Reibeisenstimme und Retro-Blues: Jesper Munks Album „Claim“

Jesper Munk

Jesper Munk | Copyright: Luis Einhauser

Jesper Munk: Gerade einmal 23 Jahre ist er alt und klingt auf seinem zweiten Album „Claim“ als würde er schon seit seiner Geburt Zigaretten ohne Filter rauchen:  kratzig und heiser. Der Blues-Folk-Rock eines Deutsch-Dänen, der so gar nicht deutsch klingt.

Schon 2013 wurde Jesper Munk für sein Debut-Album „In My Way It Lies“ in den Blues-Himmel gelobt, doch erst dieses zweite Album zeigt seine volle Stärke. Mittlerweile beim Major-Label Warner unter Vertrag, arbeitete Jesper mit vier Produzenten zusammen: Jon Spencer (Sänger von „Jon Spencer Blues Explosion“), Mocky (Produzent „Reminder“-Platte von „Feist“), DJ Sepalot (Blumentopf) und seinem Vater. So verschieden die Produzenten, so unterschiedlich die Einflüsse.

Die mit Jon Spencer in einem New Yorker Kellerstudio aufgenommenen Tracks klingen nach verzerrten, lärmenden Gitarren mit sperrigen, markanten Riffs, die voll in die Magengrube gehen. Blues wie man ihn sonst von Genregrößen wie Jack White (beispielsweise beim Song „Smalltalk Gentlemen“) oder „The Black Keys“ kennt. So zum Beispiel die erste Singleauskopplung „Courage For Lovers“, die live und analog mit Bandmaschinen aufgenommen wurde. Ganz altmodisch auch, wie Jon Spencer bei „White Picket Fence“ durch sein Wurlitzerspiel den Charakter des Stückes prägt. Nur zwei Töne und trotzdem sind sie das Hauptmerkmal dieses Songs.

Nicht nur die „Blues Brothers“ haben ihn: den Blues

Ganz anders die Stücke, die von und mit den anderen dreien produziert wurden. Soulig und melancholisch wie „Guilty“, einem Randy Newman Cover, welches Jesper Munk mit seinem Vater in Niederdingen aufnahm. Zerrissen, schwermütig und erwachsen, wie man es von einem leidgeprüften alten Mann erwartet, aber nicht von einem 23-Jährigen. Auch DJ Sepalot zeigt sich für den Soul verantwortlich, so zum Beispiel bei „Soldiers of Words“. Das träge daherkommt und vom Charme der Percussions lebt. Ganz anders dahingegen „Clean“, mit Mocky  in Los Angeles aufgenommen, das das Loskommen von Drogen thematisiert. Nur eben von der Droge Liebe oder vielmehr einer Verflossenen. Jesper Munk singt so sehnsüchtig , flehend und fragil, dass man ihm den Schmerz ohne Zweifel abnimmt. All das unterlegt mit Hall, Fingerschnippsen und dem Klang der Orgel.

Die einzige Schwäche ist vielleicht der krasse Unterschied bei den Stilrichtungen, aber eigentlich ist nicht einmal das zu beanstanden. Denn eines wird das Album über die gesamte Dauer der 22 Tracks nicht ein einziges Mal: langweilig. Mit „Claim“ legt Jesper Munk ein erstaunlich reifes Soul-Blues-Singer-Songwriter Album vor, das stimmlich an so gehypte Künstler wie Jake Bugg oder King Krule erinnert und musikalisch an den erwähnten Jack White oder „The Black Keys“. Also alles keine musikalischen Kleingewichte. Gleichzeitig schafft es Munk frisch und unverbraucht zu klingen, ohne nur andere Künstler zu zitieren. Mein Album des Jahres bislang!

Hier geht’s zu Jesper Munks Webseite.

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2 Kommentare zu “Reibeisenstimme und Retro-Blues: Jesper Munks Album „Claim“

  1. Das war ein sehr informativer Text! Ich kenne Jesper Munks Musik jetzt seit einigen Jahren und bin absoluter Fan. Auch seine Live-Auftritte lohnen sich sehr!

    • Simon Sperl sagt:

      Herzlichen Dank für deinen Kommentar und das Kompliment. Mir gefällt die Musik auch nach wie vor sehr gut – zum Live-Auftritt hab ich bislang nicht geschafft. Aber da werden sicherlich noch zahlreiche folgen.

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