Platte des Monats März: Dry The River – Shallow Bed

Mit Shallow Bed veröffentlicht die Ostlondoner Band Dry The River ein wundervolles Debutalbum. Dabei vereinen sie Folk im Stile der Fleet Foxes mit dem Sturm und Drang von Post-Punk und Hardcore.

Von der Besetzung der Band, Akkustikgitarren und sogar einer Violine, betrachtet sieht es erstmal nach einer weiteren Folkgruppe aus. Noch dazu wenn man die Mannen um Sänger Peter Liddle rein von der Optik bewertet, ob Vollbart oder lange Haare, auch dieses vermeintliche Klischee wird erst einmal bedient.

Doch wenn man dann das Album hört, muss man dieses Klischeedenken und die Einordnung in die Folk-Ecke vielleicht nicht unbedingt vollständig revidieren, aber doch erweitern. Ruhig und besonnen wirkt der Einstieg ins Album, der Hörer wiegt sich in der Sicherheit etwas Bekanntes zu hören. Doch dann entlädt sich die ungestüme Kraft, ohne jedoch Melodie und Refrain in den Hintergrund zu stellen.

Diese Vielfältigkeit des Albums hat ihre Ursachen in den Hintergründen der Bandmitglieder. Sänger Peter Liddle wurde in Norwegen geboren und musste auf Grund des Berufes seines Vaters, der Ingenieur in der Ölindustrie war, oftmals die Schule wechseln. Liddle sieht darin die Ursache, dass er auf gesellschaftliche Aspekte und die Zugehörigkeit zu eben solcher fixiert ist, weil er diese durch die ständigen Wohnortwechsel nicht hatte. Sein Interesse für die Ikonographie und die Sprache der Kirche wurde durch die Eltern geweckt. Der Drummer Jon Warren hingegen spielte vor Dry The River in verschiedenen DIY-Punkbands Schlagzeug. Diese Faktoren finden sich nun musikalisch in der Mischung aus pastoralem und harmonischem Folk mit den treibenden Punkelementen wieder. Beim Inhalt der Texte wurde Peter Lidell vor allem von seinem Anthropologie- und Medizinstudium inspiriert.

Dry The River überzeugen vor allem durch den Einklang von harmonischem Folk und dem rockigen Bombast, der jedoch nie übers Ziel hinaus jagt. Stimmlich erinnert der Sänger in manchen Liedern an Justin Vernon, seines Zeichens Sänger von Bon Iver. Das teils brüchige und heisere Falsett kommt wundervoll im Song Weights & Measure zum Tragen. Um es mit den Worten aus diesem Titel zum Ausdruck zu bringen:

I was prepared to love you
And never expect anything of you.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in TON.

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