Martin Walkers „Revanche“ – Brunos zehnter Fall

Seit mittlerweile zehn Jahren ermittelt Martin Walkers Chef de Police Bruno Courrèges im romantischen und geschichtsträchtigen Périgord. In seinem Jubiläumsfall bekommt es der Dorfpolizist mit einem explosiven Fall zu tun, der nicht nur im Nahen Osten für Aufruhr sorgen könnte. Wie gewohnt mit viel Lokalkolorit, auf geschichtlichtem Hintergrund und aktuellen Bezügen.

Périgord, Guadeloupe und der Nahe Osten

Bruno staunt nicht schlecht als ihm offenbert wird, dass er seine Arbeit und die Runden durch „seinen“ Ort nicht mehr alleine machen kann. Denn er erhält eine Begleitung: Die junge Kollegin Amélie, aus Guadeloupe stammend, soll bei ihm sein, um zu schauen wie ein „Dorfplozist“ arbeitet. Das bereitet ihm jedoch Unbehagen, da er fürchtet nicht mehr auf die Hilfe und Hinweise aus der Bevölkerung zählen kann.Denn genau darauf hofft Bruno als eine junge Frau tot unterhalb der Burg „Templerburg“ Commarque aufgefunden wird. Denn auf den Mauern befindet sich ein kryptischer Schriftzug mit dem Bruno nichts anfangen kann.

Doch Amélie ist keine Be-, sondern eine Entlastung für Bruno: Mit Hilfe der sozialen Netzwerke sorgt sie schnell für Informationen, die Bruno bei den Ermittlungen voranbringen. Doch die Neuigkeiten rufen auch Sorgenfalten hervor: Die Zeichen deuten auf Komplikationen hin. Sie geben Hinweis darauf, dass ein uraltes Templerdokument existiert, welches Näheres über Jerusalem und den Anspruch der Menschen aus verschiedenen Glaubrensrichtungen auf die Stadt geben. Ein Aufruhr im Nahen Osten ist nicht ausgeschlossen und so tritt der Brigadier, Isabelle und sogar der israelische Geheimdienst auf.

Wäre ein Mord und dieser Fall nicht sowieso unpassend genug, „muss“ sich Bruno noch als Trauzeuge des Archäologen Horst und seiner Verlobten Clothilde kümmern sowie seinen Kollegen und Freund Jean-Jacques Jalipeau bei einem Fall von sexuellem Missbrauch von Seiten eines Geistlichen kümmern. Und dann ist da noch Brunos Liebesleben…

Bruno zwischen Moderne und Provinz

Kaum zu glauben, dass „Revanche“ bereits der zehnte Fall um und über den Dorfplozisten Bruno Courrèges im eigentlich beschaulichen Périgord. Damit schuf Martin Walker einen „Krimi-Helden“, der viele weitere Autorinnen und Autoren zum Genre des „Frankreich-Krimis“ animierte. Seit zehn also ermittelt Bruno zwischen Essen, Trinken, allerlei Liebesgeschichten in Fällen von lokaler und mitunter sogar weltgeschichtlicher Bedeutung. So auch im aktuellen Band, wo es um den Anspruch auf die Stadt Jerusalem geht.

Gewohnt gekonnt verbindet Martin Walker mittlerweile altbekannte Elemente: Die bildhafte und detallierte Darstellung der südfranzösischen Riten, Bräuche und Gepflogenheiten aus der Gegend mit den Ermittlungsarbeiten. Hier profitiert Martin Walker von seiner Ausbildung als Historiker und jahrelangen journalistischen Tätigkeit bei „The Guardian“. Dabei greift er auf die liebgewonnenen Personen aus zehn Jahren Bruno zurück: Den Brigadier, Jean-Jacques Jalipeau, seine Verflossene Isabelle, Pamela, Horst und Clothilde, usw. Gleichzeitig bindet er mit Amélie eine neue Figur ein – auch wenn es nur für diesen einen Fall sein dürfte. Sie ist quasi das Gegenteil von Bruno: Besessen von der Arbeit mit neuen Methoden, Social Media und weiteren Online-Tools sind für sie selbstverständlich.

Spannend ist „Revanche“ vor allem deswegen, weil natürlich nicht nur die Ermittlungen im Fall der Ermordeten im Fokus stehen, sondern ebenfalls der Fall des sexuellen Missbrauchs, die Hochzeit von Clothilde und Horst sowie Brunos „verzweifelte“ Suche nach einer eigenen Partnerin. All das macht den Charme dieses und jeden anderen Bandes um Bruno Courrèges. Da verzeiht man als Leser und Leserin auch die ein oder andere Länge.


Martin Walker: Cover von "Revanche"

Cover von Martin Walkers „Revanche“ | Copyright: Diogenes Verlag AG

Martin Walker

Revanche

€ 24 [D], sFr 32.00 [CH],  € 24.70 [A]
Erschienen am 01.05.2018
416 Seiten
ISBN: 978-3-257-07025-5

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Diogenes Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!

Leif GW Perssons „Verrat“ – Lisa Mattei übernimmt

Nach Kult-Kommissar Evert Bäckström schickt Leif G.W. Persson eine neue Ermittlerin an den Start. Ganz anders als Bäckström – nämlich smart, cool und selbstkritisch – kommt Lisa Mattei daher.

Als leitende Ermittlerin der schwedischen Sicherheitspolizei wird Lisa Mattei direkt ein Schwergewicht an Fall übertragen. Der britische Geheimdienst hat Kenntnis davon bekommen, dass ein islamistisch motivierter Anschlag auf die schwedische Königsfamilie kurz bevorsteht und der Angreifer ist schwedischer Staatsbürger. Lisa Mattei reist daraufhin mit ihrem Ermittlerteam nach Großbritannien, um dort Jeremy Alexander – eine Art James Bond – zu treffen und die notwendigen Informationen von ihm zu erhalten. Dabei stellt sich heraus, dass der britische Geheimdienst noch in eigener Sache ermittelt, weshalb Lisa Mattei nicht über alles informiert werden kann – und damit beginnen die Probleme. Denn wem kann Lisa Mattei vertrauen? Wer streut falsche Informationen und gibt es vielleicht sogar einen Maulwurf in ihren eigenen Reihen?

Gemächlich, aber spannend

Genau wie zuvor die Bäckström-Romane kommt auch dieser Fall von Leif GW Persson gemächlich daher. Der Autor bietet keine brutalen Schlägereien oder Psychothriller-Szenen, sondern setzt vor allem auf authentische Charaktere und präzise Ermittlungsarbeit. Der Austausch zwischen den Ermittlern steht im Vordergrund und die Protagonistin Lisa Mattei wird nicht nur durch ihre Arbeit definiert. Ihr Verhätnis zu ihrem Mann und ihrer Tochter spielt eine gewichtige Rolle und zeigt den Zwiespalt in dem sie sich als hochrangige Polizistin befindet.

Trotz der gemächlichen Gangart ist der Fall interessant und nimmt zum Ende auch noch Fahrt auf. Die Dialoge zwischen den Ermittlern sind an einigen Stellen etwas schwer verständlich, vor allem wenn sie ins Philosophische abdriften. Doch das war auch schon in den Bäckström-Romanen der Fall. Der Witz der vorherigen Krimi-Reihe des Autors ist in seinem neuesten Roman auch nicht so präsent. Dies allerdings liegt an der vollkommen konträren Hauptfigur. Trotzdem hat das Buch seine Berechtigung und wurde trotz der über 600 Seiten  auch nicht langweilig. Wer Leif GW Persson kennt, wird von diesem Roman nicht enttäuscht sein.


Leif GW Persson „Verrat“ | Copyright: btb7Randomhouse

Leif GW Persson

Verrat

Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann

€ 16,00 [D] | € 16,50 [A] | CHF 22,90*

(* empf. VK-Preis)
Erschienen: 12. Februar 2018
608 Seiten
ISBN: 978-3-442-79954-1

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom btb Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!