Szenen einer Großstadt: Berliner Tatort „Das Muli“

Kinder als lebende Drogenkuriere, zwei Kommissare mit zahlreichen persönlichen Konflikten plus Berlin als Hauptdarsteller: Das war der erste Fall der neuen Berliner Tatortermittler im gestrigen Tatort „Das Muli“. Kann man so machen?

So wie Duisburg bei „Schimi“ oder Dortmund für den Tatort mit Peter Faber (Jörg Hartmann) Kulisse und zugleich Zustände sind, ist Berlin in „Das Muli“, dem ersten Fall der beiden Kommissare Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke), fast schon ebenbürtiger Hauptdarsteller. Dabei geht es eigentlich um die Aufklärung des Mordes an einer jungen Frau, die sich als Drogenkurierin schnelles Geld verdienen wollte. Eigentlich! Denn gleichzeitig muss: Rubin ihre Ehe retten, sich mit einem neuen Partner zurechtfinden, der wiederum nach dem Mord an seinem Partner noch Rechnungen offen hat. Immerhin 10,19 Millionen sahen dabei zu.

Die eigentliche Handlung ist schnell geklärt – das Mordopfer und Jo (Emma Bading) schmuggeln als „Mulis“ in ihren Gedärmen Kokainpäckchen aus Mexiko nach Deutschland. Und eine dieser jungen Frauen stirbt, weil ein Kokainpäckchen platzt. Doch das ist nicht der Grund vielmehr wird sie ausgeweidet, zerstückelt und entsorgt. Die zweite junge Frau wird Zeugin des Mordes und flieht, flieht eben durch Berlin. Die Stadt der Gegensätze: hippe Altbauwohnung der Kommissarin vs. Platte und Hinterhöfe, Suppenküche am Berliner Zoo vs. cooler Clubatmosphäre, Müll und cleane Orte plus Hotel am Flughafen BER. Auf der Spur von Jo die Täter und irgendwann auch die beiden Kommissare Rubin und Karow.

Zwei die doch sehr gegensätzlich sind, auch hier aber fast schon so typisch für die letzten neueren Teams. Allem Anschein nach gibt es bei der Polizei keine Personaler, die auf die Zusammenstellung der Abteilungen achten (der irre Peter Faber in Dortmund oder auch das „Paar“ Charlie Hübner & Anneke Kim Sarnau im Rostocker Polizeiruf). Rubin (Meret Becker) lässt sich nach nicht einmal vier Minuten nach einem Clubbesuch von einem Kollegen auf einem Tischkicker vögeln, um morgens stinkend zu ihrem Mann und zwei Söhnen zurückzukehren. Der dann wiederum seine Koffer packt und sie mit den pubertierenden Söhnen zurücklässt – Wer will es ihm verübeln? Und dann ist da noch Kommissar Karow (Mark Waschke) einst Ermittler im Drogendezernat, der dort seinen Partner verlor und selbst in Verdacht geriet, nicht unbeteiligt daran gewesen zu sein. Typ: Macho, ihm sind alle Mittel recht den Fall zu klären und im Zweifel auch das überlebende „Muli“-Kind zugunsten der Ergreifung der Hintermänner zu opfern. Da ist das Misstrauen der Kollegin Rubin schon nachvollziehbar.

Beide Kommissare wirken proletenhaft und großkotzig, das liegt auch am Berliner Dialekt. Schlecht besetzt sind beide Rollen jedenfalls nicht. In beiden steckt eine Menge Potential nach oben, wie im gesamten Tatort. Denn der Täter ist recht schnell bekannt– Mehmet Erdem (Kida Khodr Ramadan) ein Berliner Türke, der legal sein Geld mit Dönern macht – irgendwie noch so ein Klischee was bedient wird. Genauso wie das der jungen Jo, die blutverschmiert in der Nähe eines Restaurants auf der Straße hockt und von niemandem beachtet wird. Egal, so geht eben Großstadt: jeder ist sich selbst der Nächste.

Spannung erzeugt also nicht unbedingt die Frage nach dem Täter! Den Charme machen die Konflikte der Kommissare im privaten und miteinander aus, die Darstellung der Stadt sowie die temporeiche Erzählung mit ihren Schnitten. Und zu guter Letzt die Spannung, wie sich das Team entwickelt, am Ende scheinen die Sympathien zwischen Rubin und Karow etwas gewachsen zu sein. Deswegen mein Fazit: Kann man so machen!

Hier geht’s zur offiziellen Tatort-Seite. Nach 20 Uhr kann der Tatort „Das Muli“ in der ARD-Mediathek eine Woche lang geschaut werden.

 

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