Jenny Rognebys „Leona. Die Würfel sind gefallen“ – Eine Polizistin auf Abwegen

Mit „Leona. Die Würfel sind gefallen“ legte die äthiopischstämmige Schwedin Jenny Rogneby im letzten Jahr ein außergewöhnliches Krimidebüt vor. Düstere Kost mit komplizierten Ermittlerpersönlichkeiten ist man aus dem Norden nicht erst seit Jesper Stein gewohnt, aber mit Ermittlerin Leona Lindberg geht Rogneby einen Schritt weiter.

Ein Mädchen als Bankräuberin

Mitten in Stockholm betritt ein kleines Mädchen eine Bank und niemand schreitet ein. Kein Wunder, da es nicht nur blutüberströmt und mit blauen Flecken übersät ist, sondern auch noch mit einem Kassettenrekorder eine Botschaft abspielt. In dieser fordert eine Stimme die Herausgabe des Gelds, andernfalls würde etwas Schlimmes geschehen. So kommt es, dass das Mädchen die Bank mit einer Beute von sieben Millionen Kronen verlassen kann.

Mit Leona Lindberg erhält eine Polizistin die Ermittlungsleitung, die selber Mutter von zwei Kindern ist und prädestiniert für den Fall scheint. Aber eben nur scheint. Denn Leona ist – trotz ihres guten Rufes – eine Außenseiterin in der Abteilung. Auch bei diesem Fall lässt sie sich nur äußerst widerwillig unterstützen und das obwohl schon bald ein zweiter Überfall erfolgt. So treten die Ermittlungen schnell auf der Stelle und eine Auflösung ist nicht in Sicht. Denn auch Leona hat eine dunkle Seite und ihre Geheimnisse.

Zwischen den Welten: Gut und Böse

Wie eingangs bereits erwähnt legt Jenny Rogneby in ihrem Debüt keine Krimi-Schonkost vor. Vielmehr gehen die Autorin und deren Krimi einen Schritt weiter als viele andere Werke aus diesem Genre. Dass ein Kind ein Verbrechen begeht, das mag nichts Neues sein, aber dass es dazu gezwungen wird und noch dazu vom eigenen Vater, das ist immer noch eher unüblich. Die Siebenjährige muss allerhand durchleiden, um es ihrem Vater recht zu machen.

Der elementarste Unterschied zu anderen Krimis ist jedoch die Ermittlerin: Leona Lindberg. Diese ist in ihrem gesamten Charakter sehr ambivalent angelegt. So ist sie unfähig Gefühle für andere Menschen, abgesehen von ihren Kindern, zu empfinden. Selbst für ihren Mann empfindet sie nichts, zumindest keine Liebe. Die Ursache ihrer Emotionsstörungen wird im Laufe des Buches deutlich, so viel sei verraten. Dadurch erklärt sich sowohl ihr Handeln als auch ihre zerrissene Persönlichkeit und man entwickelt so etwas wie Verständnis für die Ermittlerin. Denn sie ist nicht allein gefühlskalt: Verbrechen und Aufklärung liegen sehr eng beieinander, was moralisch fragwürdig ist.

Insgesamt ein spannendes Debüt, was vor allem im letzten Drittel ordentlich an Fahrt aufnimmt und nicht allein wegen des „offenen“ Endes die Vorfreude auf den zweiten Band der Trilogie weckt.


Jenny Rogneby „Leona“ | Credit: Heyne Verlag

Jenny Rogneby „Leona“ | Credit: Heyne Verlag

Jenny Rogneby

Leona. Die Würfel sind Gefallen
448 Seiten
erschienen am 14. November 2016

978-3-453-42060-1

€ 9,99 (D)

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Heyne Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s