Von Helden in Strumpfhosen zu Derrick – MiR goes Film 5

Die Neue Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Rasmus Baumann spielte am 3. Februar bereits zum fünften Mal ein Konzert, welches sich aus bekannten Filmmusiken zusammensetzte. Der Abend stand dieses Mal unter dem Motto „Robin Hood meets Derrick – MiR goes Film 5„. Als Moderator führte der Generalintendant des MiR Michael Schulz amüsant durch den Abend, dabei verwob er Fakten und Hintergrundinformationen zu Filmen, Komponisten und den Melodien mit komischen Anekdoten. Zusätzlich zu den Daten und Fakten spielte Sebastian Hülk kurze Szenen zu Filmen vor und sorgte für einige Lacher.

Doch das Überzeugendste an diesem Abend war natürlich die musikalische Darbietung der Neuen Philharmonie Westfalen, so wie es auch sein sollte. Über zwei Blöcke verteilt bot sie insgesamt 16 Titel aus unterschiedlichen Filmen und Genres dar. Zu Beginn erklang die Goldwyn Mayer Erkennungsmelodie und führte so in den Filmmusikabend ein. Im Anschluß folgten passend zum Motto des KonzertsTitelmelodien aus zwei unterschiedlichen Robin Hood Filmen.

Höhepunkt des ersten Blockes waren die Suite des Tim Burton Stop-Motion-Films A Nightmare before Christmas von Danny Elfman und die sich anschließenden Stücke Crouching Tiger, Hidden Dragon & The Eternal Wow von Tan Dun aus dem vierfach Oscar®-prämierten Film Tiger and Dragon.

Die Suite Nightmare before Christmas entstand parallel zum Film. Jedes mal wenn Danny Elfman einen Satz fertig hatte, schrieb und drehte Tim Burton die filmische Umsetzung. Die Musik ist wie der Film schaurigschön, was die Neue Philharmonie Westfalen wundervoll schwungvoll präsentierte.

Aus einem ganz anderen Filmgenre stammt die Musik zu Tiger and Dragon. Der Film ist eine Mischung aus dem klassischen, asiatischen Martial-Arts-Kino, einer Liebesgeschichte, Heldensaga und vor allem der Suche nach Freiheit. Die Musik Tan Duns verbindet westliche Klassik mit asiatischen Klängen. Eben diese Symbiose zweier Welten brachte die Musiker der Neuen Philharmonie Westfalen beeindruckend zu Gehör. Vor allem die Solistin Lydia Keymling am Violoncello überzeugte durch ihr gefühlvolles und zugleich intensives Spiel.

Den Ende des ersten Blockes bildeten zwei Titel, die durch englische Serie Monty Python’s Flying Circus, bzw. dem Monty Python Film Das Leben des Brian bekannt wurden. Der Marsch The Liberty Bell von John Philip Sousa wurde nur von den Bläsern des Orchesters gespielt. Dadruch fehlte diesem Marsch etwas die Kraft, weil dafür die Anzahl der Musiker nicht ausreichte. Dahingegen kam der Titel Always look on the bright side of life mit viel Charme daher. Das lag zum vor allem daran das Sebastian Hülk seine Rolle als Filmfigur wunderbar spielte und noch dazu sang, aber auch dass das Publikum zum Mitsingen und Pfeifen animiert wurde.

Nach der Pause ging es mit dem Thema der Westernserie Bonanza von Jay Livingston weiter, Rasmus Baumann als reitender Dirgient hielt dabei die Zügel bei seinem Orchester straff und sorgte mit seiner Art des Dirigats für zusätzliche Unterhaltung.

Mit dem Titel Man with the Harmonica von Ennio Morricone aus dem Film Spiel mir das Lied vom Tod aus dem Jahr 1968 überzeugte das Orchester ein weiteres und nicht das letzte Mal in ihrem Zusammenspiel mit einem Solisten, diesmal an der Mundharmonika. Ein weiterer Solopart nahm im Haupttitel von Apllo 13 wesentlichen Platz ein. Im Rücken der Zuhörer spielte Martin Rommelfanger die Solotrompete, bis auf einen Kiekser zu Beginn des Stückes spielte auch er sein Solo mit viel Spielfreude.

Dass die Neue Philharmonie Westfalen nicht nur „klassische“ Filmmusik spielen kann, bewies sie mit dem Werk Bernhard Herrmanns A Night-Piece for Orchestra des Films Taxi Driver. Sinfonische Parts sind in diesem Stück verbunden mit Jazzanteilen, die sich vor allem durch das Saxofon, welches nicht zu der klassischen Sinfonieorchesterbesetzung zählt, bemerkbar machten.

Das letzte Stück und gleichzeitig den Rahmen bildete das Medley aus deutschen TV-Krimi-Serien Sie sind verhaftet zusammengestellt von Ingo Luis. Dieses Stück setzte sich zusammen aus den Melodien der Krimiserien Stahlnetz, Soko 5113, Ein Fall für Zwei, Der Alte, Derrick und dem Tatort.

Die Neue Philharmonie Westfalen beendete den Abend mit drei Zugaben aus den Filmen Flashdance mit dem gleichnamigen Stück bekannt durch Irene Cara. Dem Peter Gun Theme aus   Blues Brothers bei dem wiederum Solisten an Trompete, Posaune und E-Gitarre solistisch glänzten. Besonders ausgefallen war jedoch das Keyboard Solo von Dirgigent Rasmus Baumann, der nicht nur mit viel Schwung dirigierte, sondern noch dazu als Solist überraschte. Allerdings merkte man dem Blechregister, vor allem den Trompeten, die zunehmende Spieldauer an. So wurde nicht mehr jeder Ton in der Höhe sauber getroffen. Nach nach fast zweistündigem Auftritt ist das nicht weiter verwunderlich und wertete die spielerische Qualität der Musiker auch nicht ab. Den Abschluss der Zugabe bildete die Forrest Gump Suite komponiert von Alan Silvestri, welches die Neue Philharmonie Westfalen hervorragend verträumt und verzaubernd spielte.

Insgesamt wusste das Musiktheater und seine Philharmonie spielerisch absolut zu überzeugen, unterstützt wurde die musikalische Darbietung von der stimmigen Licht- und Bildtechnik mit der die einzelnen Stücke untermalt wurden. Noch dazu sorgten Intendant und Schauspieler für kurzweilige Unterhaltung.