Sophie Bonnets „Provenzalische Verwicklungen“ – ein kulinarischer Krimi

Pierre Durands erster Fall: Ein Verbrechen aus Leidenschaft?

Im idyllischen, provenzalischen Örtchen Sainte-Valérie, dort, wo andere Leute Urlaub machen, lässt die deutsche Autorin Heike Koschkyk – unter dem Pseudonym Sophie Bonnet – ihren Kommissar Pierre Durand ermitteln. Der Dorfcasanova Antoine Perrot wird tot in einem Weinfass eines Luxushotels gefunden, passenderweise mit einem Rezept für Coq au Vin. Wer, wenn nicht ein in seiner Ehre gekränkter Ehemann sollte der Mörder sein?

Schwierige Ermittlungen: Ein Dorf hält dicht

Weinberge, zirpende Grillen, ein kleines Dorf mitten in der Provence und doch kommt es auch dort zu Kapitalverbrechen. Im Weinkeller des Hotels Domaine des Grès schwimmt in einem Weinfass die Leiche von Antoine Perrot – in Sainte-Valérie kein unbeschriebenes Blatt. Er gilt als Lokalcasanova, der auch vor verheirateten Frauen keinen Halt machte. Genau das lässt Kommissar Durand vermuten, dass ein gehörnter Ehemann der Täter sein könnte. Doch Durand tut sich schwer, an die Dorfbewohner heranzukommen: Zu eingeschworen ist die Gemeinschaft, hier hält man noch zusammen. Zumal Durand als ehemaliger Pariser nicht gerade das Vertrauen der Einheimischen genießt.

Nicht nur der Fall hat seine Tücken, sondern auch im Privatleben läuft für den Kommissar der „Police Municipale“ vieles nicht nach Plan. Seine Mitarbeiterin und Geliebte Celestine verlässt ihn und kündigt sogar ihre Anstellung bei der Polizei, so dass er auf ihre Mithilfe verzichten muss. Außerdem holt ihn mitten in diesem komplizierten Fall seine Pariser Vergangenheit ein, weswegen er sogar von den Ermittlungen abgezogen wird. Doch nicht nur die Dorfbewohner sind stur, auch Durand will wissen, wer hinter dem Mord steckt und setzt sich über das Ermittlungsverbot hinweg…

Charmanter Krimi mit viel Lokalkolorit

Mit diesem ersten Fall reiht sich Sophie Bonnet (oder eben Heike Koschyk) in die beständig größer werdende Szene von Krimis ein, die in einer französischen Region angesiedelt sind. Den Anfang machte bereits 2009 Martin Walker mit seinem „Chef de Police“ Bruno Courrèges im Perigord, dem dann 2012 Jean-Luc Bannalec mit Kommissar Georges Dupin in der Bretagne folgte (wobei sich diese Liste um einige weitere Autoren verlängern ließe). Und nun also auch noch Pierre Durand in der Provence. Bonnet legt einen kurzweiligen Urlaubskrimi vor, der locker wie spannend geschrieben ist. Genauso wie bei Martin Walker spielt auch die französische Lebensweise, inklusive der Schilderungen von kulinarischen Köstlichkeiten, mehr als nur eine Nebenrolle.

Dabei wird jedoch die kriminalistische Handlung nicht vernachlässigt: Der Fall ist kompliziert, gerade wegen der sturen Dorfbewohner – nicht minder stur: der Kommissar. Hartnäckig trotzt dieser allen Nackenschlägen und ermittelt trotz der Widerstände weiter. Am Ende wundert sich man über die Auflösung, die gerade zu Beginn nicht zu erwarten war. „Provenzalische Verwicklungen“ als Ttitel ist dabei treffend gewählt, ohne mehr verraten zu wollen.

Mir gefiel vor allem der Umfang und die Schilderungen Pierre Durands. Dass das Privatleben der Kommissare in allen bereits erwähnten Fällen – egal ob Bruno bei Walker oder Dupin bei Bannalec – einen großen Platz einnnimmt, ist mittlerweile üblich. Aber, und das ist der große Unterschied, Durands Liebesleben ist anders. Er wird zwar von Celestine verlassen und bändelt auch zügig mit einer neuen Frau an, wechselt dann jedoch nicht dauernd seine Liebschaft(en). Vielleicht dachte sich Sophie Bonnet einfach, dass ein Weiberheld für den Krimi reicht. Ausreichend Potential für weitere Fälle besitzt Kommissar Durand definitiv (der zweite Band „Provenzalische Geheimnisse“ erschien unlängst). Zum sympathischen Chefermittler gesellen sich seltsame Typen und Charaktere, beispielsweise der gegensätzliche Assistent und die zahlreichen Tatverdächtigen.

So gelang Sophie Bonnet mit „Provenzalische Verwicklungen“ ein Krimidebut um einen kauzigen Kommissar, der in einem skurrilen Fall inmitten schöner Landschaften ermitteln muss oder darf. Für anstehende Sommerurlaube – unabhängig von der Provence – absolut empfehlenswert.


Bonnet Provenzalische Verwicklungen

Sophie Bonnet – „Provenzalische Verwicklungen“ | Credit: blanvalet

Sophie Bonnet

Provenzalische Verwicklungen
Ein Fall für Pierre Durand

Paperback, 320 Seiten

ISBN: 978-3-7645-0512-7
€ 14,99 [D] | € 15,50 [A] | CHF 20,50

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