wird und doch endlich dauerhaft befödert wird. Mindestens ein weiterer Fall wird sich also anschließen.


Petros Markaris "Drei Grazien" | Copyright: Diogenes Verlag AG

Petros Markaris „Drei Grazien“ | Copyright: Diogenes Verlag AG

Petros Markaris

Drei Grazien

€ 24 [D], sFr 32.00 [CH],  € 24.70 [A]
Erschienen am 25.07.2018
368 Seiten
ISBN: 978-3-257-07041-5

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Diogenes Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!