Und das Ende war der Anfang

Fabian Hischmann – „Am Ende schmeißen wir mit Gold“

Da schafft es Fabian Hischmann mit seinem Debutroman „Am Ende schmeißen wir mit Gold“ von den Kritikern direkt mit Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ verglichen zu werden. Ein junger Lehrer, Max,  steht im Leben, aber dann auch wieder nicht. Ein Roman über Aufbruch, vom Finden und Suchen und irgendwie auch einer über die viel diskutierte Generation Y. 

Auf 256 Seiten schreibt Fabian Hischmann eine Mischung aus Coming Out Roman und „Roadmovie“. Die Hauptfigur des Romans übernimmt der Ich-Erzähler Max Flieger, ein Lehrer so um die Ende 20. Dieser wird von der Vergangenheit eingeholt als ihn seine Eltern bitten, in der schwäbischen Heimat auf den Hund aufzupassen, weil sie nach Kreta in den Urlaub fliegen. Er begegnet seinen Jugendfreunden Maria und Jan wieder, zwischen denen er sich schon früher nicht entscheiden konnte. Diese Konfrontation mit der Vergangenheit bleibt nicht die einzige, derer er sich im Laufe der recht kurzweiligen Handlung stellt. Etwa zur Hälfte des Romans verschlägt es ihn nach Griechenland, um sich dort mit den Auswirkungen der Gegenwart auseinanderzusetzen und wird prompt mit der Geschichte seiner Eltern und deren partnerschaftlichen und sexuellen Findungen konfrontiert. In den USA versucht er dann weitere Schatten der eigenen Vergangenheit zu bewältigen.

Dieses fast permanente Unterwegssein des Max Flieger ist ein Sinnbild für dessen Suche nach dem Sinn des eigenen Lebens. Fabian Hischmann beschreibt seinen Protagonisten Max Flieger als eine Person, die lieber auf der Couch liegt und Tierfilme schaut als zu arbeiten, der noch dazu gar nicht so genau weiß, ob er nun Frauen oder Männer liebt. Es ist die Geschichte eines Twentysomething auf der Suche nach seiner Bestimmung, in jeglicher Hinsicht. Max Flieger kann als ein Beispiel für die sogenannte Generation Y gesehen werden. Dabei handelt es sich um die Generation, die zwischen 1980 und 1995 geboren wurde. Junge Menschen, die von den Soziologen als gut gebildet bezeichnet wird und über mehr Freiräume und der Chance zur Selbstverwirklichung verfügt als ihre Vorgängergeneration, für die Zeit für Familie und Freizeit eine elementare Forderungen darstellt, sich aber gleichzeitig auf einer ständigen Sinnsuche befindet. Nicht von ungefähr kommt der Begriff Generation Y, ausgesprochen wie „why“, eben weil vieles hinterfragt wird. Genau in dieses Rollenbild passt Max Flieger, wobei er eben seine Position in der Gesellschaft während des gesamten Romans sucht und am Ende auch zu finden scheint.

„Am Ende schmeißen wir mit Gold“ wurde direkt für den Preis der Leipziger Buchmesse 2014 nominiert, ohne ihn zu erhalten. Und das ist auch in Ordnung. Die Anlage der Handlung hat Potential, ohne dieses auszuschöpfen. Manches ist zu schnell und auch nicht zu Ende erzählt. Trotzdem liest sich das Buch wie aus einem Guss, wird zu keiner Stelle langweilig. Melancholische und amüsante Momente wechseln sich ab. Das letzte Kapitel der durchnummerierten Kapitel ist mit der 0 überschrieben und bildet mit dem ersten (Kapitel 1) den Rahmen des Romans, insofern steht am Ende auch wieder der Anfang.

Trotz aller Bemühungen, der schnellen Sprache und der vielen Themen, auch wenn es ja eigentlich nur das Thema der Selbstfindung ist, erreicht das Romandebüt nicht das Niveau von Wolfgang Herrndorfs „Tschick“, der im Feuilleton als Vergleich herangezogen wurde. Dennoch gibt Hischmanns Buch einen Fingerzeig auf das erzählerische Potential seines Autors, welches dann vielleicht im nächsten Werk vollkommen zum Tragen kommt.

Fabian Hischmann "Am Ende schmeißen wir mit Gold"

Credit: Berlin Verlag in der Piper Verlag GmbH

Fabian Hischmann

Am Ende schmeißen wir mit Gold

ROMAN

Erschienen am 17.02.2014
256 Seiten
ISBN: 978-3-8270-1148-0
€ 18,99 [D]
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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in ZEICHEN.

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