Ane Riels „Harz“ – (k)ein außergwöhnlicher Krimi

Im Roman „Harz“ der dänischen Autorin Ane Riel wird dem Leser deutlich, wie ein totales Sicherheitsbedürfnis und die abgöttische Liebe zu den eigenen Kindern eine Obsession werden kann, die für manchen tödlich endet.

Als Kind kommt Jens Haarder mit dem Stoff in Kontakt, der ihn den Rest seines Lebens fasziniert: Baumharz. Sein Vater, ein begnadeter Schreiner, erklärt seinen zwei Söhnen im Wald, was es mit dem Saft aus den Bäumen auf sich hat. Dass er Lebewesen konservieren kann, von einer kleinen Ameise bis zu ganzen Mumien. Vor allem Jens ist beeindruckt von den Erzählungen, hat er doch sowieso eine innige Beziehung zu seinem Vater. Ihr gemeinsames Hobby ist es, in den von seinem Vater frisch gezimmerten Särgen zu liegen und über Gott und die Welt zu reden.

Sein Bruder Mogens dagegen hält die Enge auf dem einsamen Teil der Insel, auf dem sie abgeschieden vom Rest der Gemeinschaft leben, nicht aus und verschwindet aufs Festland. Der Tod des Vaters und die schlechte körperliche Verfassung seiner Mutter zwingen Familie Haarder dazu eine Hilfe für Hof und Haushalt zu engagieren. Deshalb fängt Maria an bei ihnen zu arbeiten. Jens verliebt sich und die beiden werden ein Paar. Die Mutter allerdings ist mit ihrer Schwiegertochter nicht einverstanden und beginnt sie zu schikanieren. Doch Maria wird schwanger und sie bekommen Zwillinge: Liv und Carl. Eines Tages findet Jens Carl tot neben seiner Wiege. Sie verdächtigen Jens Mutter etwas damit zu tun zu haben und jagen sie vom Hof. Die Tragödie nimmt Jens und Maria so mit, dass Maria beginnt alles in sich hineinzustopfen und Jens alles Mögliche sammelt und es im Haus und Hof deponiert.

In diesem Chaos zwischen bettlägeriger Mutter und „Messi-Vater“ wächst Liv ohne ihren Zwillingsbruder auf. Gemeinsam mit ihrem Vater zieht sie nachts in den Häusern der anderen Bewohner der Insel umher und sammelt Dinge: Lakritztüten, Backhandschuhe, Socken. Jens Obsession alles behalten und sammeln zu wollen wird immer größer und seine Angst, seine einzige Tochter auch noch zu verlieren, mündet darin, sie für tot zu erklären. Dies wird für seine Mitmenschen zur tödlichen Gefahr.

Ein Krimi, der keiner ist

Nach „Blutwurst und Zimtschnecken“ heimst die dänische Autorin Ane Riel für ihren Roman „Harz“ nicht nur den dänischen Krimipreis, sondern gleich auch noch den norwegischen und schwedischen Krimipreis sowie den Preis für den besten Kriminalroman Skandinaviens insgesamt ein. Für mich ist der Roman allerdings nicht wirklich ein Krimi, wenn man der Definition „…thematisiert in der Regel ein Verbrechen und seine Verfolgung und Aufklärung durch die Polizei, einen Detektiv oder eine Privatperson“ folgt. Die Erwartung eines spannenden Krimis wurde deshalb leider nicht erfüllt.

Dafür ist der Roman außerordentlich gut geschrieben und lässt durch die Sichtweisen der verschiedenen Protagonisten keine Langeweile aufkommen. Die Gefühle und Charaktereigenschaften jeder Person können durch die detailreichen Beschreibungen nachvollzogen werden. Selbst bei der Verübung von Verbrechen steht beim Leser das Mitgefühl für die Person im Vordergrund, weil man sich so gut in sie hineinversetzen kann. Wer keinen klassischen Krimi lesen möchte, wird von „Harz“ nicht enttäuscht sein.


Harz von Ane Riel

Harz von Ane Riel | Copyright: Randomhouse

Ane Riel
Thriller

304 Seiten
Erschienen am 08. Juli 2019

ISBN: 978-3-442-71553-4

€ 10,00 [D] inkl. MwSt.
€ 10,30 [A] | CHF 14,50 * (* empf. VK-Preis)

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Randomhouse Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!

Petros Markaris „Tagebuch einer Ewigkeit“ – Vom Entstehen eines Drehbuches

Eigentlich für seine elf Bände um Kommissar Kostas Charitos bekannt, legt der griechische Autor nun ein Filmtagebuch über die Zusammenarbeit mit dem ebefalls griechischen Filmemacher Theo Angelopoulos vor. Er schildert darin die Entstehungsgeschichte des Drehbuches zu „Die Ewigkeit und ein Tag“.

Von März 1996 bis März 1998 dauerte die Zusammenarbeit zwischen Petros Markaris und Theo Angelopoulos für den Film „Die Ewigkeit und ein Tag“ – mit Bruno Ganz in der Hauptrolle und 1998 bei den Filmfestspielen mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Bereits vorher arbeiteten die beiden gemeinsam an verschiedenen Drehbüchern. Das Buch gibt dem Leser einen Einblick, wie die Idee zu einem Film entsteht, wie diese Idee sich sukzessive in ein Drehbuch und anschließend in einen fertigen Film verwandelt. Petros Markaris erzählt von ihren Treffen, von ihren Telefonaten, die sie in ihrer Arbeit jedes Mal ein Stückchen weiterbringen. Diskussionen und kleinere Streitereien bleiben da natürlich nicht aus.

Nach der Finalisierung des Drehbuchs finden noch dazu die Dreharbeiten Erwähnung. Zumal Petros Markaris auch eine kleine Rolle im Film übernimmt. Dabei stellt man fest, was sich im Drehbuch noch gut las, wird auf einmal zum Problem. Die Kulisse, das Wetter, die Schauspieler – nicht alles will so einfach funktionieren. Dem Untertitel des Buches „Am Set mit Angelopoulos“ wird das Tagebuch erst auf den letzten fünfzig Seiten gerecht. Dafür fallen die Beschreibungen der Arbeiten mit Schauspieler Bruno Ganz, der die Hauptrolle des Dichters Alexander spielte, ganz wunderbar aus. Schön sind außerdem die Bilder von den Dreharbeiten, die in der Mitte des Buches auffindbar sind.

Der Charme des Buches liegt vor allem darin, dass die Episoden, von denen Petros Markaris erzählt, sowohl kurz als auch kurzweilig sind. Es ist interessant zu erfahren, wie sich einzelne Ideen durch das Sprechen darüber, irgendwann zu einem Drehbuch zusammenfügen. Es scheint ganz einfach und für jeden realisierbar zu sein. Dass drei Jahre zwischen dem ersten Gespräch und der Finalisierung des Films liegen, zeugt jedoch vom Gegenteil. Es ist harte Arbeit und Regisseure haben dabei mit verschiedensten Widrigkeiten zu kämpfen.

Die Leichtigkeit kommt erst wieder durch die Sprache zustande. Wie schon die Krimis um Kommissar Charitos, hat auch diesmal Michaela Prinzinger das Buch ins Deutsche übersetzt. So denkt man als Leser manchmal, es könnte auch der Kommissar sein, der gerade im Filmmilieu ermittelt. Insgesamt ist es ein nettes Buch, das sich zu lesen lohnt, wenn man kein Fan von Theo Angelopoulos ist und gerne mehr zum Schaffensprozess eines Drehbuchautors erfahren möchte.


Buchcover von Petros Markaris Petros Markaris „Tagebuch einer Ewigkeit“ | Copyright: Diogenes Verlag AG

Petros Markaris
Tagebuch einer Ewigkeit

Übersetzt von Michaela Prinzinger

288 Seiten
erschienen am 26. Juni 2019

ISBN 978-3-257-07065-1
€ (D) 24.00 / sFr 32.00* / € (A) 24.70
* unverb. Preisempfehlung

Martin Walkers „Menu surprise“ – Ein außergewöhnliches Mordkomplott

Bruno als Chef de police und Chef de cuisine

Kurz nach seiner Beförderung und der Erweiterung seines zu betreuenden Bereichs wird Bruno Courréges, Chef de Police, mal wieder in einen heiklen Fall verwickelt: Nachdem die junge Frau eines britischen Geheimdienstoffiziers nicht bei einem Kochkurs nicht erschienen ist, findet Bruno sie ermordet in einem vermeintlichen Liebesnest auf. Allerlei Ungemach erwartet ihn bei den Ermittlungen…

Zwischen Küche, Geheimdiensten und der IRA

Alles scheint so harmlos im beschaulichen Saint-Denis: Bruno, seines Zeichens Chef de Police, geht in seiner Rolle als (Hobby-)Rugbytrainer auf. Diesmal fiebert er mit „seiner“ Damen-Rugby-Mannschaft, die im Finale der regionalen Meisterschaft um den Titel kämpft. Noch dazu steht eine der talentierten jungen Frauen kurz vor der Berufung in den Nationalmannschaftskader. Und dann wird er auch noch von Pamela, seiner ehemaligen Geliebten und nun guten Freundin, bei ihren Kochkursen eingebunden. Er soll die Kursteilnehmerinnen und Teilnehmer in die Besonerheiten der lokalne Küche einführen, sie bei  Exkursionen auf den Markt und unterschiedliche Weingüter begleiten.
Doch ausgerechnet eine der Teilnehmerinnen taucht bei Kursbeginn nicht auf. Kein Wunder: Denn Bruno findet ihren Leichnam gemeinsam mit dem eines Mannes in einem abgelegenen Haus im Wald. Schnell stellt sich heraus, dass der Tote der Geliebte der jungen Frau war. Dass allein wäre nicht weiter dramatisch, würden sich im Laufe der Ermittlungen nicht internationale Verflechtungen ergeben. Verflechtungen, die ein erneutes Aufeinandertreffen von Bruno und seiner verflossenen Liebe Isabelle zur Folge haben. Und auch der britische und der US-amerikanische Geheimdienst wirken plötzlich mit – denn es scheint so, als könnte im Périgord ein Anschlag eines IRA-Ablegers bevorstehen.
So gerät Bruno zwischen die Fronten der Geheimdienste, aber auch der Zuständigkeiten der unterschieldichen französischen polizeilichen Zuständigkeiten. Als wären das nicht bereits genug Probleme, bereiten dem so umtriebigen Chef de Police sein Liebesleben und eine ungewollte Schwangerschaft Sorgen….

Zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Nicht erst mit diesem elften Fall für Bruno Courréges wird deutlich, dass der Autor Martin Walker Historiker ist: In weitestgehend allen bisherigen Bänden verwebt der gebürtige Schotte seine Krimihandlung mit historischen Begebenheiten. So auch diesmal: Den Mord an der jungen Frau und ihrem Geliebten bettet er ein mit einem Ableger der katholisch-nationalistischen Terrorvereinigung IRA – der „Neuen IRA“. Dadurch ergibt sich eine Ermittlung von internationaler Brisanz, die das Eingriffen des britischen und US-Geheimdienstes mit sich bringen. Wirkte alles zu Beginn des Krimis noch ganz harmlos, wird die Handlung immer vertrackter und bringt stets neue Wendungen mit sich.

Wie gewohnt darf aber Bruno nicht nur sein Ermittlungsgeschick unter Beweis stellen, sondern natürlich auch wieder seine Kochkünste beweisen. So entsteht der beliebte Mix aus spannendem Krimi mit historisch-politischen Hintergründen und Einblicken in die französische, regionale Küche. Noch dazu kommt die Nebenhandlung mit einer seiner schwangeren Rugby-Spielerinnen und dem Gewissenskonflikt, ob sie das Kind behält oder abtreibt und was das in der heutigen Zeit noch immer für gesellschaftliche und familiäre Folgen hat. Und selbstverständlich kommt Brunos Liebesleben nicht zu kurz: Isabelle ist wieder da und nimmt Bruno nicht nur in den Ermittlungen wieder voll in Beschlag. Ende offen…

Viel Raum nehmen diesmal auch die Schilderungen von Brunos Kampf mit den Regularien und den Zuständigkeiten ein, aber auch die Arbeit von Journalisten bekommen ihren Platz. Auch hier ist Martin Walker nah dran an aktuellen Diskussionen.

Insgesamt ein solider Fall um Bruno Courréges, der vor allem vom Spiel mit dem Lokalkolorit, den historisch-politischen Hintergründen und dem scheinbar nie endenden Liebeswirrwarr lebt.


Buchcover "Menu Surprise" von Martin Walker

Martin Walker „Menu surprise“ | Copyright: Diogenes Verlag AG

Martin Walker

Menu surprise

€ 24 [D], sFr 32.00 [CH],  € 24.70 [A]
Erschienen am 01.05.2019
432 Seiten
ISBN: 978-3-257-07063-7

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Diogenes Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!

Cilla und Rolf Börjlinds „Wundbrand“ – Zwischen Schweden und Thailand

Stockholm und Thailand sind in „Wundbrand“, dem fünften Band des Autorenpaars Cilla und Rolf Börjlind, Dreh- und Angelpunkt um Ex-Polizist Tom Stilton und Polizistin Olivia Rönning. Während Rönning den Mord an einer Staatsanwältin aufzuklären hat, wird Stilton von einer Unbekannten gebeten, nach einer Person zu suchen. Spannung quer über die Kontinente.

Als eine Bombe Staatsanwältin Mallin Brovall mitsamt ihrem Ehemann und Tochter in die Luft jagt ist die Stockholmer Bevölkerung geschockt und die Polizei gerät unter Druck, die grausame Tat schnellstmöglich aufzuklären. Schnell wird ein Täter gefunden und verurteilt, doch Olivia Rönning kommen Zweifel an der Schuld des vermeintlich Schuldigen. So beginnt Rönning im Umfeld der Staatsanwälting zu ermitteln, um ihre Zweifel entweder zu beseitigen oder den wahren Täter zu entlarven.

Zur gleichen weilt Tom Stilton in Thailand, um sich im Yoga-Reservat seiner Schwester von den Querelen der Vergangenheit zu erholen und seinen inneren Frieden zu finden. Doch dann kommt es ganz anders: Eine ihm unbekannte, im Rollstuhl sitzende Frau sucht seine Hilfe. Stilton soll sich für sie auf die Suche nach einem Mann machen. Das weckt Tom Stiltons Ermittlerspürsinn und so begibt er sich an die Recherche. Würde er ahnen, dass seine Nachforschungen mit den Machenschaften eines gefährlichen Drogenbosses kollidieren, wäre seine Entscheidung eventuell anders ausgefallen. Schnell gerät der erfahrene Ex-Polizist in Lebensgefahr.

Falsche Fährten und eine packende Handlung

Cilla und Rolf Bärjlind gelingt es auch mit „Wundbrand“ wieder, eine vollkommen undurchschaubare Story zu entwickeln. Ständig legen sie falsche Fährten, liefern neue Hinweise auf Täter und Ursachen, um diese schon kurze Zeit später hinfällig werden zu lassen. Das trifft vor allem auf die Ermittlungen von Olivia Rönning in Stockholm zu: War der Mord an der Staatsanwältin ein gemeiner Terroranschlag, ein Racheakt oder doch die Tat eines einzelnen, verrückten Menschen? Vor allem die längst „liebgewonnenen“ Agierenden Olivia Rönning und ihre Fürsprecherin Mette nebst Mann Merten, Tom Stilton und sein Freund Abbas sorgen dafür, dass der Thriller in seinen Bann zieht. Denn es sind die Schicksale, die faszinieren: Die persönlichen Hintergründe, Abgründe und Entwicklungen. So beispielsweise Mettes Pensionierung und deren unermüdlicher Einsatz, den Fall unbedingt zum Ende zu bringen.

Doch auch ein kleines Manko gibt es: Mitunter entsteht das Gefühl, dass die beiden Börjlinds zu viel wollen. Die Verknüpfung von Terror, Rache und der Bezug auf die Me-Too-Debatt sowie das Aufgreifen der Bedrohung der Artenvielfalt in Thailand, des Drogenhandel und des Sextourismus in Thailand sind riesige Komplexe. Und all diese Themen wollen und müssen  bzw. wurden in die Handlung eingeflochten. Das gelingt zwar zum überwiegenden Teil, nimmt aber jedem Thema etwa an Relevanz. Trotz dessen entwickelt sich eine nie abfallende Spannungskurve, die in einem packenden Showdown am Ende mündet.

Alle, die die bisherigen vier Fälle lasen, werden von „Wundbrand begeistert sein und sich direkt in die Charaktere und die Handlung fallen lassen können. Für alle anderen ist es sicher empfehlenswert, die Reihe von Beginn an zu lesen. Die Freude auf den nächsten, sechsten Band ist in jedem Fall hoch.


 

Cilla und Rolf Börjlinds "Wundbrand" - Buchcover

Wundbrand von Cilla und Rolf Börjlind | Copyright: Randomhouse

Cilla Börjlind, Rolf Börjlind
Wundbrand

528 Seiten
Erschienen am  14. Januar 2019

ISBN: 978-3-442-75720-6

€ 16,00 [D] inkl. MwSt.
€ 16,50 [A] | CHF 22,90 * (* empf. VK-Preis)

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Randomhouse Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!

Sy Montgomerys „Rendezvous mit einem Oktopus“ – Arm in Arm mit Kraken

In ihrem Buch „Rendezvous mit einem Oktopus“ nimmt die Naturforscherin, Drehbuch- und Sachbuchautorin Sy Montgomery den Leser mit zu ihren zahlreichen Treffen mit einem außergewöhnlichen Tier – dem Oktopus.

Das New England Aquarium in Boston ist der Hauptschauplatz der Begegnungen zwischen der Autorin und verschiedenen Kraken. Oktopoden bilden nämlich die größte Gattung innerhalb der Familie der Echten Kraken. Dabei reicht ihre Größe von zehn Zentimetern beim Pygmäenkraken bis zum Pazifischen Riesenkraken mit einer Armlänge von fünf Metern. Diese und noch viele weitere biologische Fakten ergänzen die Geschichten, die Sy Montgomery in ihrem Buch erzählt.

Gegliedert in die Begegnungen mit den verschiedenen Kraken (leider leben sie nicht sehr lange), gehören neben den Kraken auch die Menschen, die in Verbindung mit Sy Montgomery und dem New England Aquarium stehen, zu den Hauptfiguren des Buches. Von den Tierpflegern des Aquariums lernt die Autorin viel über die Kraken, wodurch auch neue Freundschaften entstehen. Durch die Erzählungen des Personals wird auch deutlich, dass die Haltung von Kraken in einem Aquarium eine besondere Herausforderung darstellt. Denn die Tiere sind schlau und nutzen jede Chance zur Flucht – selbst wenn das bedeutet ihren Lebensraum, das Wasser, zu verlassen.

Der Leser erhält einen sehr genauen Eindruck vom Verhalten der Tiere, wie sie sich anfühlen und das jedes Tier seinen eigenen Charakter hat. Denn nicht nur bei uns Menschen gibt es die Draufgänger und die Vorsichtigen. Ebenso erstaunlich ist, dass die Kraken auf jeden Menschen anders reagieren. In dem Buch erzählt die Autorin von verschiedenen Personen, die die Kraken kennenlernen möchten und dazu ihre Arme in das Aquarium halten. Manche Personen werden von den Kraken ganz ignoriert. Bei den meisten nähern sich die neugierigen Tiere aber schnell und saugen sich mit ihren Näpfen an den Armen der Besucher fest. Je nach Mensch reagieren die Kraken anschließend unterschiedlich: Entweder sie versuchen den Besucher ins Wasser zu ziehen, laufen vor Aufregung rot an oder spritzen die Besucher mit Wasser nass.

Durch die faszienierenden Schilderungen möchte man als Leser wissen, wie so ein Oktopus wohl auf einen selber reagieren würde. Die Mischung aus wissenschaftlichen Schilderungen und ganz persönlichen Momenten mit den Kraken machen den Reiz des Buches aus. Am Ende des Buches sieht man diese Tiere, die auch vielen Menschen Angst machen, mit ganz anderen Augen und danach dürfte jeder Leser ein Oktopus-Fan sein.


Sy Montgomery "Rendezvous mit einem Oktopus"

Sy Montgomery „Rendezvous mit einem Oktopus“ | Copyright: Diogenes Verlag AG

Sy Montgomery
Rendezvous mit einem Oktopus

384 Seiten
erschienen am 01. März 2019

978-3-257-24453-3
€ (D) 14.00 / sFr 19.00* / € (A) 14.40
* unverb. Preisempfehlung

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Diogenes Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!

Andreas Grubers „Rachewinter“ – Im falschen Körper

Mit „Rachewinter“ legt der Österreicher Andreas Gruber einen dritten Band um Anwältin Evelyn Meyers und Kommissar Walter Pulaski vor: Eine mysteriöse Frau ermordet in Österreich und Deutschland auf brutale Art und Weise Männer. Spannend bis zum bitteren Ende.

In den Fängen der Familie

Als die Wiener Anwältin Evelyn Meyers einen neuen Klienten annimmt, ahnt sie nicht, welche Folgen das für sie und ihren Assistenten Florian Zock haben wird. Michael Kotten steht unter dringendem Tatverdacht seinen Geliebten bestialisch ermordet zu haben. Ob wohl die Beweise erdrückend sind – schließlich existiert eine Handyvideoaufnahme – will Meyers Kotten vertreten. Denn sie kann sich den Sohn eines reichen Unternehmers nicht als Mörder vorstellen.

Doch schon bald geraten ihre Nachforschungen in schwierige Gewässer: Zum einen stößt sie auf Widerstände von Seiten Michael Kottens Vater, der sie sehr harsch angeht. Denn Michael Kotten ist nicht nur homosexuell, sondern fühlt sich noch dazu gefangen im falschen Körper und ist bereits dabei, eine Geschlechtsumwandlung vornehmen zu lassen. Zum anderen ist es die Staatsanwalt, die sich auf den Kotten-Nachwuchs als Täter festgelegt hat. Schließlich sind die Machenschaften der Glücksspiel-Familie und die nie belegbaren Korruptionsvorwürfe gegenüber Michaels Onkel, einem einflussreichen Politiker, ein Motiv, um den Kotten-Clan zu entmachten und endlich strafrechtlich zu belangen. Nicht leicht für Meyers zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden und Licht ins Dunkel zu bringen…

Auch Walter Pulaski hat es mit einem kompliziertem Mord zu tun, der noch dazu in sein Privatleben reicht. Denn in einem Motel wird der Vater der Freundin seiner Tochter tot aufgefunden. Wirkt es anfänglich wie ein Unfall, stellt sich alsbald heraus, dass der Geschäftsmann gewaltsam ums Leben kam. Nicht nur, dass Pulaski eigentlich gar nicht ermitteln soll und darf, auch seine Tochter Jasmin sowie Nina, die Tochter des Ermordeten, beginnen heimlich und ohne Rücksicht auf das eigene Leben Nachforschungen anstellen. Dabei landen sie bei einer geheimnisvollen, dunkelhaarigen Frau im roten Kleid.

Als dann weitere Morde geschehen, zeigt sich, dass die Taten in Wien sowie in und um Leipzig herum zusammenhängen. So führen die Spuren mal wieder die Anwältin Evelyn Meyer und Walter Pulaski zusammen, um am Ende in einem Showdown zu münden…

Verstörende Verhältnisse

Egal, ob es Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez oder wie in Rachewinter Walter Pulaski und Evelyn Meyers sind, Andreas Gruber erschafft großartige Ermittlerpaare. Einerseits sind sie grundverschieden und gegensätzlich, andererseits ist genau das der Punkt, wieso sie sich bestens ergänzen und auch so interessant machen. Anders als Maarten S. Sneijeder ist Walter Pulaski jedoch kein Kotzbrocken, wenngleich er mit seiner schrulligen, launischen und sturen Art durchaus aneckt. Ihn eint mit Evelyn Meyers die absolute Versessen- und Zielstrebigkeit, den Fall aufzuklären – ohne Rücksicht auf die Vorgaben und Ansagen der Chefetagen und der Politik.

Doch nicht nur die Charaktere der Ermittler, Evelyn Meyers Assistenten Florian Zock inkludiert, sondern auch alle anderen Protagonisten sind vielfältig, charismatisch und durchaus authentisch, entwickeln sich im Laufe der Handlung und sorgen dafür, dass Winterrache kein nullachtfünzehn Thriller ist. Angefangen bei Pulaskis Tochter über Michael Kotten bis hin zu Michael Kottens Vater. Keine der Figuren ist hier nur Beiwerk.

Obwohl Andreas Gruber nicht an Brutalitäten spart, geschieht dies eher auf eine subtilere Art und Weise. Die zahlreichen Morde werden nicht en Detail ausformuliert, aber dennoch so, dass beim Lesen Bilder vor dem inneren Auge entstehen. Grundsätzlich ist Grubers Sprache prägnant und auf den Punkt, aber gleichzeitig detailreich, ohne dabei zu detailverliebt zu werden. Beständig hält er die Spannung hoch, sorgt immer wieder für kleinere Atempausen, um dann das Tempo gleich wieder anzuziehen. Nicht zu vergessen sind die Wendungen und Verwirrspiele, die Rachewinter zu komplexen Thriller machen.

Mindestens ebenso wichtig ist die Story an sich: Michael Kotten als (möglicher) Mörder, geboren im Körper eines Mannes, der sich jedoch als Frau fühlt. Sicherlich kein neues Thema – auch nicht in Thrillern, aber durchaus spannend und immer wieder interessant. Denn Michael Kotten wird dargestellt als ein Mensch, der vom Leben enttäuscht und verletzt ist. Noch dazu aus einer Familie stammt, deren Machthunger und Gier vor nichts und niemandem Halt macht. Hinzukommen die unterschiedlichen Handlungsorte: Wien und rund um Leipzig, die Morde, die erstens nicht wie solche wirken und auch nicht zusammenhängen, obwohl man als Leser selbstverständlich weiß, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Einzig unklar ist an welchem Zeitpunkt die Handlungsstränge zusammengeführt werden. All‘ das macht Rachewinter zu einem absoluten Pageturner!


Cover von Andreas Grubers Thriller Rachewinter

Rachewinter von Andreas Gruber | Copyright: Randomhouse

Andreas Gruber
Rachewinter

Erscheinungstermin: 17. September 2018
592 Seiten

ISBN 978-3442486557
€ (D) 9.99 / sFr 14.50* / € (A) 10.30
* unverb. Preisempfehlung

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Randomhouse Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!

Auf einen Kaffee in Dortmund: Neues Schwarz

Am Altweiber-Donnerstag verschlug es mich nach Dortmund: Essen bei Miss Mai im Kreuzviertel und dann ein Besuch der Rösterei und Café NEUES SCHWARZ in Dortmund-Mitte. Klein, aber fein!

Nach Düsseldorf (Röstzeit) und Duisburg (Simply Coffee) musste bei den Café- und Röstereibesuchen  eigentlich fast zwangsläufig Dortmund folgen. Meine Wahl fiel auf die kleine inhabergeführte Kaffeerösterei NEUES SCHWARZ, die neben der Rösterei/Kaffeebar in Dortmund-Mitte noch eine Kaffeebar in Stadtmitte betreibt. Betritt man die Kaffeebar steigt einem direkt der Geruch von frisch geröstetem und gekochtem Kaffee in die Nase. Der Raum mit seiner hohen Decke und der eingezogenen Zwischenetage wirkt auch dank der warmen Beleuchtung, den Sitzmöglichkeiten und den Holzdielen gemütlich. Die großzügige Bestelltheke und der Kaffeeröster leisten auch ihren Beitrag für den ersten positiven Eindruck.

NEUES SCHWARZ ordnen sich selber der Third-Wave-Bewegung zu und legen daher nicht nur Wert auf die Qualität bei den Bohnen, der Verarbeitungsart und der Frische, sondern auch auf die soziale Komponente:

„Wir kennen und schätzen die Herkunft unserer Bohnen. Die von uns gerösteten Kaffeebohnen stammen von kleinen, ausgewählten und gerecht bezahlten Produzenten. Wir sind bestrebt, langfristige Beziehungen zu unseren Produzenten aufzubauen und zu pflegen.“ (neuesschwarz.de)

Genau die Punkte die einen immensen Unterschied zu handelsüblichem Massenkaffee ausmachen. Und genau das schmeckt man …

Der Kaffee: Cruzeiro

Americano im NEUES SCHWARZ

Der Americano aus Curuzeiro-Bohnen mitsamt einem Stück Nusskuchen.

Ich entschied mich beim Besuch für einen großen Americano aus frisch gemahlenen Bohnen der Sorte CRUZEIRO.  Empfohlen hatte mir diese Sorte MAx, einer der Barista/Mitarbeiter, weil ich nach einem säurearmen Kaffee fragte. Eine Entscheidung, die ich nicht bereute:

Die Bohnen stammen aus Sul de Minas, dem Südosten Brasiliens. Die Kaffeepflanzen wachsen dort auf Cappuccino und Marmokucheneiner Höhe zwischen 920 bis 1160 Metern. Aufbereitet wurden die Bohnen bzw. Kaffeekirschen im „Pulped Natural“-Verfahren, das heißt, dass die Kaffeekirschen zunächst im Ganzen getrocknet werden. Nachdem der Wassergehalt so weit reduziert ist, dass sie in der Konsistenz Rosinen gleichen, werden die Bohnen aus dem Fruchtfleisch gelöst und erneut in der Sonne getrocknet. Geschmacklich trat wirklich keinerlei Säure auf, vielmehr war er sehr mild und hatte einen intensiven Ton von Schokolade. Auch im Cappuccino schmeckte die Sorte gut durch und wurde nicht von der Milch „erschlagen“. Passend dazu jeweils ein Stück Kuchen als Kaffee-Begleitung: Die Wahl fiel auf einen Marmor- und einen Nusskuchen. Beides ebenfalls sehr lecker und selbst gemacht.

Neben dem Kaffee – und den süßen sowie herzhaften Kuchen – gibt es Tee und Limos im Ausschank. Die Teesorten und Kaffees bzw. Espressos (250g oder 1 kg) kann man gleich für daheim kaufen, sowohl als Bohne oder aber wahlweise gemahlen. Noch dazu gibt es Zubehör für die Kaffeezubereitung. Angefangen bei Chemex, Hario oder die AeroPress über den Moccamaster bis hin zum Milchkännchen oder der Kaffeemühle.

Insgesamt also ein Volltreffer: Leckerer, hochwertiger Kaffee trifft ein schönes Ambiente (trotz Dortmund ;)) und freundliche, kompetente Mitarbeiter!

Offenes Tasting: Cuppings

Bei Zeiten würde ich die Gelegenheit nutzen und ein offenes Cupping bei NEUES SCHWARZ mitmachen: Ohne Anmeldung kann man hier Kaffee probieren und mal was Neues testen. Angekündigt werden die regelmäßigen Cuppings auf der Facebook-Seite von NEUES SCHWAARZ.


Infos zur Rösterei:

Neues Schwarz GmbH
Saarlandstraße 33
44139 Dortmund

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag von 10 Uhr bis 18 Uhr

Infos zur Kaffeebar:

Neues Schwarz GmbH
Kleppingstraße/Ecke Viktoriastraße
44135 Dortmund

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 10 Uhr bis 19 Uhr

Kallentoft/Luttemans „Das Blut der Hirsche“: Im Rausch der Drogen

Auferstanden aus dem Drogensumpf muss sich Zack Herry in einem brisanten Fall beweisen: Sechs grausam zugerichtete Jugendliche, die nach einer Party auf einer Schärengarteninsel tot aufgefunden werden. Jedes der Opfer mit derselben Droge im Blut. Kallentoft & Lutteman stellen ihren (Anti-)Helden Zack Herry auf eine harte Bewährungsprobe…

Mittsommer: Blutbad im Schärengarten

Fünf tote, grausam zugerichtete Jugegendliche und eine schwerverletzte junge Frau: Das ist das schreckliche Ende einer Mittsommerparty auf einer schwedischen Insel im Schärengarten. Auf der einzig überlebenden Zeugin lasten die Hoffnungen rund um das Team von Kriminalinspektor Zack Herry. Ausgerechnet ihm: Denn bei allen Opfern findet sich ein- und dieselbe synthetische Droge im Blut, die noch dazu führte, dass sich die Jugendlichen gegenseitig umbrachten – auf bestialische Art und Weise. Doch noch wahnsinniger ist, dass sie alle im Moment des Todes ein Lächeln im Gesicht hatten. So kreisen die Ermittlungen um die Frage: Wer bringt solch eine Droge in Umlauf? Recht schnell kommt die Einheit dem Drogendealer David Mathias auf die Spur, der sich jedoch kurz vor dem Zugriff selbst das Leben nimmt. Und sls wären sechs Opfer nicht genug, kommen kurz darauf drei weitere Jugendliche durch die gleiche Droge zu Tode.

Und eben Zack Herry, der aktuell clean ist muss und will sich beweisen, dass er von den Drogen los. All sein Können ist in diesen beiden Fällen gefragt. Denn eine besondere Brisanz besteht, weil Douglas Juste – Chef der Ermittler – mit einem Vater der Opfer befreundet ist. So mobilisieren alle Ermittler ihre Fähigkeiten: Egal ob Sirpa am PC und im Darknet oder der blinde Rudolf in den Befragungen von Verdächtigen und Zeugen. Jede und jeder holt das Letzte aus sich heraus.

Für Zack scheint es nach den Drogenproblemen endlich aufwärts zu gehen. Denn seine Freundin Mera macht ihm einen Heiratsantrag und hat noch eine weitere gute Nachricht für ihn – Sie ist schwanger. Doch dann ist da ja auch noch Hebe, die Unternehmenstochter aus reichem Haus, zu der sich Zack magisch hingezogen fühlt. So perfekt die Situation mit Mera ist, plötzlich reißt ein Ereignis dem jungen, smarten Ermittler allen Boden unter den Füßen weg…

Knackiger Pageturner des Autorenduos

Zum dritten Mal gelingt dem Autorenduo Mons Kallentoft und Markus Lutteman mit „Das Blut der Hirsche“ einen rasanten Thriller vorzulegen. Ihren Helden – oder eigentlich ja sogar Antihelden – Zack Herry schicken sie in diesem Fall in den Kampf gegen die eigenen Süchte und auf die Jagd nach einem besonders perfiden Mörder. Denn nichts anderes ist der Hersteller und Dealer der Droge, die die Jugendlichen dazubringt, sich selbst auf die nur erdenklichsten Wege gegenseitig umzubringen. Die Handlung ist wahnwitzig und mitunter auch äußerst brutal.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie ein Autorenduo solch einen Thriller gemeinsam zu schreiben vermag, ohne dass man ihm die zwei Autoren anmerkt. Die Sprache wirkt wie aus einer Hand: Sehr kurze, aufs Mindeste reduzierte Sätze, dafür umso präziser in der Darstellung schaffen ein ungemeines Tempo. Denn so kurz die Sätze sind, um so gewaltiger ist ihr Sog. Dazu passend ebenso kurze Kapitel, was insgesamt dafür sorgt den Spannungsbogen rein sprachlich beständig hoch zu halten. Denn jedes Kapitel fesselt und drängt dazu, den Thriller fast schon am Stück zu lesen. Nicht ein bisschen entstehen Brüche, wenn Einschübe mit privaten Nebenhandlungen eintreten. All diese Nebenstränge bergen weiteres Spannungspotential, was immer weiter getrieben. Ganz gleich ob es die Beziehung zwischen Zack und Merry, Zack und Hebe, Zack und Abdullah, Zacks privater Recherche zu den Todesumständen seiner Mutter oder auch Deniz‘ und Sandras sich entwickelnder Beziehung ist. Zahlreiche Aufhänger, die immer wieder unterbrochen und aufgenommen werden. Niemals hat man das Gefühl, den Faden oder die eigentliche Ermittlung aus den Augen zu verlieren.

Jede einzelne Ermittlerin und jeder Ermittler besitzt Relevanz und wird seit dem ersten Fall weiterentwickelt: Deniz, Sirpa, Rudolf, Sam, aber auch Douglas Juste. Sie alle haben ihre eigenen Fähigkeiten, Bedürfnisse, Sorgen und Nöte. Dieses so unterschiedliche Team zu vereinen, das ist ein weiterer Verdienst des Schreib- und Erzählstils von Kallentoft und Lutteman.

So ist „Das Blut der Hirsche“ ein höchst rasanter dritter Band und ein einziger Pageturner, der noch dazu mit einem Cliffhanger am Ende aufwartet. Um so besser, dass der vierte Fall („Der Schrei des Engels“) bereits am 20. April 2019 erscheinen wird.


Buchcover zu Kallentofts und Luttemans Thriller "Das Blut der Hirsche"

Kallenfoft & Lutteman „Das Blut der Hirsche | Copyright: Tropen/Klett-Cotta

Mons Kallentoft & Markus Lutteman

Das Blut der Hirsche

Aus dem Schwedischen von Ulrike Brauns
(Orig.: Bambi)

14,95 EUR (D), 15,40 EUR (A)

ISBN: 978-3-608-50364-7

1. Aufl. 2018, 397 Seiten, Klappenbroschur

Weitere Infos beim Verlag Klett-Cotta.

Hinweis: Das Buch wurde privat angeschafft, ohne Verbindung und Zuwendung von Seiten des Verlages.

Auf einen Kaffee in Duisburg: Simply Coffee

Espressi im Simply Coffee am Duisburger Sternbuschweg

Zwei Espressi im Simply Coffee am Duisburger Sternbuschweg | Foto: Daniel Sperl

Weiter geht’s mit der Café-Rundreise: Diesmal stand die Kaffeebar Simply Coffee auf dem Duisburger Sternbuschweg in Neudorf auf dem Programm. Ein kleines Café mit schonend geröstetem Kaffee und einigen Kleinigkeiten zu essen.

Mit dem Café am Sternbuschweg eröffneten Christos Paschos und Aki Bakogiannis nach der Location an der Moselstraße bereits ihr zweites Café in Duisburg. Und die Lage am Sternbuschweg könnte vermutlich kaum geeigneter sein: Die unmittelbare Nähe zum Campus der Uni Duisburg-Essen verspricht reichlich Kundschaft.

Das Interieur des kleinen Cafés kommt im rauen Industrielook daher: Tische aus groben, unbehandelten Holz, auf alt gemachte Stühle, pure Waschbetonwände und Regale aus alten Obst-/Weinkisten mit Kaffees und Zubehör. Die Vertäfelung hinter der Theke ist ebenfalls aus hellem, unbehandelten Holz und wirkt dadurch sehr warm, quasi als Kontrast zu den Waschbetonwänden im Sitzbereich. Die Anzahl der Sitzplätze ist überschaubar und bislang bei allen Besuchen so gut wie jeder Platz besetzt – so auch beim Besuch an einem Freitag.

Kleiner Capuccino bei Simply Doffee

Eine kleine Tasse Capuccino kostet bei Simply Coffee 2,60 Euro | Foto: Privat

Zubereitet und ausgeschenkt wird eigens gerösteter Kaffee – laut Auskunft der Barista hinter der Theke alles langsam geröstete Bohnen. Mein Filterkaffee aus der Hario V60 ist der „Orange“ – alle Bohnen sind nach Farben benannt und so auch in 250 g Päckchen für daheim zu kaufen. Der Geschmack des Filterkaffees ist leicht schokoladig und würzig, fast gänzlich ohne Säure und schon gar nicht bitter. Preislich liegt die kleine Tasse bei 2,80 Euro und die große bei 3,80 Euro. Mir hat er in jedem Fall geschmeckt. Auch der Capuccino (der Erspresso kommt aus einer schicken La Marzocco Siebträgermaschine) meiner Begleitung schmeckt gut und kräftig, wie erhofft passt das Verhältnis von Milch und Esspressostärke. Sehr praktisch – und längst nicht selbstverständlich – ist das kostenlose stille Wasser, welches mit einem Zweig Minze versetzt ist, und sich jeder Kunde ein- und auch nachschenken kann.

Mokka aus dem Sandbett

Mokka aus dem Sandbett | Foto: Daniel Sperl

Bereits bei der Bestellung an der Theke fiel mir dann noch ein kupferfarbener Kessel, gefüllt mit Sand und einem orientalisch anmutendem Kännchen auf: Im Kännchen drin wird ein Mokka im Sandbad bzw. Sandbett zubereitet. Tatsächlich ein Mokka –  denn in der Espressotasse befindet sich der Kaffeesatz, das Umrühren sollte also vermieden werden. Direkt bei der Bestellung erfolgte die Frage, ob man den Mokka ungesüßt, leicht oder stark gesüßt haben möchte. Da ich sowohl meinen Kaffee als auch meinen Espresso oder in diesem Fall Mokka ungesüßt trinke, fiel die Wahl leicht. Auch dieses Experiment lohnte sich. Geschmacklich erdig-kräftig und ohne Säure überzeugte der Mokka. Nicht gemerkt habe ich mir die Bohne bzw. Herkunft der Bohne. Ich behielt ledglich in Erinnerung, dass die Bohnen in Bremen geröstet und auch gemahlen werden, weil man in Duisburg nicht so fein mahlen könne. Wer mal etwas anderes ausprobieren möchte, sollte diesen Mokka in jedem Fall probieren.

Nicht nur der Kaffee, Espresso, Mokka und Capuccino schmecken gut, sondern ebenfalls die Kleinigkeiten zu essen: Bei unserem Besuch aßen wir Bananenbrot, welches auf Wunsch warm gemacht wurde und eine Schoko-Karamell-Tartelette. Letztere war zwar sehr süß – kein Wunder bei der Kombination -, aber der Karamall kam schön durch.

Öffnungszeiten

Ein Espresso geht immer. | Foto: Daniel Sperl

Geöffnet hat Simply Coffee (am Sternbuschweg) an 365 Tagen im Jahr und damit an keinem einzigen Tag geschlossen:

montags bis samstags von 9 Uhr bis 19 Uhr
sonntags von 10 Uhr bis 17 Uhr.

Eindrücke und mehr Infos findet ihr auf der Facebook-Seite von Simply Coffee.

Martin Suters „Allmen und die Erotik“ – Gefährliches Porzellan

Bereits zum fünften Mal lässt der Schweizer Martin Suter seinen Lebemann  und dessen Agentur „Allmen International Inquiries“, die sich mit der Wiederbeschaffung wertvoller Kunstgegenstände befasst, im Kunstmilieu agieren. Diesmal muss er sich mit Porzellan auseinandersetzen. Jedoch nicht freiwillig, denn Allmen wird erpresst.

Verkaufen und Wiederfinden: Allmen zwischen den Fronten

Mal wieder in Geldnot – wie man es bei Johann Friedrich von Allmen nicht anders kennt – versucht der Kunstexperte ein Mini-Fabergé-Ei aus der Bibliothek der literarischen Gesellschaft zu entweder. Ungünstigerweise wird er dabei von Krähenbühler, dem Chef einer Securityfirma, gefilmt und promt erpresst: Er, also Allmen, soll erotische Porzellanfiguren stehlen, damit das Securityunternehmen einen Auftrag für die zukünftige Sicherung des Lagers erhält. Aufbewahrt werden sie dort, weil der ehemalige Antiquar Sterner diese Erotika sammelte und mit ihnen auch handelte. Doch als seine Frau schwer erkrankte wurde er Mitglied einer Sekte und verbannte die Figuren ob ihrer Frivolität ins Lagerhaus.

Doch Allmen soll die Figuren nicht nur entwenden, sondern die kostbaren Figuren an Hehler verkaufen und einen großen Anteil des Erlöses dem Erpresser aushändigen. Aufgrund der misslichen Lage bleibt Allmen nichts anderes nötig als dem Deal zuzustimmen.

Natürlich geht beim Einbruch ins Lagerhaus und Diebstahl der Porzellankunst nicht alles glatt. So wird nicht nur er, sondern auch sein Gärtner, Butler, mittlerweile auch Geschäftsteilhaber und langjähriger Gefährte Carlos in die ruchlosen Machenschaften hineingezogen. Denn der Eigentümer der Figuren will, trotz seines hohen Alters und bereits auf den nahenden Tod wartend, Allmen kennenlernen. Bei Allmens Besuch im Sektenhaus lernt er die Tochter von Sterner kennen und fühlt sich gleich zu ihr hingezogen. Doch ausgerechnet das macht die Sache noch komplizierter …

Ein Titel der Bände spricht

Man mag Krimis im generellen und die Allmen-Reihe für Trivialliteratur halten, aber sie liest sich unterhaltsam und in einem Rutsch weg. Das liegt zuvorderst an Suters wunderbar eloquentem sowie nonchalanten Schreibstil, der fast schon als Plauderton daherkommt. Gleichzeitig zeichnet Suters Sprche eine Pointiertheit mit feinzüngiger Ironie aus, die man bereits in all seinen anderen Romanen kennt.

Dazu noch Allmens, längst gewohnte, Art bzw. Unart mit Geld umzugehen und generell wie ein Boheme zu leben, dieser chronisch blanke Kunstkenner und Lebemann, dem man irgendwie nie böse sein kann, obwohl er doch fast schon ein Antiheld ist – man möge mir diesen Begriff in der Zeit aller möglicher Superhelden verzeihen. Auch sonst machen die Akteure den Charme der Reihe aus: der treue Assistent, Gärtner Butler und Geschäftsteilhaber Carlos und dessen Frau Maria oder Herr Arnold Als Chauffeur mit dem 1978er Fleetwood Cadillac.

So simpel oder bekannt der Aufhänger der Erpressung Allmens auf den ersten Blick sein mag, entwickelt sich daraus doch eine durchaus überraschende Story mit allerlei überraschenden Konstellationen und nicht zu vermutenden Schwierigkeiten in der doch sonst so leichten Welt von Allmens. Der Diebstahl und der anschließende Umgang mit dem erotischen Nippes, um die teils eher pornografischen Porzellankunst etwas zu umschreiben, rücken dann in den Hintergrund, wenn es um die Liebe, beziehungsweise die unerfüllte Liebe Johann Friedrich von Allmens geht. Insofern ist der Titel „Allmen und die Erotik“ mehrdeutig aufzufassen. Allein diese (Neben-)Handlung macht den fünften Band äußerst kurzweilig und lesenwert.


Buchcover zu Martin Suter „Allmen und die Erotik“

Martin Suter „Allmen und die Erotik“ | Copyright: Diogenes Verlag AG

Martin Suter
Allmen und die Erotik

erschienen am 01. Oktober 2018
272 Seiten

ISBN 978-3-257-07033-0
€ (D) 20.00 / sFr 27.00* / € (A) 20.60
* unverb. Preisempfehlung

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Diogenes Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Vielen Dank dafür!