Magisterarbeit

Der Rechner schnurrt, Gedanken schwirren,Tasten tippseln-tappseln unaufhörlich hörbar vor sich hin, Sätze tauchen auf um wieder zu verschwinden. Die Magisterarbeit ein Gebäude aus Worten, Zusammenhängen und Konklusionen. Angefangen bei einer Idee, da war doch was, wäre das nicht was über das es zu Forschen, zu Schreiben lohnt? Eine kleine Idee, die immer größer wird und Gestalt annimmt. Eine die fasziniert und in den Bann zieht, nicht loslässt. Die Essen und Trinken vergessen macht. Schreiben an der Abschlussarbeit als Suchtzustand. Undenkbar? Nicht mehr. Am Anfang war nicht das Wort, am Anfang war die Angst. Die Angst vor dem leeren Blatt Papier, dem leeren Word-Dokument und dem Scheitern. Gebrochen wurde die Angst vom unbändigen Willen und der Lust am Schreiben, dem Formulieren und vor allem dem Gefühl von sich anhäufendem Wissen. Deswegen tippselt-tappselt es sich fast wie von Geisterhand und ein Wort gibt das nächste. Auf das es Gelinge und endlich ein Ende für einen neuen Anfang bilde.

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Leben, um zu erzählen

Ich erzähle also bin ich. Darum geht es doch im Leben. Erleben und leben, um vom Erleben und Leben zu erzählen.  Anderen etwas zu erzählen, erst das macht das Leben doch aus. So setzt sich auch Geschichte fort, die persönliche und die Weltgeschichte. Und irgendwie ist man selber doch ebenfalls ein Teil der Geschichte, der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Nur wer erzählt existiert.

Leon de Winter – Ein gutes Herz

Leon de Winter verknüpft in seinem neuen Roman „Ein gutes Herz“ Fiktion mit Fakten, real existierende Personen mit erfundenen.

Es geht um den 2004 ermordeten niederländischen und zu Lebzeiten umstrittenen Filmemacher Theo van Gogh, der im Vorhimmel sein weiteres Schicksal erwartet, seinen Mörder, den islamistischen Fundamentalisten Mohammed Boujeri, der im Gefängnis sein Dasein fristet. Den jüdischen (fiktiven) Geschäftsmann und Kriminellen Max Kohn mit dem Herzen des toten Franziskanermönchs Jimmy Davis, der wiederum im Vorhimmel für Theo van Gogh zuständig ist. Kicham Ouaziz, den Freund und „Handlanger“ von Max Kohn. Den existierenden Amsterdamer Anwalt Bram Moszkowicz, der wiederum Max Kohn mit Leon de Winter, der selber eine Rolle in seinem eigenen Roman innehat, verbindet. Nicht zu vergessen: Sonja Verstraete, die irgendwie mit fast allen zu tun hat. Wobei das längst nicht alle Personen und Verstrebungen sind, die der Roman von Leon de Winter zu bieten hat.

Und dann wäre da noch die Handlung. Ein junges marokkanisch-stämmiges Fußballteam versetzt Amsterdam in Angst und Schrecken. Ein Verbrecher mit gespendetem Herz, der plötzlich seine gute Seite entdeckt und dem nachgeht. Sonja, die vor diesem wegläuft und ihren Halt in Leon de Winter sucht, der die (fiktive) Trennung von seiner Frau in Romanform bringen möchte. Und dann Theo van Gogh, der vom Vorhimmel aus Schutzengel spielen soll, um im Himmel den nächsten Schritt zu machen. Da werden überirdische und irdische, illegale und legale Mittel bemüht, um das Unglück in Amsterdam abzuwenden. Obwohl Leon de Winter von Theo van Gogh eine Vermarktung seines jüdischen Glaubens vorgeworfen wurde und zahlreiche Schmähungen erfuhr, ist die Abrechnung de Winters mit van Gogh geradezu freundich.

Leon de Winter gelingt auf 512 Seiten ein Thriller, so die Angaben des Verlags, der irgendwo zwischen Thriller, Liebesgeschichte und aktuellen Problemen mäandert. Gerade die Tatsache, dass man den Roman keinem Genre zuordnen kann, dass er so vielseitig und vielfältig ist, machen den Charme und den Charakter aus und diesen deswegen so lesenswert.

Leon de Winter – Ein gutes Herz

Diogenes

ISBN: 9783257068771
22.90 €