Arne Dahls „Sieben minus eins“ – Psychothriller made in Sweden

Mit „Sieben minus eins“ startet Arne Dahl eine neue Krimireihe um das ungleiche Ermittlerduo Sam Berger und Molly Blom. Gleich im ersten Fall müssen die beiden an und über ihre (psychischen) Grenzen gehen, schließlich geht es um eine vermisste junge Frau – oder eigentlich sogar mehrere junge Frauen. Wieder einmal beweist Arne Dahl, was er kann: Nervenkitzel und Spannung pur.

Täter und Opfer, Opfer und Täter

Eine junge Frau verschwindet und eine Spur führt Kommissar Sam Berger mitsamt Ermittlerteam zu einer einsamen Waldhütte. Das Stürmen wird zum Desaster, denn ein Polizist wird durch eine perfide Falle schwer verletzt. Und dann findet Berger noch dazu im Keller ein verschachteltes Labyrinth mit Blutspuren, aber eben nicht die Vermisste. Immerhin jedoch auch keine Leiche. Doch eines wird dem Kommissar immer klarer – Es handelt sich um keine einzelne Entführung, sondern der Fall gehört zu einer ganzen Reihe von Entführungen oder gar Morden. Daran hält er auch fest, obwohl ihn sein Vorgesetzter für verrückt erklärt und dazu rät, seiner Idee nicht weiter nachzugehen. So ermittelt Berger auf eigene Faust weiter und entdeckt ein Detail, welches seine Intuition bestätigt: Ein Zahnrad, winzig klein und doch entscheidend genug, um die von ihm aufgestellte These zu bestätigen.

Hartnäckig und unnachgiebig geht Berger seinen Weg und stößt auf eine Frau. Der Frau, die den Tipp zur Waldhütte gab.  Als es dann gelingt, die Frau festzusetzen, gerät alles aus den Fugen. Denn aus der kalten, unnahbaren Verdächtigen wird niemand schlau. Nicht nur das: Berger, eben noch in der Rolle des Kommissars, wird vom Jäger zum Gejagten. Denn – und das kristallisiert sich allmählich heraus – die Vergangenheit spielt eine wichtige Rolle. Eine Zeit, die Berger und die Verdächtige betraf und nun wieder vereint, bzw. lange Zeit sogar entzweit. Als Täter noch Opfer waren, um dann im Hier und Jetzt die Rollen zu tauschen.

Psychisch, verschachtelt, sich ständig wenden und ungemein spannend

Mit „Sieben minus eins“ kehrt Arne Dahl nach zweijähriger Schaffenspause gleich dahin zurück, wo er herkam: Auf den Gipfel der schwedischen Kriminalliteratur. Das mag übertrieben klingen, aber dieses Jahr las ich keinen nordischen Thriller, der mich mehr mitriss. Anfangs, und das auch bis etwa so zur hundertsten Seite, fragte ich mich, was eigentlich passiert! Wo ist es dieses im Klappentext angekündigte neue Team um Sam Berger und Molly Blom, taucht doch die Ermittler bislang gar nicht auf. Aber, so viel sei verraten, Dahl etabliert erst Berger und erst später Molly Blom. Hier verrät der Klappentext eigentlich bereits zu viel –  Was mich im Nachhinein etwas ärgert.

Allerdings ist es auch ohne Molly Blom spannend. Nun sind Entführungen oder Vermisstenfälle ohne Leiche keine Seltenheit, sonst wären es ja auch direkt Mordfälle, aber Dahl treibt die Handlung fast atemlos voran. Vieles bleibt im Unklaren, um die Spannung auf den Höhepunkt zu treiben. Bereits der Prolog wirkt ein wenig wie der Einstieg einer Short Story. Man wird direkt in die Handlung geworfen, um dann festzustellen, dass die „richtige“ Story erst spät richtig losgeht.

Und dann ist da auch noch dieses Ermittlerteam: Sam Berger und Molly Blom. Das Paar zeichnet sich, anders als es bei vielen Teams der Fall ist, keinesfalls durch Zuneigung und den klassischen Vorstellungen eines Teams aus. Vielmehr birgt es jede Menge Konfliktpotential. Kein Wunder, eint beide eine gemeinsame Vergangenheit, die wenig Gutes birgt. Während Berger die Vergangenheit verdrängte und auch als Polizist alles andere als fehlerlos ist, versuchte Blom diese abzuarbeiten, indem sie Polizistin/Ermittlerin bei der SÄPO wurde. Kompetent und zielstrebig einerseits und andererseits ebenfalls nach ihren ganz eigenen Regeln spielend. Sehr spannend ist es mitzuerleben, wie sich der Konflikt zwischen den beiden er- und aufklärt und aus diesem Misstrauen allmählich so etwas wie Vertrauen wird.

Alls das formuliert Arne Dahl unheimlich dicht und schafft so eine düstere Atmosphäre, die mich als Leser in den Bann zog. Noch dazu kommen die bereits angedeuteten Wendungen und Verstrickungen aller Akteure, die sich immer wieder aufzulösen scheinen und es dann erst sehr spät tun – vom „Turn“ mitten im Buch mal ganz abgesehen. Wenn man dann noch glaubt, dass die Entwicklung nicht mehr zu toppen ist, sei auf das Ende verwiesen. Hier platziert Arne Dahl einen Cliffhanger par excellence. Hier erhält dann auch der Titel „Sieben minus eins“ eine Bedeutung, die vorher nicht zu ahnen war. Alles in allem ein großartiger Auftakt der Krimiserie. Es bleibt einzig ein Wermutstropfen: Man muss auf den zweiten Band warten und hoffen, dass er die Erwartungshaltung erfüllen wird.


Arne Dahl -

Arne Dahl „Sieben minus eins“| Copyright: Piper Verlag GmbH

Arne Dahl

Sieben minus eins
416 Seiten
erschienen am 01. September 2016

978-3-492-05770-7

€ 16,99 [D], € 17,50 [A]

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Piper Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!

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