Abgefahrenes Konzert: Youngblood Brass Band im Clubbahnhof Ehrenfeld

Als wäre der Sommer nicht bereits heiß genug, brachte die Youngblood Brass Band den kleinen Clubbahnhof Ehrenfeld zum Kochen. Mit ihrer Stilvielfalt, die keine Grenzen zu kennen scheint, sorgten die 10 Musiker nach 2012 schon zum zweiten Mal für Stimmung in der Location.

Brass, der weit entfernt davon ist nur Brass zu sein

Seit fast 20 Jahren existiert die Youngblood Brass Band aus Wisconsin mittlerweile und doch merkt man ihnen das Alter nicht an. „Youngblood“ ist hier wirklich wörtlich zu verstehen: Mit ihrem Stilmix aus Brass, Soul, Funk, Jazz, HipHop und Rap schaffen sie es jedes Mal aufs Neue das Publikum in Partystimmung zu versetzen. Trotzdem leugnen sie genauo wenig ihre musikalische Herkunft und Affinität zum traditionellen New Orleans Brass-Sound, den Gruppierungen wie die „Rebirth Brass Band“ oder „The Dirty Dozen Brass Band“ präg(t)en.

Auch wenn ihr neuestes Album „Pax Volumi“ mittlerweile fast drei Jahre alt ist und nicht mehr so eingängig daher kommt wie das frühe Album „Center:Level:Roar“ (2003). Die Titel sind vertrackter, rhythmisch schwieriger und vor allem: Fast schon rebellisch (Whiskey Tango Foxtrot). Eigentlich müsste man jeden Song – egal ob daheim oder live – mehrmals hören, um jede Feinheit mitzubekommen, wie sich beispielsweise die Instrumente überlagern und ergänzen. Und trotzdem zünden die Titel live wie eine Bombe, da bleibt keine Hüfte ruhig, keine Arme vor der Brust verschränkt.

Youngblood Brass Band Konzert Köln

Nat McIntosh improvisiert am Sousaphon | Foto: privat

Es ist einfach unglaublich zu hören, dass dieser wilde Genremix so funktionieren kann. Live hört man erst richtig, welche musikalische Klasse auf der Bühne steht und sich austobt. Schier unglaublich: Gründungsmitglied Nat McIntosh am Sousaphon, der nach einer zwischenzeitlichen Auszeit seit 2010 wieder mitwirkt. Er bereitet mit seinen Basslines nicht nur das Fundament für alle anderen Musiker, spielt über vier Oktaven in Höhen, die sonst Trompeter erreichen: NEIN, er scracht wie ein DJ und spielt zwei Töne auf einmal („Brooklyn“). Dabei groovt und spielt er sich fast schon in Extase – Musik aus Leidenschaft!

Der Bruch mit gängigen Vorstellungen von Brass liegt aber in erster Linie am Gesang oder vielmehr am Rap von Drummer und Vocalist David Henzie-Skogen. Einerseits gibt er mit seiner Snare-Drum den Ton an und andererseits auch mit seinem Rap. Das bedeutet aber nicht, dass diese beiden allein für den Sound verantwortlich sind: Zach Lucas am Alt- & Tenorsax, Tony Barba am Tenorsax, Matt Hanzelka an der Posaune oder Charley Wagner an der Trompete spielen und improvisieren, was die Instrumente und der wenige Sauerstoff im Clubbahnhof hergeben.

Musik fürs und mit dem Publikum

Dabei ist die Youngblood Brass Band längst keine Kombo, die ihre Musik nur des Geldes oder des Ruhmes wegen machen. Sie wollen genauso viel Spaß haben, wie dem Publikum Spaß bereiten. Da wird die Halle geteilt und jede Hälfte muss in einem anderen Rhythmus klatschen – gleichzeitig -, erstaunlicherweise gelingt das sogar. Oder aber: Alle singen gemeinsam einem, in den USA gebliebenen, Schlagzeuger zum Geburtstag ein Ständchen. Genauso wenig scheuen sie sich nach dem Konzert davor, ihren Merch selber zu verkaufen. Ganz im Gegeteil! Sie stehen auf und vor der Bühne oder am Merchstand, verkaufen, schreiben Autogramme, quatschen oder trinken ein Bierchen mit. Bodenständig und freundlich, ohne Starallüren.

Rundherum ein Auftritt, der mich zum wiederholten Male neu zum Fan werden lässt. Nach den ersten beiden Konzerten im alten Dortmunder FZW Anfang/Mitte der 2000er Jahre und dem Auftritt 2012 war es nun bereits das vierte Mal, dass ich die Youngblood Brass Band live sah – diesmal schlauerweise mit Ohropax. Denn so schön die Location ist, sie hat doch auch ihre Schwächen: Die flache Decke, die Backsteinwände und die halbseitige Metallverkleidung verstärken mehr, als dass sie die Klanggewalt schlucken. Und da zusätzlich die Instrumente allesamt verstärkt wurden,  wären schmerzende Ohren vorprogrammiert gewesen.

Sollte ich doch irgendeine Kritik üben wollen: Es war zu kurz, mehr als eine Zugabe hätte es sein dürfen. Aber als Bläser weiß ich: Irgendwann ist auch der beste Ansatz weg…

Mehr Infos zur Band hier: http://youngbloodbrassband.com/

 

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