Mats Olsson „Demut“ – Wortgewaltig und gewalttätig

„Fifty Shades Of Grey“ trifft Thriller

Aus Schweden ist man mittlerweile harte Thriller-Kost gewohnt, Mats Olsson legt mit „Demut“ gleich ein schlagkräftiges und seitenstarkes Debut im btb Verlag vor. Im Mittelpunkt steht Harry Svensson, ein ehemaliger Journalist, der durch seinen SM-Fetisch in eine Mordserie verwickelt wird. Auch aus eigenem Interesse steigt er in die Recherche und die Ermittlungen ein. Zwischen starkem Anfang und Ende könnte es straffer zugehen.

Auf der Jagd nach dem „Spanking“-Mörder

Eigentlich plante Harry Svensson den Ausstieg aus dem Journalismus und den Einstieg in ein ruhigeres Leben als Kneipenwirt. Doch als er nach einem misslungenen SM-Date mit einer Weinhändlerin in einem Malmöer Hotel den abgehalfterten Blues-Sänger Tommy Sandell neben einer toten Frau auffindet, nimmt er  sich des Falls an. Doch das geschieht nicht nur aus beruflicher Neugier und der Vermutung heraus, dass der Musiker eben nicht der Täter sein könne. Harry Svensson hat nämlich ebenfalls ein privates Interesse: Die Frau wurde vor ihrem Tod geschlagen.

Als dann in Göteborg eine weitere Frau misshandelt und ermordet aufgefunden wird, spitzt sich die Situation zu, denn es handelt sich bei der Toten ausgerechnet um das aus dem Ufer gelaufene Date von Harry Svensson. Nun weiß nämlich der Mörder von den sexuellen Vorlieben des Journalisten und setzt genau dieses Wissen ein, um Druck auf Svensson auszuüben. Doch dadurch fühlt sich der Ex-Reporter noch stärker angespornt, den Täter zu überführen und die Mordserie zu beenden…

Turbulent, eingängig, aber auch etwas zäh

Eines muss man Mats Olsson lassen mit „Demut“ und dem Spanking-Fetisch wagt er sich an ein Thema heran, was immer noch eher als Tabu gilt. Da hat auch der Erfolg der „50 Shades Of Grey“-Reihe wenig dran geändert. So ist es kein Wunder, wenn vieles rund um die Morde und diese sexuelle Vorlieben mitunter absurd anmutet. Dieser Fetisch und die Hintergründe für das Ausleben dieser Lust ins Extreme bishin zum Mord füllen unglaubliche 736 Seiten. Trotzdessen der Schreibstil Olssons locker und leicht lesbar ist, zieht sich die Handlung gerade im Mittelpunkt in die Länge. Zu viele Details, die die Handlung zwar tragen, aber nicht nötig wären, drücken immer wieder auf den Spannungsbogen.

Gerade bei einem solchen seitenstarken Buch müssen die Charaktere überzeugen, da sie die Handlung tragen. In Person von Harry Svensson schuf Mats Olsson einen starken Protagnisten. Diesem fliegen jedoch nicht nur Sympathien zu: Denn er ist sicher kein typischer Sympathieträger. Die Recherchen dienen zwar auch der Wahrheitsfindung, aber zu gleichen Teilen dem Selbsterhalt. So ambivalent der ehemalige Journalist charakterisiert wird, nachvollziehbar ist sein Wesen und Verhalten. Allerdings rauben auch diese Schwächen und Defizite viel Platz. Insgesamt ist „Demut“ ein solider Thriller mit einem soliden Beginn und Ende, der etwas zu lang ausfällt und dadurch Luft nach oben hat.


"DEMUT" von Mats Olsson

„DEMUT“ von Mats Olsson | Copyright: btb Verlag

Mats Olsson

Demut

€ 14,99 [D]  | € 15,50 [A] | CHF 20,50*
(* empf. VK-Preis)
Erschienen: 27.02.2017
736 Seiten

ISBN: 978-3-442-71464-3

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom btb Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!


 

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in ZEICHEN.

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