Auf der Flucht – In der Hauptrolle Allan Karlsson

Mit Der Hunderjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand schrieb der Schwede Jonas Jonasson 2009 gleich mit seinem ersten Roman das beliebteste Buch des Jahres in seiner Heimat, so steht es wenigstens auf dem Klappentext. Gemessen am Zeitraum seit dem der Roman sich bei uns in Deutschland in den Bestsellerlisten befindet, genießt es auch bei uns große Beliebtheit. Woran liegt das?

Wohl vor allem an der irrwitzigen Geschichte, die sich Jonas Jonasson hat einfallen lassen. Schon die Widmung lässt ahnen, dass die Handlung des äußerst phantasievoll sein wird. Denn Jonas Jonasson widmet den Roman seinem Großvater mit dessen Worten:

Wenn ein’n man jümmers bloß die Wohrheit vertellt, denn is dat de Tid nich wert, dat je em tohört.

Als dann beginnt die Geschichte um Allan Karlsson, der am Tage seines 100. Geburtstages die Nase voll hat vom Leben im Altersheim und deswegen aus dem Zimmerfenster klettert, um zu verschwinden. Auf seiner Flucht durch Schweden erlebt Allan Karlsson allerlei kuriose Ereignisse, an denen er jedoch nicht ganz unschuldig ist. Gleich nach dem „Ausbruch“ aus dem Altenheim stiehlt er am Busbahnhof einem schwedischen Mafiamitglied einen Reisekoffer voller Drogengeld. Der Bestohlene macht sich natürlich auf die Jagd an deren Ende er der erste von zahlreichen Toten im Roman ist. Im Lauf der Handlung kommt Allan Karlsson mit zahlreichen Personen zusammen, so dass die Gruppe der Flüchtigen anwächst. Man ist also nicht nur auf der Flucht vor dem Altenheim, sondern auch vor der Mafia und der Polizei, die zum einen wegen der Flucht nach Allan sucht und zum anderen wegen der „Morde“.

Allein diese Handlung des Romans ist stets amüsant und unterhaltsam, jedoch gibt es noch eine zweite Handlungsebene und zwar wird in Rückblenden von Allans Vergangenheit erzählt. Und diese Rahmengeschichte ist fast noch kurioser als die Ereignisse in der Gegenwart. Dass das Leben eines Hundertjährigen allein des Alters wegen eine Menge hergibt, versteht sich von selbst. Aber was Jonas Jonasson seinem Romanhelden andichtet ist aberwitzig. Im Laufe seines Lebens hat er mit den unterschiedlichsten Staatsführern der größten Weltmächte Kontakt gehabt, beispielsweise Franco, Truman, Stalin oder Mao. Und das obwohl Allan Karlsson von seiner Grundeinstellung her unpolitisch ist. Was die beiden Erzählstränge gemeinsam haben, sind die unmöglichen Ereignisse und die Art und Weise wie Jonas Jonasson sie beschreibt und darstellt. Er macht dem Eingangszitat seines Großvaters alle Ehre und weiß den Leser durchweg gut zu unterhalten.

Alles in allem ist Jonas Jonasson mit Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand ein amüsantes Roadmovie gelungen, welches vor allem von eben jenen beschrieben Kuriositäten und seinem einzigartigen Humor lebt. All das sorgt dafür, dass man versucht ist, den Roman in einem Rutsch durchzulesen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in ZEICHEN.

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