Auferstanden aus Ruinen – Simon Urbans „Plan D“

Im letzten Herbst veröffentlichte Simon Urban im Schoeffling Verlag sein Erstlingswerk »Plan D« und er weiß damit durchaus zu beeindrucken. 

2011 – Die Mauer zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR steht immer noch, Lafontaine ist Bundeskanzler und Egon Krenz Staatsratsvorsitzender der DDR. Wirtschaftlich hat sich die Lage im Osten Deutschlands weiter verschlechtert, die finanzielle Abhängigkeit vom Westen ist nach wie vor eklatant. Um den Geldfluss für den Osten und den Gasfluss für den Westen zu sichern, sind Verhandlungen zwischen Ost und West angesetzt.

Doch kurz bevor die Verhandlungen beginnen, ereignet sich ein Zwischenfall der die Rettung des Sozialismus verhindern könnte. In einem Sperrgebiet am Müggelsee wird an einer Interzonen-Gaspipeline aufgeknüpft die Leiche eines Mannes entdeckt. Das allein klingt nicht sonderlich dramatisch, allerdings ist der Strick mit achtfachem Galgenknoten geknüpft und die Schuhriemen zusammengebunden. Und genau dies ist der kritische und ausschlaggebende Punkt. Denn diese Faktoren verweisen auf Mordmethoden der Stasi zu Zeiten der Wiederbelebung der DDR. Sollte sich bewahrheiten, dass mit der Stasi eine staatliche Sicherheitsorganisation in einem Rechtsstaat mordet, wäre dies ein Grund für den Westen die Verhandlungen mit der DDR abzusagen.

Um dies zu verhindern sollen Martin Wegener, Hauptmann der Volkspolizei aus Köpenick, und dem westdeutschen Star-Ermittler Richard Brendel den Mordfall aufklären Dabei stellt die polizeiliche Zusammenarbeit zwischen Ost und West ein Novum in der Geschichte dar, doch der Druck ist so enorm, dass neue Wege beschritten werden müssen.

Der Tote wird als Albert Hoffmann identifiziert, welcher 1989 einer der engsten Berater von  Egon Krenz war. Im Laufe des Romans decken das Ermittler-Duo Wegener und Brendel immer neue Details, Stasi-Verbindungen und Machenschaften auf, um am Ende die Gründe für den Mord und den erneut drohenden Kollaps der DDR aufzudecken.

Simon Urban lässt in Plan D die DDR wieder auferstehen und zeichnet ein düsteres und graues Bild von ihr. Die Art und Weise, wie er Details beschreibt, fällt phantasievoll aus, so ist beispielsweise der Trabbi längst aus dem Verkehr gezogen und durch den Phobos ersetzt. Auch die DDR-Bürger telefonieren mittlerweile mit einem Smartphone namens Minsk, hören MP3s mit dem tragbaren Spieler Musikus oder essen Hamburger, die auf den Namen Wart-Burger hören. Trotz des vermeintlichen technischen Fortschritts wird deutlich, dass die Qualität des Lebens im Osten der im Westen hinterherhinkt. Man ist weiterhin nicht frei zu reisen, wird nach wie vor von der Stasi überwacht. Amüsant zu lesen ist es auch, in welche Rollen und Positionen Simon Urban heutzutage bekannte Personen aus dem Osten setzt. Angefangen bei Oskar Lafontaine als Bundeskanzler über Otto Schily als Chef der Stasi oder Sahra Wagenknecht als berühmte Ost-Schauspielerin.

An manchen Stellen übertreibt es Simon Urban auch, sowohl was die Sprachverliebtheit als auch die Darstellung von Ost und West, bzw. Ost- und Westermittler, angeht.  Es täte weder Handlung noch Stil einen Abbruch, wenn er einige Klischees und Stereotype über Ost und West weniger zahlreich bedient hätte.

Insgesamt gesehen legt Simon Urban ein spannendes und amüsantes Romandebüt vor, das sich trotz des Umfangs von über 500 Seiten gut lesen lässt. Wer also daran interessiert ist, einen humorvollen Science-Fiction-Krimi zu lesen, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt.

Simon Urban, Plan D

Schöffling
ISBN: 9783895611957
24.95 €

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Herzlich Willkommen auf dem Blog »ZEICHEN – TON – BILD«!

Es soll um eben diese drei Begriffe gehen, jedoch eher im weiteren, übertrageneren Sinne. Das übergeordnete Thema wird die Kultur sein und zwar in Form von Literatur (ZEICHEN), Musik, Konzerte und Rundfunk (TON) sowie dem Film/der Serie (BILD). Ergänzt habe ich die Kategorien mittlerweile um die Seite „Leben“, diese wird mit persönlichen Texten gefüllt und hat mitunter biographischen Charakter. In Zukunft bespreche ich aktuelle Bücher, Platten und Konzerte oder Filme und Serien, die las, hörte, besuchte oder ansah.

Da mag sich der ein oder andere fragen: Wieso noch so ein Kulturblog? Und ich sage: Wieso denn nicht? Außerdem ist genau das mein Ding: Literatur, Musik, bewegtes Bild und das Schreiben darüber. Nicht nur, weil all das eine Leidenschaft ist, sondern auch weil ich dafür ausgebildet wurde.

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen!